Laut einer neuen Studie der Universität Limerick vertrauen Menschen männlich auftretenden KI-Agenten mehr und würden ihnen für die gleiche Arbeit mehr bezahlen als weiblichen.
Eine neue Studie (Quelle auf Englisch) dazu, wie Menschen am Arbeitsplatz mit KI-Agenten umgehen, zeigt: Agenten mit weiblichem Erscheinungsbild oder weiblicher Präsentation erhalten für die gleiche Arbeit weniger Geld als männlich präsentierte Gegenstücke. Das macht deutlich, dass Geschlecht auch den Umgang mit künstlicher Intelligenz beeinflussen kann.
Die Ergebnisse erscheinen in einer Phase, in der KI-Agenten in den Mainstream vordringen: Laut der IT-Beratung Accelirate (Quelle auf Englisch) setzen in diesem Jahr fast 79 % der Unternehmen solche Agenten ein, und in weiteren 40 % der Anwendungen kommen sie ebenfalls zum Einsatz.
Wer heute noch nicht mit einem KI-Agenten arbeitet, wird das voraussichtlich bald tun.
Die von der University of Limerick durchgeführte Studie mit dem Titel „Human-Like and Male? How AI Assistant Design Relates to Trust and Monetary Reward at Work in VR“ untersuchte, wie Menschen mit KI-Kolleginnen und -Kollegen zusammenarbeiten.
Die Forschenden setzten 189 Beschäftigte in ein virtuelles Büro und ließen sie dort gemeinsam mit vier verschiedenen KI-Assistenten typische Arbeitsaufgaben erledigen.
Zur Auswahl standen ein textbasierter Chatbot, ein Schreibtischroboter sowie zwei menschenähnliche Agenten mit männlichem beziehungsweise weiblichem Erscheinungsbild: Johan und Johanna.
Alle Assistenten boten dieselben Funktionen und griffen auf dasselbe zugrunde liegende Modell zurück, OpenAIs gpt-4-1106-preview.
Die Teilnehmenden sollten anschließend die Arbeit der KI-Agenten bewerten und erhielten echtes Geld, um sie für erledigte Aufgaben zu entlohnen. Damit wollten die Forschenden eine reale Arbeitssituation nachstellen und herausfinden, wie viel Menschen bereit sind, KI-Agenten für ihre Leistungen zu zahlen.
Insgesamt bewerteten die Teilnehmenden die Leistungen der beiden menschenähnlichen Agenten Johan und Johanna ähnlich. Johan genoss zwar etwas mehr Vertrauen, der Unterschied war statistisch jedoch nicht relevant.
Sowohl Männer als auch Frauen zahlten der weiblich präsentierten Agentin Johanna jedoch deutlich weniger Geld als Johan – im Schnitt rund zehn Prozent –, obwohl beide dieselben Fähigkeiten hatten. Johan wirkte auf die Teilnehmenden zudem menschlicher als Johanna.
Das geschah, obwohl die meisten Befragten in Interviews angaben, sie würden männlich und weiblich präsentierte KI-Agenten nicht unterschiedlich behandeln.
Für Johan und Johanna hatte das Experiment dennoch einen Vorteil: Beide erhielten mehr Geld als die anderen KI-Agenten. Vor allem Frauen bewerteten und entlohnten die menschenähnlichen Assistenten großzügiger als Männer.
Wenig überraschend stuften die Teilnehmenden die beiden menschenähnlichen Agenten als deutlich menschlicher ein als den Chatbot und den Roboter.
Sie vertrauten Johan und Johanna auch stärker und schrieben ihnen mehr Verdienst zu als den übrigen KI-Systemen; insbesondere Frauen brachten ihnen mehr Vertrauen entgegen als Männer.
„Dadurch, dass Johanna neben mir war, schrieb ich ihr eher Leistung zu, weil ich das Gefühl hatte, neben mir sitzt eine Person, eine Kollegin, mit der ich mich unterhalte und die eigene Beiträge liefert“, sagte eine Versuchsperson.
Die Studie ergab außerdem, dass Menschen KI-Agenten bevorzugen, die entweder deutlich menschenähnlich oder klar nicht-menschlich gestaltet sind. Das Robotermodell, das irgendwo ‚dazwischen‘ lag, stieß eher auf Ablehnung.
Unabhängig von den Geschlechterdynamiken betonten die Teilnehmenden zudem, „KI-Assistenten sollten sich nahtlos in jede Wissensarbeit einfügen, um nützlich zu sein“.