Länder mit bestehenden Drohnenabkommen mit Kyjiw könnten Zugang zu neuer ukrainischer Abwehrtechnik gegen russische Jet-Drohnen erhalten, sagte Kyrylo Budanow Euronews.
Die Ukraine setzt ihre neue Abfangtechnologie bereits im Einsatz ein und drängt nun darauf, die Produktion noch vor der härtesten Phase des Winters hochzufahren, sagt Kyrylo Budanow, Leiter des Präsidialamts der Ukraine.
In einem Exklusivinterview mit Euronews erklärte Budanow, die Technologie fange in den meisten Fällen russische Drohnen mit Strahltriebwerken ab. Die Produktion in ausreichend großer Stückzahl bleibe jedoch die größte Herausforderung.
Die Technologie könnte auch Ländern zur Verfügung stehen, die im Rahmen der sogenannten „Drone Deals“ bereits Drohnenpartnerschaften mit der Ukraine aufgebaut haben.
Die Ukraine hat solche Vereinbarungen mit immer mehr Partnern geschlossen, darunter die EU-Staaten Litauen, Lettland, Estland, die Niederlande und Dänemark. Diese Abkommen schaffen einen Rahmen für Zusammenarbeit, von gemeinsamer Produktion über Technologietransfer bis hin zum Austausch militärischer Expertise.
Entwickelt wurden sie, als die Ukraine ihre eigene Drohnenindustrie rasant ausbaute und vermehrt relativ günstige Abfangdrohnen gegen die konventionellen Angriffsdrohnen des Shahed-Typs aus Russland einsetzte.
Doch auch Russland passt sich an.
Moskau setzt zunehmend Angriffsdrohnen mit Strahltriebwerk ein, die Geschwindigkeiten von bis zu 500 km/h erreichen. Sie sind damit deutlich schneller als die bisherige Generation ukrainischer Abfangdrohnen, die auf etwa 300 km/h kam.
Dieser Tempovorteil bedeutete, dass die Abfangdrohnen die neuen russischen Systeme nicht mehr zuverlässig erreichen konnten. In einigen Fällen mussten die ukrainischen Streitkräfte deshalb auf teurere und seltene Flugabwehrraketen zurückgreifen.
Die Ukraine hat daraufhin die Entwicklung schnellerer Abfangsysteme beschleunigt, die speziell auf diese neue Bedrohung zugeschnitten sind.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die Ukraine sei beim Abschuss konventioneller Shahed-Drohnen inzwischen sehr erfolgreich. Bei einigen Angriffen liege die Abfangrate bei etwa 90 Prozent oder darüber.
Die neueren Varianten mit Strahltriebwerk bleiben deutlich schwieriger. Selenskyj bezifferte ihre Abfangrate Anfang dieser Woche auf 57 Prozent.
Genau diese neue Generation ukrainischer Abfangtechnologie könnte nun in die bestehenden Partnerschaften des Landes einfließen.
„Es geht nicht um ein bestimmtes Produkt. Es geht grundsätzlich um eine Zusammenarbeit zwischen Staaten an ähnlichen Produkten“, sagte Budanow gegenüber Euronews.
Auf die Frage, ob die neuesten Technologien der Ukraine, darunter Abfangsysteme gegen Drohnen mit Strahltriebwerk, Teil der Abkommen mit europäischen Staaten werden könnten, antwortete Budanow: „Jeder, der solche Vereinbarungen mit uns geschlossen hat, hat sozusagen das Recht, die Verhandlungen über konkrete Produkte fortzusetzen.“
Budanow zeigte sich überzeugt, dass die Ukraine noch vor der härtesten Phase des kommenden Winters die notwendige Produktionsmenge erreichen kann.
Wie dringend dieses Wettrennen ist, zeigt sich bereits an der Front.
Euronews erhielt exklusiven Zugang zu einer Flugabwehrstellung zum Schutz der Region Kyjiw. Soldaten schilderten dort, wie die schnelleren Drohnen Russlands die Zeit zum Entdecken und Bekämpfen eingehender Ziele drastisch verkürzen.
Steuert eine Drohne mit Strahltriebwerk auf Kyjiw zu, bleiben den Besatzungen nach ihren Angaben manchmal nur zehn bis fünfzehn Sekunden für eine Reaktion.
Das unablässige Tempo der Angriffe fordert ebenfalls seinen Tribut. Einige Soldaten berichteten Euronews, sie hätten in den vergangenen Tagen teils nur anderthalb Stunden pro Tag geschlafen, weil wiederholte Drohnenwellen aus Russland die Flugabwehr dauerhaft in Alarmbereitschaft hielten.
Pawlo Zugunow, Kommandeur einer Flugabwehrbatterie, sagte, Geschwindigkeit und Flughöhe der neuesten russischen Drohnen machten sie für die vorhandenen Systeme deutlich schwerer angreifbar.
„Sie fliegen höher und schneller“, sagte Zugunow Euronews. „Und die meisten Systeme, die wir haben, können diese Ziele nicht erfassen.“
Die Drohnen mit Strahltriebwerk erhöhen den Druck auf die ohnehin stark belastete ukrainische Luftverteidigung zusätzlich. Gleichzeitig fehlen Abfangmittel, um russische ballistische Raketen aufzuhalten.