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Programmieren statt kämpfen: Warum Litauen Drohnen in die Schulen bringt

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Eine Schülerin aus Vilnius fliegt eine Drohne
Eine Schülerin aus Vilnius fliegt eine Drohne -  Copyright  Johanna Urbancik
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Von Johanna Urbancik
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In Litauen lernen Kinder, Drohnen zu bauen und zu programmieren. Auch in Deutschland gibt es solche Schulprojekte. Doch was steckt hinter dem Unterricht mit den Fluggeräten?

Konzentrierte Blicke und surrende Drohnen, die durch einen Hindernisparcours in einer Schulhalle fliegen: In dem Sietuvos-Progymnasium in Vilnius gehören die kleinen unbemannten Flugsysteme zum Schulaltag dazu.

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An der Schule lernen Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren, von der ersten bis zur achten Klasse. Neben klassischen Fächern wie Mathematik, Litauisch und Sport lernen sie auch, Drohnen zu bauen und zu programmieren. Für viele mag das zunächst militärisch klingen. Drohnen stehen derzeit vor allem im Zusammenhang mit hybriden Angriffen, etwa nach dem versuchten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle, sowie mit der modernen Kriegsführung, beispielsweise im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine oder im Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran.

Drohnen als fester Bestandteil des Schulunterrichts

Mit dem aktuellen Weltgeschehen haben die Drohnenkurse der Schüler des Sietuvos-Progymnasiums allerdings wenig zu tun. "Es geht nicht speziell darum, Drohnen zu steuern", erklärt der Vizebürgermeister Vytautas Mitala. Ihm zufolge ist das Steuern nämlich nur ein Teil davon, denn "viel wichtiger ist die Programmierung, die Konstruktion sowie das Verständnis von [Land]Karten und der dahinterstehenden Physik", so Mitala.

Drohnen im Klassenzimmer
Drohnen im Klassenzimmer Johanna Urbancik

Das Programm versteht sich daher in erster Linie als Vermittlung von STEAM (Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen, Kunst und Mathematik)- und Technologiekompetenzen und nicht als reiner Drohnensteuerungskurs. Mitala ist überzeugt, dass die Kombination mit technischem Wissen jungen Menschen künftig bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten kann.

Das Programm richtet sich an Schüler ab etwa der fünften Klasse, also ab einem Alter von ungefähr elf Jahren. An der Schule sind 70 Prozent der Unterrichtszeit durch verbindliche Lehrplaninhalte vorgegeben. Die übrigen 30 Prozent können die Lehrkräfte frei gestalten.

Mit dem Programmieren kommen die Kinder allerdings schon früher in Berührung, denn das wird bereits ab der ersten Klasse unterrichtet. Wenn sie dann in der fünften Klasse mit dem Bau von Drohnen beginnen, bringen sie also bereits erste technische Kenntnisse mit. Denn, je jünger, desto besser, so Mitala: "Man sollte jüngere Kinder einladen, ihnen die Möglichkeiten zeigen und so ihre Neugier auf diese Bereiche wecken."

Das Programm baut auf bestehenden Unterrichtsinhalten auf, ist bislang aber noch nicht flächendeckend in den Schulen angekommen. Bislang sind nur wenige staatliche Schulen in Vilnius bereit, es fest in den Lehrplan zu integrieren. Andere nutzen einzelne Elemente im regulären Unterricht oder als außerschulische Angebote.

Investition in Litauens Zukunft

Bei den Drohnenklassen gehe es nicht um Militarisierung, so der Vizebürgermeister. Vielmehr gehe es darum, dass Kinder eine Technologie verstehen, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Deswegen ist der wichtigste Grund, warum Litauen Drohnen in den Schulunterricht einführen will, ist laut Mitala die industrielle Entwicklung des Landes und das wirtschaftliche Potenzial für die Zukunft. Die Stadt wolle ihre Position in Branchen wie der Biotechnologie stärken und Teil der Halbleiterproduktion werden, so der Vize-Bürgermeister. Für beides brauche es technische Fähigkeiten, die möglichst früh vermittelt werden müssten.

Vytautas Mitala, Vize-Bürgermeister von Vilnius
Vytautas Mitala, Vize-Bürgermeister von Vilnius Johanna Urbancik

Ziel sei es daher nicht einfach, Kindern das Drohnenfliegen beizubringen, sondern ihr Interesse an Programmierung, Konstruktion, Robotik und der dahinterstehenden Technologie zu wecken. Unternehmen hätten ihm gegenüber deutlich gemacht, dass es "schon ein bisschen zu spät" sei, Schüler erst in ihrem letzten Schuljahr an technische Bereiche heranzuführen. Die Kinder müssten früher mit diesen Themen in Berührung kommen, um ihre Neugier zu wecken.

Langfristig soll die Drohnenbildung auf weitere Schulen in Vilnius ausgeweitet und fest in den Lehrplan integriert werden. Geplant ist ein Programm, das die Klassenstufen eins bis zwölf umfasst.

