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IEA könnte weitere Ölreserve-Freigaben prüfen, Europa steht vor hartem Winter

Archivbild: IEA-Chef Fatih Birol spricht in einem AP-Interview in der IEA-Zentrale in Paris am Donnerstag, 16. April 2026.
Archivaufnahme: IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur AP in der IEA-Zentrale in Paris, Donnerstag, 16. April 2026. -  Copyright  AP Photo/Michel Euler
Copyright AP Photo/Michel Euler
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
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Die IEA erwägt weitere Notfreigaben von Ölreserven, falls sich Lieferprobleme zuspitzen. Derzeit ist das aber nicht ihre Priorität. Europa steuert nach über €100 Mrd. Mehrkosten seit Beginn des Iran-Kriegs auf einen schwierigen Winter zu.

Die Internationale Energieagentur (IEA) stellt eine weitere Freigabe strategischer Ölreserven in Aussicht, um Engpässe auf den Märkten zu lindern.

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Bei einem Treffen der EU-Energieminister in Dublin sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol, die Agentur habe seit März 400 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven freigegeben. Rund ein Drittel davon sei noch nicht „an die Märkte gelangt“.

Die freigegebenen Bestände entsprächen „20 Prozent unserer gesamten Vorräte“, erklärte Birol. „80 Prozent sind noch in unserer Tasche. Wenn es notwendig ist und unsere Mitgliedsländer zustimmen, sind wir bereit zu handeln, um aktuelle und künftige Marktprobleme anzugehen_“_, fügte er hinzu.

Derzeit stehe das Thema jedoch „nicht ganz oben auf der Agenda der IEA“.

Birols Aussagen fielen, als EU-Energiekommissar Dan Jørgensen am Dienstag über die Mehrkosten sprach, mit denen Europa seit Beginn des Krieges im Iran konfrontiert ist. Nach seinen Angaben haben die EU-Staaten seit Ausbruch des Krieges im Iran mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich für Energieimporte ausgegeben. Trotz dieser Zusatzkosten hätten sie „nicht ein einziges zusätzliches Molekül Gas oder Öl“ erhalten.

Die Störungen der Schiffspassagen durch die Straße von Hormus haben das weltweite Angebot an Öl und Diesel verknappt. Vor dem Krieg wurden über die Wasserstraße rund ein Fünftel des global gehandelten Öls verschifft. Europa ist zudem stark auf importierten Dieselkraftstoff angewiesen.

Jørgensen forderte deshalb schnellere Investitionen in Stromerzeugung und Netzinfrastruktur, um die Abhängigkeit der EU von importierten fossilen Energieträgern zu verringern.

Seit die EU nach der russischen Vollinvasion der Ukraine 2022 ihre Abhängigkeit von russischer Energie deutlich reduziert hat, stützt sie sich bei Dieselimporten stärker auf die USA.

„Europa ist eine der am stärksten exponierten Regionen – wenn nicht die am stärksten exponierte überhaupt –, wenn es um Diesel geht. Europa importiert enorme Mengen Diesel, und wir gehen in die harte Jahreszeit, die Wintersaison“, sagte Birol.

Die USA lieferten im August etwa die Hälfte der Dieselimporte der EU.

Die Dieselmengen für Europa sind bereits seit 2023 unter Druck, seit EU-Sanktionen gegen russische Ölprodukte greifen. Zusätzliche Störungen der Lieferungen aus dem Nahen Osten haben die Nachfrage nach Diesel aus den USA weiter erhöht.

Nun steht Europa vor dem Winter und die Dieselversorgung ist ohnehin knapp, während die US-Regierung Exportbeschränkungen prüft. Euronews hatte zuvor berichtet, dass die EU-Kommission ein mögliches Exportverbot der USA als „schlechte Idee“ kritisierte, die beiden Volkswirtschaften schade.

Die Kraftstoffpreise sind ohnehin hoch. Der durchschnittliche Dieselpreis in der EU erreichte vergangene Woche mit 2,23 Euro pro Liter einen Rekordwert. Wie Euronews meldete, kostete Diesel in Frankreich am Dienstag vergangener Woche 2,40 Euro pro Liter und in Dänemark 2,56 Euro.

US-Diesel-Exportstopp: Was er Europa kosten könnte

Nach Berechnungen von Oxford Economics könnte ein vollständiges Exportverbot der USA die europäischen Großhandelspreise für Diesel um 40 bis 50 Prozent nach oben treiben. Ein Teil dieses Aufschlags würde bei den Verbrauchern ankommen und den Endpreis pro Liter inklusive Mehrwertsteuer um etwa 0,50 bis 0,60 Euro erhöhen. Das würde die Inflation um einige Zehntel Prozentpunkte anheben.

Diese Zahlen beziehen sich auf ein komplettes Exportverbot. Sie sind keine Prognose für die enger gefassten Beschränkungen, über die US-Vertreter ebenfalls beraten. Oxford Economics betont, dass Umfang, Dauer und mögliche Ausnahmen eines Verbots bislang offen sind.

Die Suche nach Ersatzlieferungen von Diesel würde Zeit brauchen. Oxford Economics verweist auf bestehende Grenzen für zusätzliche Lieferungen aus dem Nahen Osten. Treibstoff aus asiatischen Raffinerien bräuchte länger, um Europa zu erreichen. Zugleich rechnen die Analysten damit, dass Europa seine Notfallreserven anzapfen könnte, falls US-Beschränkungen die Dieselpreise stark nach oben treiben. Das würde den Preissprung zumindest teilweise abfedern.

Selbst US-Raffinerien stellen sich gegen mögliches Diesel-Exportverbot

US-Branchenverbände haben Präsident Donald Trump vor einem Exportverbot gewarnt. In einem Schreiben vom 23. September erklärten der Business Roundtable, das American Petroleum Institute und mehr als zwei Dutzend weitere Verbände, Raffinerien müssten ihre Produktion drosseln, wenn sie überschüssigen Diesel nicht mehr ausführen könnten. Das würde auch die Herstellung von Benzin und Flugbenzin verringern.

Nach Daten des Energieanalyseunternehmens Kpler arbeiteten US-Raffinerien im Sommer über weite Strecken mit mehr als 95 Prozent Auslastung und erreichten in der letzten Augustwoche etwa 98 Prozent. Damit bleibt kaum Spielraum für zusätzliche Produktion. Würde der in die Exportmärkte gehende Diesel im Land gehalten, könnten die Preise an der Golfküste zunächst sinken, so Kpler. Engpässe bei Lagerkapazitäten und Transportwegen würden es jedoch erschweren, diese Entlastung landesweit weiterzugeben. Sinkende Raffineriemargen könnten die Produzenten letztlich dazu bringen, ihre Auslastung zu reduzieren.

Oxford Economics schätzt, dass ein vollständiges Exportverbot die Dieselpreise in den USA binnen weniger Wochen um rund 30 Prozent drücken könnte. Gleichzeitig warnen die Experten, dass Lagerprobleme und geringere Raffinerieauslastung die Preise für Benzin und Flugkraftstoff verteuern könnten – und damit einen Teil des Vorteils für US-Verbraucher zunichtemachten.

Irlands Energieminister Darragh O’Brien hält ein US-Exportverbot für „unwahrscheinlich“, da es die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks belasten würde. Zugleich rief er die EU zur Vorsorge auf: „Wir müssen wachsam bleiben. Selbstzufriedenheit ist fehl am Platz.“

Weitere Quellen • AP

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