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T-Shirt statt Winterjacke: Was uns der warme Oktober über den Winter verrät

Hafen von Konstanz, Deutschland, 2018
Hafen von Konstanz, Deutschland, 2018 -  Copyright  (Steffen Schmidt/dpa via AP)
Copyright (Steffen Schmidt/dpa via AP)
Von Verena Schad
Zuerst veröffentlicht am
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Bis zu 25 Grad zum Start in den Oktober: Deutschland erlebt gerade noch einmal spätsommerliche Temperaturen. Doch eine alte Bauernregel sieht darin ein schlechtes Zeichen. Folgt auf den warmen Herbst tatsächlich ein harter Winter? Ein Blick auf Statistik und Meteorologie.

Wer dieser Tage draußen unterwegs ist, braucht vielerorts noch keine Jacke. Der Oktober beginnt in Deutschland mit ungewöhnlich milden Temperaturen, regional sind um die 25 Grad möglich. Nach dem nassen und wechselhaften Wetter, das viele mit Herbst verbinden, fühlt sich das fast wie eine verspätete Sommerwoche an.

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Doch ausgerechnet das schöne Wetter soll nach einer alten Bauernregel Grund zur Sorge sein: „Ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein.“

Wer dem Spruch glaubt, sollte also schon einmal nach Schal, Handschuhen und Schneeschieber suchen. Denn je freundlicher der Oktober, desto härter soll der Winter werden. Aber stimmt das wirklich?

Ein warmer Oktober als Warnsignal?

Bauernregeln waren einst eine Art Wetterkalender. Lange bevor Satelliten, Wetterballons und Computermodelle zur Verfügung standen, beobachteten Menschen über Generationen hinweg den Verlauf der Jahreszeiten. Aus solchen Erfahrungen entstanden Reime, die sich leicht merken ließen und Orientierung für Landwirtschaft und Alltag geben sollten.

Das Problem: Was über Jahrzehnte plausibel wirkt, muss noch lange kein verlässlicher Zusammenhang sein. Gerade beim Oktober und dem folgenden Winter lohnt sich deshalb ein Blick zurück. Und der liefert ein ziemlich spektakuläres Gegenbeispiel.

Als die Bauernregel komplett danebenlag

Im Herbst 2006 war es in Deutschland außergewöhnlich warm. Wer damals nach der alten Regel gegangen wäre, hätte sich auf einen bitterkalten Winter einstellen müssen.

Es kam genau andersherum: Der Winter 2006/07 wurde zum wärmsten Winter in Deutschland seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901. Der Deutsche Wetterdienst ermittelte damals eine Durchschnittstemperatur von 4,3 Grad Celsius – 4,1 Grad über dem langjährigen Mittel. Eine längere Frostperiode blieb aus.

Auch der Dezember 2006 war außergewöhnlich warm, der Januar stellte einen Temperaturrekord auf. Die alte Regel hatte damit einen denkbar schlechten Treffer gelandet.

Warum der Oktober den Januar nicht „vorprogrammiert“

Dass der aktuelle Eindruck eines „Sommer-Herbstes“ nicht nur subjektiv ist, zeigen die Messdaten. Der September 2026 war in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst mit 15,9 Grad im Mittel 2,6 Grad wärmer als das langjährige Mittel. Und es fiel deutlich weniger Niederschlag als üblich.

31 Grad wurden am 30. September am Oberrhein gemessen, 29 Grad in Nordbaden. Am 1. Oktober waren es 25 Grad in Bayern und Sachsen, 23 bis 25 Grad in Berlin und Brandenburg. Das bedeutet allerdings nicht, dass der gesamte Oktober so weitergeht. Bereits in den kommenden Tagen soll sich die Wetterlage verändern, und die Temperaturen gehen zurück.

Das Wetter in Deutschland wird von großräumigen Strömungen beeinflusst. Für die Wintermonate spielen unter anderem die Druckverteilung über dem Atlantik, die sogenannte Nordatlantische Oszillation und Veränderungen in der arktischen Atmosphäre eine Rolle. Auch der Polarwirbel kann für die Verteilung kalter Luftmassen eine Rolle spielen.

Deshalb sind konkrete Wettervorhersagen über mehrere Monate auch mit modernen Modellen schwierig. Je weiter der Blick in die Zukunft reicht, desto weniger geht es um eine konkrete Vorhersage für einen bestimmten Tag – und desto mehr um Wahrscheinlichkeiten und mögliche Entwicklungen.

El Niño könnte Einfluss auf das Deutschland-Wetter haben

Eine Sache macht den Blick auf den Winter 2026/27 trotzdem interessant: El Niño.

Das Klimaphänomen im tropischen Pazifik entwickelt sich derzeit ungewöhnlich stark. Nach Angaben der US-amerikanischen Wetter- und Klimabehörde NOAA liegt die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes El-Niño-Ereignis im Herbst und Winter 2026/27 bei mehr als 90 Prozent.

Für Oktober bis Dezember sieht NOAA eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent dafür, dass die Stärke des Klimaphänomens einen Wert erreicht, der über den bisherigen El-Niño-Ereignissen seit 1950 liegt.

Denn El Niño beeinflusst das weltweite Klimasystem. Seine Auswirkungen sind regional sehr unterschiedlich und hängen mit weiteren atmosphärischen Bedingungen zusammen. Selbst NOAA betont, dass mögliche Auswirkungen nicht garantiert sind.

Also doch Schnee?

Ein kalter Winter ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen. Auch nach einem sehr milden Herbst können sich im Januar oder Februar winterliche Wetterlagen entwickeln.

Nur liefert die alte Bauernregel als Wetterweisheit aus einer Zeit ohne Satelliten dafür keine belastbare Vorhersage. Wer also angesichts von 20 oder 25 Grad Anfang Oktober schon den Eiswinter kommen sieht, kann erst einmal tief durchatmen. Der warme Oktober ist kein meteorologischer Countdown bis zum Frost.

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