Nach dem Brand eines Umspannwerks in Reutlingen sind rund 30.000 Menschen von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Ermittler gehen Hinweisen auf eine gezielte Brandstiftung nach. Die Reparatur der beschädigten Infrastruktur könnte mehrere Tage dauern.
Nach dem Brand eines Umspannwerks in Reutlingen, der einen massiven Stromausfall verursacht hat, verdichten sich die Hinweise auf einen möglichen Brandanschlag. Sicherheitskreise halten eine gezielte Tat für wahrscheinlich. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von möglichen Hinweisen auf einen Brandanschlag oder sogar einen terroristischen Hintergrund. Die Ermittlungen liefen jedoch weiterhin in alle Richtungen.
Der Brand war in der Nacht zum Montag gegen 1.43 Uhr im Umspannwerk Reutlingen-West ausgebrochen. Nach Angaben des Netzbetreibers wurden an der Anlage mehrere Brandstellen entdeckt. Zudem fanden Ermittler einen beschädigten Zaun und sicherten Spuren, die auf den Einsatz eines Brandbeschleunigers hindeuten könnten.
Erinnerungen an Stromausfall in Berlin
Bei eisigen Temperaturen Anfang Januar war in Berlin bei etwa 45.000 Haushalten und über 2.200 Betrieben im Südwesten der Hauptstadt der Strom ausgefallen. Dahinter steckte offenbar ein Anschlag auf eine Kabelbrücke.
Staatsschutz sowie Antiterrorzentrum ermitteln
In Baden-Württemberg haben der Staatsschutz sowie das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts die Ermittlungen übernommen. Der Verdacht lautet auf vorsätzliche Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte im ZDF, nach derzeitigem Stand spreche vieles für einen Brandanschlag. Nun müsse geklärt werden, wer hinter der Tat stehe und welches Motiv die Täter verfolgt hätten.
Von dem Stromausfall waren zeitweise rund 30.000 Menschen in Reutlingen sowie mehreren umliegenden Gemeinden betroffen. In mehreren Orten fielen Ampelanlagen aus, Telefon- und Internetverbindungen funktionierten nur eingeschränkt.
Im Bosch-Werk in Reutlingen konnten die Anlagen erst nach und nach wieder hochgefahren werden. Einzelhändler meldeten erhebliche Schäden, weil gekühlte Lebensmittel entsorgt werden mussten. Nach ersten Schätzungen dürfte der Sachschaden in die Millionen gehen.
Kliniken mussten OPs verschieben
Auch die Gesundheitsversorgung war zeitweise beeinträchtigt. Das Klinikum am Steinenberg wurde mehrere Stunden über Notstromaggregate versorgt. Planbare Operationen mussten verschoben werden. Hilfsorganisationen und Rettungsdienste bereiteten sich vorsorglich auf einen längeren Ausfall der Stromversorgung vor.
Nach Angaben der Energieversorger konnte die Stromversorgung in mehreren Stadtteilen bereits wiederhergestellt werden. Die Reparatur der beschädigten Infrastruktur dürfte jedoch noch Tage in Anspruch nehmen. Eine genaue Prognose für die vollständige Wiederherstellung des Normalbetriebs gibt es bislang nicht.
Innenminister Hagel kündigte an, die Polizeipräsenz in den betroffenen Gebieten zu verstärken. Eine Einsatzhundertschaft werde in den kommenden Nächten zusätzliche Streifen fahren. Die Sicherheit der Bevölkerung und die schnelle Wiederherstellung der Versorgung hätten nun oberste Priorität.