Vom Smartphone bis zum Rechenzentrum: Die Hightech-Siliziumsubstrate des französischen Unternehmens stecken in weltweit genutzter Technik. Valérie Gauriat hat das Werk in den französischen Alpen besucht.
Im Grésivaudan-Tal nahe Grenoble, das bisweilen als „Silicon Valley der Alpen“ bezeichnet wird, entstehen jedes Jahr Millionen hochentwickelter Silizium-Wafer.
Sie stammen von Soitec, einem französischen Unternehmen, das in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist, in der Halbleiterbranche jedoch zu den weltweit führenden Anbietern hochmoderner Substrate zählt.
Gegründet wurde Soitec vor 33 Jahren auf Basis einer Erfindung des französischen Forschungsinstituts CEA-Leti. Am Anfang arbeitete dort nur rund ein Dutzend Menschen. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 2.000 Mitarbeitende und hält weltweit über 4.700 aktive Patente; produziert wird in Frankreich und Singapur.
Technikvorstand Christophe Maleville sagt: „Unsere Wurzeln sind französisch, unsere Reichweite ist global. Unser Auftrag ist es, schneller zu sein als die Konkurrenz.“
Soitec stellt sogenannte Advanced Substrates her – hochspezialisierte Silizium-Wafer, die als Ausgangsmaterial für besonders leistungsstarke Mikrochips dienen. Die Technologie steckt in Mobiltelefonen, vernetzten Geräten, Autos und Haushaltsgeräten ebenso wie in Rechenzentren.
„Heute sind wir weltweit führend bei Advanced Substrates für Halbleiter“, sagt Chief Operations Officer Cyril Menon. Ein Erfolgsfaktor sei das Umfeld in Grenoble mit Forschungsinstituten, Hochschulen und Industrieunternehmen.
In den streng kontrollierten Reinräumen von Soitec durchlaufen die Wafer zwischen 30 und 50 Prozessschritte. Dabei werden extrem dünne Materialschichten im atomaren Maßstab von einem Substrat auf ein anderes übertragen.
Jedes Jahr verlassen mehrere Millionen dieser Advanced Substrates die Werke von Soitec. Rund 60 Prozent des Umsatzes stammen aus Asien, etwa 30 Prozent aus Europa und rund 10 Prozent aus den Vereinigten Staaten.
Um den technologischen Vorsprung zu halten, investiert SOITEC kräftig: Rund 20 Prozent des Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung.
Maleville sagt: „Die Geschwindigkeit der Innovation ist absolut entscheidend, denn wir müssen den Abstand zur Konkurrenz wahren.“
Künstliche Intelligenz eröffnet neue Chancen, aber auch neue Risiken. Ihre rasante Entwicklung treibt die Nachfrage nach immer leistungsstärkeren Rechenzentren in die Höhe und schürt zugleich Sorgen um deren Energie- und Ressourcenverbrauch.
Die Photonik-Produkte von SOITEC sollen Daten schneller übertragen und zugleich den Energiebedarf senken.
Sie könnten zugleich den hochumstrittenen Boom der künstlichen Intelligenz weiter antreiben.
„Wie diese KI genutzt wird, ist eine Debatte, die wir führen sollten“, räumt Cyril Menon ein. „Wie wir sie regulieren, wie wir das Beste aus dieser KI machen, ist eine zentrale gesellschaftliche Frage. Und diese KI verbraucht sehr viel Energie und viele Ressourcen. Deshalb ist es wichtig, Produkte anzubieten, die dazu beitragen, dieses Problem anzugehen.“
Für das Management von SOITEC geht es bei der Beherrschung dieser Technologien auch um Europas Rolle in der globalen Industrie.
„Mit solchen Spitzentechnologien können wir Europas Zukunft mitgestalten“, sagt Menon zum Schluss. „Und uns einen Platz am Tisch sichern.“