Schüler messen sich im Wettflug

Euronews hatte die Möglichkeit, eine Drohnenklasse im Rahmen einer vom baltischen Büro der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung organisierten Pressereise zu begleiten. Angefangen hat der Unterricht wie jeder andere, und zwar im Klassenzimmer.

Die Sicherheitsvorkehrungen, bevor eine Drohne gestartet wird
Die Sicherheitsvorkehrungen, bevor eine Drohne gestartet wird Johanna Urbancik

Ausgestattet mit Computern, einem 3D-Drucker und etlichen Drohnen lernen die Kinder, was sie vor dem Start einer Drohne beachten müssen: "Vor dem Start müssen die Umgebung und das Gerät überprüft werden, der Akku richtig eingesetzt sein, der Flugbereich frei von Hindernissen sein und die Drohne darf nur mit Erlaubnis der Lehrkraft gestartet werden."

Sobald die Sicherheitsvorkehrungen übermittelt wurden, ging es für die Schüler in eine Halle. Dort wartete bereits ein aufgebauter Hindernissparcour auf sie: ein paar Ringe, Boxen und Anweisungen. Dort treten die Schüler gegeneinander an. Der Gewinner ist der, der die Drohne schneller durch den Parcour bekommt. Dieser Wettbewerb wird nicht nur in dem Vilniuser Sietuvos-Progymnasium gespielt. Im vergangengen Schuljahr wurden 33 Schulen aus der litauischen Hauptstadt eingeladen, um an den sogenannten "Drohnenspielen" im Sietuvos-Progymnasium teilzunehmen.

Matas und Kasparas, beide 14, haben bei den letzten "Drohnenspielen" den zweiten Platz erreicht. Im Gespräch mit Euronews erzählt Matas, dass er bereits vor drei Jahren den Drohnenkurs angefangen hat. Einfach würde er den Kurs jedoch nicht beschreiben, da es um die drei Jahre gedauert habe, bis er seine heutigen Fähigkeiten erreicht hat. Sein Ziel ist es, bald eine größere Drohne zu steuern, das sei "wegen der Bewegungen" schwerer, so Matas.

Kasparas und Matis mit einer Drohne
Kasparas und Matis mit einer Drohne Johanna Urbancik

Gibt es nur in Litauen Drohnenklassen?

Die baltischen Staaten gelten als die Vorreiter in Europa beim Thema Digitalisierung. Die Drohnenklassen sind nur ein kleiner Teil davon, die es jedoch keineswegs nur in Litauen gibt. Auch in Deutschland gibt es Schulen, an denen Kinder das Bauen, Programmieren und Fliegen von Drohnen lernen können. So wie beispielsweise an der Dortmunder Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Dort konnten Schüler der achten Klasse als Teil des Projektes "Flugobjekte der Zukunft" von der Planung und Konstruktion am Computer, über den 3D-Druck, bis hin zur Programmierung eigene Drohnen entwickeln.

Aber auch in Welzheim, ungefähr 40 Kilometer östlich von Stuttgart, lernen Schüler der Klassen acht bis zwölf des Limes-Gymnasium in der Drohnen-AG, sogenannte "Indoor-Drohnen" zu programmieren und steuern, sowie Flugmanöver mit mehreren Drohnen zu koordinieren. Diese Methode ist auch unter dem Begriff "Drohnenschwarm" bekannt. Darüber hinaus beschäftigen sich die Schüler auch hier mit dem technischen Aufbau, den Sensoren und der Flugstabilisierung der Drohnen und setzen eigene Filmprojekte um, bei denen sie Schulveranstaltungen aus der Luft aufnehmen und das Filmmaterial anschließend selbst schneiden.

Damit solche Projekte nicht nur einzelne Initiativen bleiben, stellt sich auch die Frage nach den Fördermöglichkeiten. Denn programmierbare Drohnen mit Sensoren haben viele Gemeinsamkeiten mit Robotern und können deshalb im Unterricht für Robotik und MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) eingesetzt werden, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend an Euronews.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ihre Anschaffung und Nutzung einem konkreten Bildungszweck dienen und die Vorgaben des "DigitalPakts Schule" sowie die jeweiligen Landesregeln erfüllen. Der DigitalPakt Schule ist ein Förderprogramm von Bund und Ländern, das Schulen bei der Digitalisierung unterstützt, etwa durch die Anschaffung technischer Geräte und digitaler Lernmittel. Auch programmierbare Drohnen können darunter fallen, sofern sie für Bildungszwecke eingesetzt werden und die jeweiligen Förderbedingungen erfüllen.

Generell fördern Bund, Länder, Kommunen, Unternehmen und Stiftungen in Deutschland zahlreiche MINT-Projekte. Einen vollständigen Überblick über alle Programme hat das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend jedoch nicht.

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