Ein ganzer Campingplatz zum Kaufen statt nur ein Stellplatz zum Mieten: Das Angebot bei Berlin fand trotz vieler Anfragen keinen Käufer. Das Auktionshaus zeigt sich überrascht. Jetzt läuft der sogenannte Nachverkauf.
Es klang nach einem Traumangebot für Aussteiger: ein kompletter Campingplatz am Schwielowsee, nur 30 Kilometer von Berlin entfernt, mit laufendem Betrieb und stattlichen Jahreseinnahmen. Doch der Traum vom eigenen Feriendorf ist erst einmal geplatzt. Für den Campingplatz "Neue Scheune" hat sich bei der Herbst-Auktion der Deutschen Grundstücksauktionen AG (DGA) in Berlin kein Käufer gefunden.
Das bestätigt Louisa Holzweißig, Sachbearbeiterin bei der DGA. "Der Campingplatz zum Startpreis von 395.000 Euro wurde leider nicht versteigert", sagt sie Euronews. Das Objekt befinde sich nun im sogenannten Nachverkauf, der zwei Monate dauert.
Ein Campingplatz mit laufendem Betrieb
Die Gemeinde Schwielowsee gilt als staatlich anerkannter Erholungsort und liegt zwischen Kiefernwäldern, Wiesen und Obstgärten. Mit dem rund 41.850 Quadratmeter großen Gelände bekommt der künftige Eigentümer einiges dazu: ein Rezeptionshäuschen aus den 1980er-Jahren, ein Sanitärgebäude, einen Sanitärcontainer sowie sechs Mobilheime mit 20 bis 29 Quadratmetern Wohnfläche. Dazu kommen eine Garage, ein Pumpenhaus mit eigenem Tiefbrunnen und ein Recyclinghaus.
Platz für Gäste gibt es reichlich: Der Platz verfügt über etwa 86 Dauerstellplätze und 25 Stellplätze für Kurzurlauber. Auch einen Spielplatz und zwei Tischtennisplatten gibt es dazu.
Besonders daran: Der Campingplatz läuft weiter. Der bisherige Eigentümer betreibt ihn aktuell noch selbst und würde den laufenden Betrieb erst zum Stichtag an einen neuen Besitzer übergeben, frühestens zum 31. Dezember 2026. Laut den Auktionsunterlagen der DGA erwirtschaftet der Betrieb derzeit Jahreseinnahmen von rund 200.000 Euro.
"Der absolute Minimumpreis sind eben diese 395.000 Euro, und die können jetzt noch geboten werden – nicht im Rahmen einer Auktion, sondern im normalen Nachverkauf", erklärt Holzweißig. Sollten sich mehrere Interessenten für den Platz finden, könnte der Preis demnach noch steigen. Die DGA rechnet weiterhin mit einem Käufer: Man habe seit dem Auktionstag bereits "viele Anfragen" erhalten und wolle nun sehen, ob es zu weiteren Besichtigungen kommt.
"Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet"
Dass sich für den gepflegten, laufenden Betrieb direkt kein Käufer fand, kam für das Auktionshaus selbst überraschend. "Ja, wir waren total überrascht. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Wir hatten so viele Anfragen im Vorhinein, Besichtigungen und so weiter", sagt Holzweißig.
Als möglichen Grund nannte sie die generell schwierigere Finanzierung solcher Spezialimmobilien.
Einen weiteren Grund sieht die DGA-Mitarbeiterin im ungewöhnlichen Eigentumsverhältnis des Grundstücks. Wer bei der Auktion den Zuschlag bekommt, wird nämlich nicht vollständiger Eigentümer der gesamten Fläche: Rund 17.467 Quadratmeter des Grundstücks befinden sich in Privatbesitz, der größere Teil mit etwa 24.383 Quadratmetern ist dagegen nur über ein Erbbaurecht nutzbar.
