Frankreichs Generalstabschef erklärte, Deutschland wolle das Panzerprojekt verlassen. Doch kurz darauf betonten die Verteidigungsminister Deutschlands und Frankreichs, das Programm werde fortgeführt.
Ein deutsch-französischer Kampfpanzer: Ist das Projekt jetzt gestoppt oder lebt es weiter? Innerhalb von weniger als 24 Stunden gab es widersprüchliche Aussagen zum Programm MGCS (Main Ground Combat System).
Vergangene Woche erklärte der Generalstabschef der französischen Streitkräfte, Fabien Mandon, bei einer Anhörung im Parlament in Paris vor Abgeordneten, Deutschland habe beschlossen, aus dem Projekt auszusteigen. Kurz darauf versicherten Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und ihr deutscher Amtskollege Boris Pistorius, das Programm laufe weiter.
„Das Projekt MGCS ist nicht beendet. Es wurde nicht aufgegeben. Niemand hat es gestoppt“, betonte der deutsche Verteidigungsminister bei einem Treffen in der Nähe von Bordeaux. Fabien Mandon hatte seine Aussagen bereits am Donnerstagabend relativiert und präzisiert, dass das Programm trotz Verzögerungen weiterlaufe.
MGCS startete 2018. Es sollte beiden Ländern ermöglichen, ihre Kampfpanzer Leclerc und den deutschen Leopard 2 bis etwa 2040 zu ersetzen. Nach mehreren Jahren Verhandlungen erschwerten jedoch unterschiedliche Vorstellungen über militärische Bedürfnisse, Zeitplan und Arbeitsverteilung zwischen den Rüstungsunternehmen die Umsetzung.
Warum hakt das deutsch-französische Zusammenspiel?
Die Probleme sind nicht neu. Zu Beginn sollte das Projekt Kosten, Fähigkeiten und Investitionen bündeln. In der Verteidigungsindustrie geht es bei jedem Vertrag aber auch um Arbeitsplätze, strategische Technologien und Exportchancen.
Besonders schwierig wurde das Programm wegen der Rivalität der Unternehmen. KNDS, entstanden aus dem Zusammenschluss des französischen Nexter und des deutschen Krauss-Maffei Wegmann, sollte eine Schlüsselrolle übernehmen. Mit dem Einstieg von Rheinmetall, einem weiteren großen deutschen Konzern, im Jahr 2019 verschob sich das Kräfteverhältnis. Jeder Akteur will seine Kompetenzen sichern und einen ausreichend großen Anteil an den Gewinnen erhalten.
Bereits im Juni verwies die deutsche Presse nach einem ersten Rückschlag und dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS auf das Gewicht industrieller Rivalitäten zwischen Airbus und Dassault und auf die Schwierigkeiten, die Interessen beider Länder zu vereinen. Deutsche Rüstungsunternehmen warnten damals vor der französischen Finanzierung und vor neuen Verzögerungen.
Panzer der Zukunft: Kompliziertes Großvorhaben
Für KNDS France, KNDS Deutschland, Rheinmetall und ihre Zulieferer im Panzer-Projekt erschweren die widersprüchlichen Aussagen zum MGCS die Planung.
Die Unternehmen konnten ursprünglich auf ein gemeinsames, über Jahrzehnte tragendes Programm hoffen. Nun müssen sie mit einem unsicheren Zeitplan rechnen und damit, dass beide Länder am Ende unterschiedliche Lösungen bevorzugen – abhängig von politischen Entwicklungen.
Die Differenzen über die Aufteilung der Arbeit, über Technologien und wirtschaftliche Auswirkungen sind nicht verschwunden. Sie befeuern auch den Wettbewerb zwischen französischen und deutschen Herstellern, die jeweils ihre Kompetenzen und Marktanteile schützen wollen.
Auch wenn die Kooperation offiziell weiterläuft, richten die Firmen ihre Strategien inzwischen auf ein deutlich komplexeres Szenario aus als ein einziges gemeinsames Projekt.