Eilmeldung

"Brexit" - hart und teuer

“Wir wollen beste Freunde bleiben”, sagte Theresa May.

Sie lesen gerade:

"Brexit" - hart und teuer

Schriftgrösse Aa Aa

“Wir wollen beste Freunde bleiben”, sagte Theresa May. Was im Privaten nichts Gutes ahnen lässt, beruhigte in der Politik die Finanzmärkte: Das britische Pfund zog zum Euro und zum Dollar an. Der Dax grenzte seine Verluste ein.

Bis die britische Premierministerin in etwa zwei Jahre den geplanten EU-Austritt konkret verhandelt hat, reagieren vor allem das Pfund – durch Verfall und die Preise – sie stiegen im Dezember stärker als erwartet, um 1,6 Prozent im Jahresvergleich (Office for National Statistics) – die höchste Rate seit Mitte 2014.

James Bevan, CCLA, London:

“Das hat sofort durchgeschlagen auf eine schwächere Währung und mehr Inflation. Lebensmittel wurden teurer, Energie. Ob sich das zu einem Problem auswächst oder nicht, hängt davon ab, ob die Inflation sich jetzt beschleunigt und eine höhere Lohninflation mündet, weniger Wettbewerbsfähigkeit und damit Rentabilität.”

Die Bank of England verfolgt genau, wie schnell die Preise steigen. Gouverneur Mark Carney wiederholte eine Warnung, dass die Lebenshaltungskosten wahrscheinlich wegen des schwachen Pfundes steigen und die Realeinkommen der privaten Haushalte drücken.

 Mark Carney, Bank of England:

“Im Moment versuchen die Haushalte, die “Brexit”-bezogenen Unsicherheiten zu kompensieren, die Sparquoten beginnen zu sinken und die Kreditaufnahme der Verbraucher hat sich merklich beschleunigt.”

Seit dem “Brexit”-Votum im Juni hat das britische Pfund etwa 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren und 13 Prozent gegenüber dem Euro. Heißt: Britische Güter verkaufen sich zu den bisherigen Preisen – ohne Inflation – im Ausland besser, Importe werden teurer.

Die britische Premierministerin Theresa May will einen harten “Brexit” – und sie will das Parlament über ihren Austrittsplan aus der Europäischen Union abstimmen lassen. In bestimmten Bereichen könne die angestrebte Vereinbarung mit der EU Elemente der derzeitigen Binnenmarkt-Vereinbarungen enthalten, sagte May. Mitglied der Zollunion könne Großbritannien aber nicht bleiben, wenn es auch eigene Handelsvereinbarungen treffen wolle. Sie hoffe auf ein Zollabkommen mit der EU, das einen reibungslosen und grenzüberschreitenden Handel gewährleiste.

su mit dpa