Das bedeutet, dieser Teil des Bodens gehört formal weiterhin der Gemeinde Schwielowsee, der Käufer erwirbt lediglich das Recht, ihn für die kommenden Jahrzehnte zu nutzen und zu bebauen. Der Erbbaurechtsvertrag läuft noch 66 Jahre und kann anschließend um weitere 20 Jahre verlängert werden. Für die Nutzung wird zudem ein jährlicher Erbbauzins fällig, den der neue Eigentümer an die Gemeinde zahlen muss. "Das ist natürlich auch abschreckend", so Holzweißig.
Sie bestätigt auf Nachfrage von Euronews: Das komplizierte Konstrukt könnte durchaus ein Grund dafür sein, dass potenzielle Käufer zurückhaltend reagiert haben. Interesse an dem Objekt gebe es dennoch sowohl von Privatpersonen als auch von kommerziellen Interessenten, sagt die Sachbearbeiterin. Der bisherige Betreiber wünsche sich naturgemäß, dass der Campingplatz auch künftig weitergeführt wird.
Lage direkt am Wasser
Das vielleicht größte Verkaufsargument bleibt der Standort. Bis zur Berliner Stadtgrenze sind es nur rund 30 Kilometer, bis Potsdam etwa 15 Kilometer. Mit der Regionalbahn ist man in rund 30 Minuten im Berliner Stadtzentrum, auch die Autobahn liegt nur fünf Kilometer entfernt. Trotzdem wirkt die Umgebung wie ein Rückzugsort: Der Campingplatz grenzt an ein größeres Waldgebiet und liegt nur etwa 400 Meter vom Schwielowsee entfernt, dem größten Havelsee und einem der größten Seen im Berliner Umland. Die umliegenden Wälder mit ihren gut ausgeschilderten Wanderwegen laden zu Spaziergängen und sportlichen Aktivitäten ein.
Die Versteigerung fand am 24. September um 11 Uhr im Hotel MOA Berlin statt. Der Campingplatz war dabei nur eines von insgesamt 60 Objekten aus zehn Bundesländern, die die DGA bei ihrer Herbst-Auktion anbot.
Deutschland ist das Land der Camper
Dass sich für einen funktionierenden Campingplatz eigentlich Käufer finden sollten, lag nahe: Die Deutschen campen so viel wie kaum eine andere Nation in Europa. Fast 44,7 Millionen Gästeübernachtungen zählten Campingplätze hierzulande im vergangenen Jahr, ein Rekordwert, wie das Statistische Bundesamt im März mitteilte.
Aber nicht nur in Deutschland ist der Outdoor-Urlaub im Wohnwagen, Van oder Zelt beliebt: Die Statistikbehörde Eurostat zählte für 2025 rund 413 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen in der gesamten EU. Das sind fast 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.
Deutschland ist dabei mit Abstand die Nummer eins der europäischen Campingnationen. In einem aktuellen Ranking der 100 gefragtesten Campingplätze Europas des Reise- und Buchungsportals camping.info kommen 47 der 100 gelisteten Plätze aus Deutschland, vor Österreich mit 23 und Italien mit 18 Plätzen. Auch die offiziellen Zahlen bestätigen den Trend: Laut Eurostat verzeichnete Deutschland 2025 rund 45 Millionen Campingübernachtungen und liegt damit EU-weit auf Platz vier, hinter Frankreich, Spanien und Italien.
Der mit dem Caravaning verbundene Umsatz kletterte laut Branchenschätzungen 2025 auf knapp 23 Milliarden Euro, mittlerweile sind in Deutschland über 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen.
Immer wieder stehen ungewöhnliche Immobilien zum Verkauf
Der Campingplatz am Schwielowsee reiht sich in eine Serie kurioser Immobilienverkäufe der vergangenen Monate ein. In Aachen etwa steht derzeit ein Palais mit Napoleon-Vergangenheit zum Verkauf, das über Jahrhunderte im Besitz einer einzigen Familie war. In der venezianischen Lagune wurde kürzlich eine private Insel mit einem napoleonischen Fort angeboten. In Griechenland stand zudem eine autarke Privatinsel für Gebote ab 247.000 Euro zur Auktion. Und im Greifswalder Bodden fand sogar eine verrostete, verlassene DDR-Militäranlage mitten im Wasser für 60.000 Euro einen neuen Eigentümer.