Donald Trump lehnt globale Regeln für Künstliche Intelligenz ab, UN-Generalsekretär António Guterres warnt vor tödlicher Macht der Maschinen, andere Staats- und Regierungschefs drängen auf internationale Kontrolle.
US-Präsident Donald Trump und UN-Generalsekretär António Guterres zeichnen am Dienstag bei den Vereinten Nationen völlig unterschiedliche Szenarien, wie die Welt mit künstlicher Intelligenz umgehen soll.
Guterres stützt sich auf einen neuen UN-Bericht, der vor einem zwar geringen, aber realen Risiko katastrophaler und irreversibler Schäden warnt. Mit diesem Papier eröffnet er die Reihe der Reden von Staats- und Regierungschefs vor der Generalversammlung. Er fordert strengere Kontrollen für KI und beschreibt in drastischen, teils düsteren Bildern, was schiefgehen könnte.
„Lassen Sie uns beschließen, dass Entscheidungen über Leben und Tod niemals Maschinen überlassen werden. Tötungsroboter dürfen in unserer Zukunft keinen Platz haben“, sagt der UN-Chef in seiner Abschiedsrede vor den Staats- und Regierungschefs. Schon vor einem Jahrzehnt hatte er in seiner ersten Ansprache vor der Generalversammlung vor KI gewarnt.
Wenn Guterres jetzt fordert, die „Rahmenbedingungen für ein verantwortliches Tempo der KI-Entwicklung und zusätzliche Schutzmechanismen gegen Risiken“ zu schaffen, greift der UN-Sicherheitsrat das Thema am Mittwoch auf. Dort soll beraten werden, wie sich die Technologie begrenzen lässt. Geladen sind einige der bekanntesten Namen der Branche.
Trump: Superintelligenz statt künstlicher Intelligenz
Weniger als eine Stunde später stellt sich Trump entschieden gegen diese Linie.
„Die Vereinigten Staaten lehnen jeden Versuch rundweg ab, einen globalistischen Mechanismus zu schaffen, der diese künstliche Intelligenz kontrollieren soll, über die hier so viel gesprochen wird. Ab jetzt und hier heißt sie offiziell Superintelligenz, wir ändern den Namen“, sagt er.
Die Staats- und Regierungschefs, die nach Trump ans Mikrofon treten, bleiben jedoch beim Begriff „künstliche Intelligenz“ – nicht „Superintelligenz“.
„Jede große neue Technologie bringt Herausforderungen mit sich, und Superintelligenz bildet da keine Ausnahme“, sagt Trump. „Doch genau die Menschen, die behauptet haben, wir wären in zwölf Jahren wegen der globalen Erwärmung tot – ein Begriff, der zu Klimawandel wurde, weil sich der Planet abkühlte und nicht erwärmte und niemand gestorben ist – sind dieselben, die jetzt sagen, KI werde uns alle töten, Roboter würden uns angreifen und alles ende im völligen Desaster.“
Andere mahnen Kontrolle und Kooperation
Das Problem: Sowohl Trump als auch Guterres verengen die Debatte auf Gegensätze, die wenig helfen, meint Henry Hoffmann, Leiter des Fachbereichs Informatik an der University of Chicago.
„Der eine macht daraus einen Science-Fiction-Film, der andere erklärt es praktisch zur Nebensache“, schreibt Hoffmann in einer E-Mail.
„Beide drängen die Menschen dazu, sich für ein Lager zu entscheiden, statt sich mit den realen Risiken und möglichen Gegenmaßnahmen zu befassen. Es darf keine Seiten geben, wenn es um die Frage geht, ob wir mächtige autonome Systeme angemessen kontrollieren. Spannend ist die Diskussion darüber, welche Instrumente diese Kontrolle tatsächlich sichern.“
Viele Länder wollen verhindern, im Wettlauf um KI zwischen den USA und China zurückzubleiben. Trump erklärt, Amerika liege vorne. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Guterres rücken das Thema zudem in den Kontext des Kinderschutzes.
„Warten wir nicht, bis die Folgen der KI auf uns niederprasseln“, sagt Macron. „Wir müssen jetzt handeln, um unsere Kinder und unsere Jugendlichen zu schützen.“
Finnlands Präsident Alexander Stubb erwartet, dass KI die Welt verändert – womöglich zum Guten –, fordert aber strenge Leitplanken.
„Künstliche Intelligenz ist die folgenreichste Technologie in der Geschichte der Menschheit. Sie wird die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Politik, die Sicherheit und das Wesen unserer eigenen Menschlichkeit verändern“, sagt Stubb.
„Menschen können und sollten am Steuer sitzen. Wir haben eine Wahl. Wir können konkurrieren, kooperieren oder das Tempo drosseln. Für mich ist Kooperation der beste Weg nach vorn.“
Großbritanniens Premierminister Andy Burnham erklärt am Rande der UN-Generalversammlung vor Wirtschaftsvertretern, er wolle „einheitliche globale Prinzipien und Standards“ sehen, die das Potenzial von KI erschließen und zugleich ihre Risiken begrenzen.
„KI zum Guten“ soll nach seinen Worten im kommenden Jahr Schwerpunkt der britischen Präsidentschaft in der G20-Gruppe der Staaten werden.
Bei der für Mittwoch geplanten KI-Sitzung des Sicherheitsrats hört die UN sowohl Entwickler dieser Systeme an als auch jene, die zuletzt lautstark vor fehlenden Schutzmechanismen gewarnt haben.
Auf der Rednerliste stehen Sam Altman, Chef von OpenAI, danach Dario Amodei, Vorstandsvorsitzender von Anthropic, und schließlich Clément Delangue, Geschäftsführer und Mitgründer von Hugging Face, dessen Plattform von einem abtrünnigen OpenAI-Programm gehackt wurde.