Ein ganzer Campingplatz zum Kaufen statt nur ein Stellplatz zum Mieten: Bei Berlin wird ein Areal mit sechs Mobilheimen, Sanitäranlagen und rund 100 Stellplätzen versteigert. Die Deutschen sind schließlich für ihre Liebe zum Campen bekannt.
Der Traum vom Aussteiger-Leben treibt viele Menschen dazu, die Wohnung gegen ein Haus auf Rädern zu tauschen und einfach mal loszufahren. Doch warum bei einem Camper oder Van aufhören? In Brandenburg bietet sich jetzt die Gelegenheit, gleich den ganzen Campingplatz zu kaufen, auf dem andere ihren Urlaub verbringen.
Ein Campingplatz kommt unter den Hammer
Bei Berlin wird eine ungewöhnliche Immobilie versteigert: der Campingplatz "Neue Scheune" im Dorf Ferch am Schwielowsee. Die Gemeinde Schwielowsee gilt als staatlich anerkannter Erholungsort und liegt zwischen Kiefernwäldern, Wiesen und Obstgärten. Das Mindestgebot für das Areal liegt bei 395.000 Euro, verkauft wird es von der Deutsche Grundstücksauktionen AG (DGA).
Mit dem rund 41.850 Quadratmeter großen Gelände bekommt der künftige Eigentümer einiges dazu: ein Rezeptionshäuschen aus den 1980er-Jahren, ein Sanitärgebäude, einen Sanitärcontainer sowie sechs Mobilheime mit 20 bis 29 Quadratmetern Wohnfläche.
Dazu kommen eine Garage, ein Pumpenhaus mit eigenem Tiefbrunnen und ein Recyclinghaus. Platz für Gäste gibt es reichlich: Der Platz verfügt über etwa 86 Dauerstelllplätze und 25 Stellplätze für Kurzurlauber. Auch einen Spielplatz und zwei Tischtennisplatten gibt es dazu.
Besonders daran: Der Campingplatz läuft weiter. Der bisherige Eigentümer betreibt ihn aktuell noch selbst und übergibt den laufenden Betrieb erst zum Stichtag an den neuen Besitzer, frühestens zum 31. Dezember 2026.
Es gibt einen kleinen Haken
Wer bei der Auktion den Zuschlag bekommt, wird nicht vollständiger Eigentümer der gesamten Fläche. Rund 17.467 Quadratmeter des Grundstücks befinden sich in Privatbesitz, der größere Teil mit etwa 24.383 Quadratmetern ist dagegen nur über ein Erbbaurecht nutzbar. Das bedeutet: Dieser Teil des Bodens gehört formal weiterhin der Gemeinde Schwielowsee, der Käufer erwirbt lediglich das Recht, ihn für die kommenden Jahrzehnte zu nutzen und zu bebauen.
Der Erbbaurechtsvertrag läuft noch 66 Jahre und kann anschließend um weitere 20 Jahre verlängert werden. Für die Nutzung wird ein jährlicher Erbbauzins fällig, den der neue Eigentümer an die Gemeinde zahlen muss.
Lage direkt am Wasser
Das vielleicht größte Verkaufsargument ist der Standort. Bis zur Berliner Stadtgrenze sind es nur rund 30 Kilometer, bis Potsdam etwa 15 Kilometer. Auch die Autobah liegt nur fünf Kilometer entfernt. Trotzdem wirkt die Umgebung wie ein Rückzugsort: Der Campingplatz grenzt an ein größeres Waldgebiet und liegt nur etwa 400 Meter vom Schwielowsee entfernt, dem größten Havelsee und einem der größten Seen im Berliner Umland.
Auch für Investoren interessant
Ein Campingplatz spricht natürlich nicht nur Aussteiger an, sondern auch Investoren, die sich ein Geschäftsmodell erhoffen. Laut den Auktionsunterlagen der DGA erwirtschaftet der Betrieb derzeit Jahreseinnahmen von rund 200.000 Euro. Katja Heringshausen, Prokuristin der Deutschen Grundstücksauktionen AG, beschreibt das Objekt laut der Zeitung B.Z. als "außergewöhnlich, auch ideal für Menschen, die sich eine Auszeit nehmen möchten".
Die Versteigerung findet am 24. September um 11 Uhr im Hotel MOA Berlin statt. Der Campingplatz ist dabei nur eines von insgesamt 60 Objekten aus zehn Bundesländern, die die DGA bei ihrer Herbst-Auktion anbietet.
Deutschland ist das Land der Camper
Dass sich für einen funktionierenden Campingplatz Käufer finden, ist nicht unwahrscheinlich: Die Deutschen campen so viel wie kaum eine andere Nation in Europa.
Fast 44,7 Millionen Gästeübernachtungen zählten Campingplätze hierzulande im vergangenen Jahr, ein Rekordwert, wie das Statistische Bundesamt im März mitteilte. Nach Zahlen des Caravaning Industrie Verbandes liegt die tatsächliche Zahl mit rund 56 Millionen Übernachtungen sogar noch deutlich höher, da die amtliche Statistik nur Plätze mit mindestens zehn Stellplätzen erfasst.
In einem aktuellen Ranking der 100 gefragtesten Campingplätze Europas sind auch viele Kandidaten aus Deutschland dabei.
Der mit dem Caravaning verbundene Umsatz kletterte laut Branchenschätzungen 2025 auf knapp 23 Milliarden Euro, mittlerweile sind in Deutschland über 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen.
Immer wieder stehen ungewöhnliche Immobilien zum Verkauf
Der Campingplatz am Schwielowsee reiht sich in eine Serie kurioser Immobilienverkäufe der vergangenen Monate ein. In Aachen etwa steht derzeit ein Palais mit Napoleon-Vergangenheit zum Verkauf, das über Jahrhunderte im Besitz einer einzigen Familie war. In der venezianischen Lagune wurde kürzlich eine private Insel mit einem napoleonischen Fort angeboten. Und im Greifswalder Bodden fand sogar eine verrostete, verlassene DDR-Militäranlage mitten im Wasser für 60.000 Euro einen neuen Eigentümer.