Nachdem das Wasser zurückgeht, treten die betroffenen Regionen in die nächste Phase ein: Sie ziehen Bilanz und schätzen die Folgen der Flut.
Das schwere Unwetter, das Kreta heftig getroffen hat, zieht langsam ab. Zurück bleiben schwere Schäden an Infrastruktur, landwirtschaftlichen Flächen, Kulturen und Viehbetrieben.
Teams und zuständige Behörden beginnen mit Ortsterminen. Zugleich versuchen die Bewohner, wieder Zugang zu ihren Häusern und Betrieben zu bekommen, wo das überhaupt schon möglich ist.
Heraklion: Schwere Bilanz nach Unwetter
Im Ort Profitis Ilias bei Heraklion zeigen sich die Folgen des Unwetters besonders drastisch. Auch der Viehbestand hat erhebliche Verluste erlitten.
Das landwirtschaftliche Wegenetz ist dort stark beschädigt. Anlagen, die die Erzeuger und die Weinbauflächen versorgen, haben ebenfalls gelitten. Der Weinbau der Region bekommt damit einen weiteren schweren Schlag.
In Gouves in der Gemeinde Chersonissos, wo die Wassermassen Autos bis ins Meer gespült haben, haben die Aufräum- und Sicherungsarbeiten begonnen.
Gleichzeitig rückt ein seit Jahren ungelöstes Problem erneut in den Fokus: Es geht um die Schäden aus dem Jahr 2020. Die notwendigen Studien für eine umfassende Sanierung und einen wirksamen Hochwasserschutz des Küstenstreifens sind bis heute nicht abgeschlossen.
Lassithi-Hochebene: Weite Flächen unter Wasser und Schlamm
Auf der Lassithi-Hochebene ist die Lage äußerst schwierig. Wasser und große Mengen Schlamm haben weite Flächen überzogen und schwere Schäden an Feldern und am landwirtschaftlichen Wegenetz verursacht.
Besonders hart trifft es die Kartoffelproduktion. Auch andere Kulturen und Gemüse aus der Region sind beschädigt.
Viele Landwirte können ihre Felder und Stallungen noch gar nicht erreichen, deshalb lässt sich das tatsächliche Ausmaß der Zerstörungen derzeit noch nicht genau beziffern.
Erst wenn die Schadensgebiete wieder zugänglich sind und das Wasser abgeflossen ist, wollen Fachteams der Behörden mit systematischen Begehungen beginnen und die Schäden im Detail erfassen.
Erdrutsche und massive Schäden am Straßennetz
Die Schäden beschränken sich nicht auf landwirtschaftliche Flächen. In vielen Teilen Kretas haben sich Erdrutsche ereignet, die das regionale Straßennetz erheblich beeinträchtigen.
Zugleich sind zahlreiche Feldwege massiv zerstört. Auch Wasserversorgung und Bewässerungsanlagen, die die landwirtschaftlichen Betriebe versorgen, sind in Mitleidenschaft gezogen.
Bewohner und Erzeuger drängen nun darauf, dass die Schadensaufnahme zügig vorankommt, denn nur dann können Entschädigungen ohne lange Verzögerungen ausgezahlt werden.
Regenmengen über dem üblichen Niveau
Das Ausmaß des Unwetters zeigt sich auch in den gemessenen Regenmengen. In vielen Regionen fielen außergewöhnlich große Niederschlagsmengen, die sonst über einen deutlich längeren Zeitraum verteilt wären.
Der Boden konnte diese Wassermassen nicht aufnehmen, der Grund für die Überschwemmungen und Erdrutsche mit weitreichenden Schäden.
Bagger und andere Geräte der Region Kreta und der Gemeinden sind inzwischen in den betroffenen Gebieten im Einsatz. Sie räumen Straßen frei und versuchen, die Zugänglichkeit wiederherzustellen.
Parallel dazu arbeiten Teams des Stromnetzbetreibers DEDDIE an der Reparatur der Schäden. Besonderes Augenmerk gilt Bereichen, in denen das Unwetter Strommasten zum Einsturz gebracht hat.
Unwetter trifft Insel mitten in der Tourismussaison
Besonders ist auch der Zeitpunkt des Unwetters: Kreta empfängt noch Anfang Oktober viele Gäste.
Tausende Touristen hielten sich auf der Insel auf, vor allem in den Ferienorten am nördlichen Küstenstreifen, aber auch in den großen Städten und an beliebten Badeorten.
Viele Gäste dokumentierten die Wucht des Unwetters mit Fotos und Videos, die sie in sozialen Netzwerken teilten. Die Aufnahmen zeigen überflutete Straßen und die Folgen der starken Regenfälle.
Die hohe Zahl an Besuchern floss in die Einsatzplanung der Behörden ein. Durch die verlängerte Tourismussaison ist Kreta inzwischen auch im Oktober stark belegt – genau zu dem Zeitpunkt, an dem dieses extreme Wetterereignis über die Insel zog.
Betroffene Regionen: Schwierige Zeit nach dem Unwetter
Für Landwirte und Viehhalter beginnt nun eine schwierige Phase: Sie müssen ihre Verluste beziffern. Parallel dazu sollen die zuständigen Stellen die Schäden an der Infrastruktur erfassen und die nötigen Maßnahmen anstoßen.
Während das Unwetter abzieht, verschiebt sich der Fokus von der akuten Gefahrenabwehr hin zur Bewältigung der Folgen.
In den betroffenen Regionen hängt die Zukunft nun von drei Schritten ab: einer vollständigen Schadensdokumentation, der schnellen Aktivierung von Entschädigungsmechanismen und dem Wiederaufbau der Infrastruktur und der Produktionsbetriebe.