Eigentlich wollte ein Familienvater aus dem Rheinland im Herbst 2025 nur mal kurz mit seinem Metalldetektor über einen Acker bei Wesseling südlich von Köln gehen. Dann schlug das Gerät an, und er fand eine römische Silbermünze. Es blieb nicht bei einer.
Es war wohl der Fund seines Lebens: Der Hobby-Schatzsucher, ein Familienvater aus dem Rheinland, hatte an dem Tag nichts Besonderes erwartet, als plötzlich sein Metalldetektor anschlug. Er fand eine römische Silbermünze, danach weitere. Als er bei 15 Stück angelangt war und der Detektor weiter anschlug, wurde ihm klar: Das ist etwas Größeres.
Was die Archäologen anschließend bargen, übertraf alle Erwartungen: 934 römische Silberdenare mit einem Gesamtgewicht von 3,1 Kilogramm. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) bezeichnet den Fund als den größten bekannten Münzschatz aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Weltweit soll es nur vier größere römische Horte aus dieser Zeit geben.
Der Fundort liegt südlich von Köln und damit in einer Region, die während der römischen Kaiserzeit eine wichtige Rolle spielte. Das nahegelegene Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln, war damals ein bedeutendes politisches, militärisches und wirtschaftliches Zentrum am Rhein.
Vermögen, das vermutlich über Generationen weitergegeben wurde
Besonders faszinierend ist die zeitliche Spannweite der Münzen. Die älteste stammt aus dem Jahr 148 v. Chr., also aus der Zeit der Römischen Republik. Die jüngste wurde 124/125 n. Chr. geprägt. Zwischen beiden liegen mehr als 270 Jahre. Als der Schatz vermutlich im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts vergraben wurde, war die älteste Münze also bereits mehr als zweieinhalb Jahrhunderte alt und offenbar noch immer als Zahlungsmittel gültig. Der Fund zeigt damit auch, wie lange ältere Münzen im römischen Geldkreislauf bleiben konnten.
Der Wert des Schatzes lässt sich heute nur schwer in Geld umrechnen. Einen Eindruck vermittelt jedoch der Sold eines römischen Legionärs: Ein einfacher Soldat erhielt zu dieser Zeit rund 300 Denare im Jahr, wobei etwa die Hälfte für Verpflegung und Ausrüstung einbehalten wurde. Um eine vergleichbare Summe anzusparen, hätte er rund sechs Jahre lang sein gesamtes verfügbares Einkommen zurücklegen müssen.
Warum wurde der Schatz nie wieder geborgen?
Die Archäologen gehen davon aus, dass das Geld absichtlich vergraben wurde, zur sicheren Aufbewahrung. Vermutlich starb die Person, bevor sie jemandem von dem Versteck erzählen konnte.
Die Art der Bergung liefert zumindest einige Hinweise: Die Münzen wurden teilweise als zusammenhängender Erdblock in die Restaurierungswerkstatt des LVR-Landesmuseums Bonn gebracht. Dort zeigten Röntgenaufnahmen unter anderem Fragmente eines Keramikgefäßes und Strohreste. Offenbar hatte jemand die Münzen einst in einem mit Stroh ausgepolsterten Gefäß deponiert.
Es liegt nahe, dass das Vermögen um das Jahr 100 n. Chr. angesammelt, aber erst einige Jahrzehnte später, während der Regierungszeit Kaiser Hadrians, vergraben wurde.
Ein kurzer Ausflug in die Zeit, aus der der Schatz stammt: Kaiser Hadrian (76–138 n. Chr.) regierte das Römische Reich von 117 bis zu seinem Tod im Alter von 62 Jahren. Er gilt als einer der sogenannten „fünf guten Kaiser“ und setzte auf die Sicherung und Konsolidierung des riesigen Imperiums. Hadrian reiste durch weite Teile des Reiches, ließ Straßen, Tempel und Städte ausbauen und wurde besonders durch den Hadrianswall in Britannien bekannt, der die römische Grenze gegen die nördlichen Stämme sichern sollte.
Seine Herrschaft war jedoch nicht friedlich: In den Jahren 132 bis 135 kam es in der römischen Provinz Judäa, die sich über Teile des heutigen Israel und der palästinensischen Gebiete erstreckte, zu einem Aufstand gegen die römische Herrschaft. Unter der Führung von Simon Bar Kochba kämpften jüdische Rebellen gegen die Römer. Der Aufstand wurde von Rom brutal niedergeschlagen.
Die Silbermünzen, die der Rheinländer fand, gehören nun dem Land Nordrhein-Westfalen, der Finder soll eine Belohnung erhalten.
Zum ersten Mal öffentlich präsentiert wurde ein Teil der Münzen jetzt im September in Bonn. Ab März 2027 soll der Schatz in der archäologischen Dauerausstellung des Bonner LVR-LandesMuseums zu sehen sein.