Die Kollektion Herbst/Winter 2026 wurde im Innenhof der Abulkasim-Madrasa gezeigt; usbekische Teppiche, Musik und traditionelles Handwerk prägten die Atmosphäre.
Handgeknüpfte Teppiche bedeckten den Innenhof einer der historischen Medresen Taschkents. Dort präsentierte das italienische Modehaus Brunello Cucinelli in der usbekischen Hauptstadt seine Kollektion Herbst/Winter 2026.
Models liefen über die im Inneren der Abulkasim-Medrese ausgelegten Teppiche. Lokale Musik und Darbietungen begleiteten die Schau.
Der Rahmen war für eine internationale Modenschau ungewöhnlich. Eine Medrese ist eine traditionelle islamische Bildungseinrichtung, der Abulkasim-Komplex stammt aus dem 19. Jahrhundert. Er entstand an der Stelle einer älteren Anlage und erhielt 1864 ein zweites Stockwerk.
Heute steht die Medrese unter Denkmalschutz, sie ist aber weit mehr als ein museal erhaltenes Gebäude. In den ehemaligen Schülerzellen mit Blick auf den Hof arbeiten Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker, die Keramik, Holzschnitzereien, Gravuren, Miniaturmalerei und andere traditionelle Künste herstellen.
Mode in lebendigem Handwerkszentrum
Die Organisatoren erklärten, der Schauplatz solle den Fokus des Modehauses auf Handarbeit mit den eigenen Kunsthandwerkstraditionen Usbekistans verbinden.
Carolina Cucinelli, Vizepräsidentin und Co-Kreativdirektorin von Brunello Cucinelli, erzählte, sie habe sich während ihres Besuchs intensiv mit dem örtlichen Kunsthandwerk beschäftigt.
„Das Handwerk ist einer der wichtigsten Verbindungspunkte zwischen Usbekistan und Solomeo“, sagte sie mit Blick auf das umbrische Dorf, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat.
„Wir konnten Töpferwaren, Schmuck und Stoffe sehen. Das ist beeindruckend. Alles ist sehr farbenfroh.“
Gezeigt wurden die Damen- und die Herrenlinie für Herbst/Winter. Maßgeschneiderte Anzüge, Strick und Oberbekleidung standen vor der Kulisse der Medrese und der Teppiche im Innenhof.
Die Wahl eines historischen Handwerkszentrums knüpft auch an Projekte Cucinellis in Italien an.
Brunello Cucinelli erhielt 2025 eine Ehrendoktorwürde, die unter anderem sein Engagement für die Restaurierung von Solomeo würdigte, jenes umbrischen Dorfes, in dem sein Unternehmen ansässig ist. Eine dort gegründete Schule bildet junge Menschen in traditionellen Fertigkeiten aus, etwa im Schneidern, Zuschneiden, Gärtnern und Mauerhandwerk.
Usbekische Mode richtet Blick auf Auslandsmärkte
Die Schau fällt in eine Phase, in der auch die usbekische Designszene über den heimischen Markt hinausblickt.
Einige einheimische Designerinnen und Designer testen bereits die Nachfrage im Ausland. Sie verbinden zeitgenössische Mode mit Materialien und Techniken, die in usbekischen Handwerkstraditionen verwurzelt sind.
Das Event in Taschkent organisierte der Luxus-Einzelhändler Glamour Avenue.
Dmitriy Maschenko, CEO von Podium und Glamour Avenue, erklärte, das Konzept sei rund um das kulturelle Umfeld der Schau entwickelt worden.
„Die Idee der Show war, die italienische Kultur mit unserer großen usbekischen Kultur zusammenzubringen“, sagte er.
Maschenko rechnet zudem damit, dass in den kommenden Jahren weitere internationale Modemarken auf den usbekischen Markt drängen.
Brunello Cucinelli ist mit einem Laden bereits in Taschkent vertreten. Die Oktober-Schau verlegte die Kollektion jedoch in ein historisches Ensemble, in dem traditionelles usbekisches Handwerk bis heute lebendig ist.