UN-Generalsekretär António Guterres ist der erste Chef der Vereinten Nationen, der Syrien seit Ban Ki-moon im Jahr 2009 besucht – zwei Jahre vor Beginn des syrischen Bürgerkriegs.
Es ist der erste Besuch eines UN-Generalsekretärs in Syrien seit 2009. António Guterres rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Bevölkerung des Landes in der Übergangsphase nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad zu unterstützen.
„Ich bin soeben zu einem Solidaritätsbesuch in Damaskus eingetroffen. Meine Botschaft ist klar: Die UN steht in diesem entscheidenden Moment an der Seite Syriens, und ich appelliere an die internationale Gemeinschaft, keine Mühen zu scheuen, um die Menschen in Syrien zu unterstützen“, erklärte Guterres auf X.
Kurz nach seiner Ankunft traf Guterres Syriens Übergangspräsidenten Ahmad al-Sharaa. Anschließend besuchte er das Altstadtviertel von Damaskus und die berühmte Umayyaden-Moschee.
Der Besuch findet in einer Phase statt, in der sich Syrien von dem blutigen Konflikt erholt, der im März 2011 ausbrach und mehr als eine halbe Million Menschen das Leben kostete.
Das fünf Jahrzehnte währende Assad-Familienregime endete im Dezember 2024, als von Kämpfern al-Sharaas angeführte Truppen Damaskus einnahmen. Seither kämpft das Land mit den Folgen der jahrelangen Gewalt und mit lähmenden westlichen Sanktionen.
Die USA und Europa haben viele der Sanktionen aufgehoben, die während der Herrschaft der Assad-Dynastie verhängt wurden. Für die Menschen im Land hat das bislang jedoch nur wenig verändert.
Seit al-Sharaa an der Macht ist, drängt die internationale Gemeinschaft die neue islamistische Führung, stabile und leistungsfähige Institutionen aufzubauen und ein Regierungssystem zu schaffen, das alle Teile der multiethnischen, multikonfessionellen syrischen Gesellschaft einbindet.
Golanhöhen: Lage „inakzeptabel“
Guterres will Vertreterinnen und Vertreter der syrischen Zivilgesellschaft und von Nichtregierungsorganisationen treffen, die sich für Frauenrechte einsetzen. Zudem besucht er eine UN-Friedenstruppe, die seit 1974 auf den von Israel besetzten Golanhöhen im Süden Syriens stationiert ist.
Nach dem Sturz Assads schickte Israel Truppen in die von der UN überwachte Pufferzone, die auf den Golanhöhen zwischen israelischen und syrischen Kräften lag, und hat Angriffe sowie wiederholte Vorstöße tiefer ins syrische Territorium unternommen.
Vertreter Israels erklärten, sie wollten Truppen in einer „Sicherheitszone“ im Süden Syriens belassen und dort eine ausgeweitete entmilitarisierte Zone anstreben.
„Was sich in der Region rund um die Golanhöhen abspielt, ist völlig inakzeptabel“, sagte Guterres auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem syrischen Außenminister Asaad al-Shaibani. Dieser forderte einen „sofortigen und bedingungslosen israelischen Rückzug“ aus den Gebieten, in die die Armee vorgedrungen sei.
Trotz der Spannungen zwischen den Nachbarn haben Israel und die neue syrische Führung bereits mehrere Runden direkter Gespräche geführt und sich auf einen Austausch von Geheimdienstinformationen verständigt. Dennoch hat dies die israelischen Militäreinsätze nicht gestoppt.
Seit dem Sturz al-Assads sind nach UN-Angaben rund 1,9 Millionen Binnenvertriebene und 1,7 Millionen Flüchtlinge aus dem Ausland zurückgekehrt. Rund 5,5 Millionen Menschen sind jedoch weiterhin innerhalb des Landes vertrieben, weitere sechs Millionen leben im Ausland.
Viele Syrerinnen und Syrer leben in Armut; Schätzungen zufolge sind 15,6 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.