Der deutsche SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange, Handelschef des EU-Parlaments, sagte Euronews, er hoffe auf Klagen gegen die neuen US-Zölle und nannte den Fokus auf Zwangsarbeit in der EU "verrückt" angesichts ihrer strengen Regeln.
Der deutsche SPD-Abgeordnete im Europaparlament Bernd Lange, der den Handelsausschuss leitet, rechnet nach dem Bußgeld von 890 Millionen Euro gegen Google mit weiteren Maßnahmen der USA. Die Europäische Kommission hatte die Strafe am Donnerstag verhängt.
Die Spannungen über den Atlantik nahmen zu, nachdem der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte, die Strafe sei "unangemessen" und sorge für "Unsicherheit" im Handel zwischen EU und USA.
Brüssel stützte das Bußgeld auf den Digital Markets Act (DMA). Die Verordnung soll die Marktmacht großer Tech-Konzerne in Europas digitaler Wirtschaft begrenzen und steht seit der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus immer wieder in der Kritik aus Washington.
"Wir haben die im Schottland-Abkommen festgelegten Zölle und Regeln, die für alle gelten – nicht nur für US-Unternehmen, sondern auch für europäische und andere Firmen", sagte Lange.
Er fügte hinzu, dass sowohl der DMA als auch der Digital Services Act (DSA) in Washington unter Beschuss stehen, und warnte, die EU müsse sich auf Reaktionen einstellen.
"Ehrlich gesagt rechne ich damit, dass etwas passiert", sagte er.
Zwangsarbeit: Strafzölle aus Washington "völlig verrückt"
Seit Juli 2025 sind EU und USA durch ein in Schottland ausgehandeltes Handelsabkommen verbunden. Es sieht US-Einfuhrzölle von 15 Prozent auf Waren aus der EU vor und schafft im Gegenzug europäische Zölle auf US-Produkte ab.
Brüssel hofft, dass das Abkommen europäische Unternehmen vor erratischen Entscheidungen und neuen Zollandrohungen aus Washington schützt. Die EU ging davon aus, dass die USA rechtzeitig ein neues Zollregime vorstellen würden, das das am Freitag auslaufende ersetzt. Sie war bereit, es zu akzeptieren, solange die Zölle unter der Obergrenze von 15 Prozent bleiben.
Washington präsentierte das neue System am Donnerstag. Es richtet sich wegen Zwangsarbeit gegen Handelspartner weltweit, darunter auch die EU.
Für Lange ist es "verrückt", dass die USA ausgerechnet die EU mit dem Vorwurf der Zwangsarbeit ins Visier nehmen.
"Wir haben eine hervorragende Gesetzgebung, sogar strenger als die der Vereinigten Staaten", sagte er.
Er geht jedoch davon aus, dass die neuen Zölle vor US-Gerichten angefochten werden können und hofft, dass die Handelspolitik wieder stärker vom Kongress bestimmt wird.
"Ich nehme an, dass die Gerichte in den Vereinigten Staaten darüber entscheiden werden", sagte Lange. "Ich hoffe, dass nach den Zwischenwahlen im November der Kongress wieder mehr Verantwortung übernimmt, so wie es in der Verfassung der Vereinigten Staaten in Artikel eins, Abschnitt acht festgelegt ist: Die Handelspolitik liegt in den Händen des Kongresses."
Das würde der EU nach Langes Einschätzung zusätzliche Stabilität bringen.