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EU-Agentur: Bessere psychische Gesundheit im Job beginnt mit Tabubruch

Erster Schritt zu psychischer Gesundheit im Job: „Man muss darüber reden“, sagt EU-Agentur.
Erster Schritt zu besserer psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz: „Man muss offen darüber reden“, so eine EU-Agentur. -  Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Fast die Hälfte der Beschäftigten in Europa ist bei der Arbeit psychischen Belastungen ausgesetzt, doch über seelische Gesundheit wird kaum gesprochen.

Gesundheit und Sicherheit sind das Rückgrat des Arbeitslebens. Gleichzeitig verändern sich Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe, neue Herausforderungen kommen hinzu, alte Probleme bleiben ungelöst.

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Vor dem Hintergrund von Personalmangel und einer alternden Bevölkerung kämpft Europas Erwerbsbevölkerung mit schlechter psychischer Gesundheit. Trotzdem erkennen viele Betriebe das Problem noch immer nicht an, sagte William Cockburn, Exekutivdirektor von EU-OSHA, Euronews.

„Egal, ob wir Arbeitgeber oder Beschäftigte fragen: Sie sehen eine Scheu, offen über psychische Probleme zu sprechen, als das wichtigste Hindernis, wirklich zu handeln“, sagte er.

Viele Beschäftigte in der EU berichten, dass ihre Arbeit ihrer psychischen Gesundheit schadet. Fast die Hälfte der Beschäftigten (45 %) ist am Arbeitsplatz Risiken für ihre mentale Gesundheit ausgesetzt, so die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA).

„Wir sehen psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz, etwa lange Arbeitszeiten, sehr hohe Arbeitsintensität, emotional belastende Tätigkeiten. Das alles wirkt sich spürbar auf die Gesundheit der Beschäftigten aus“, so Cockburn.

Rund 44 % der Beschäftigten berichten von starkem Zeitdruck oder Überlastung. Nach Angaben des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) kostet arbeitsbedingte Depression (Quelle auf Englisch) die EU mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr, wenn Fehlzeiten, geringere Produktivität sowie Gesundheits- und soziale Folgekosten zusammengerechnet werden.

Obwohl diese Belastungen auch Arbeitgeber treffen, bremsen laut Cockburn die anhaltende Stigmatisierung und die Scheu vieler Beschäftigter, darüber zu sprechen, dringend nötige Maßnahmen aus.

Was lässt sich dagegen tun?

Für Cockburn müssen psychische Probleme „am Arbeitsplatz genauso behandelt werden wie körperliche Gesundheitsprobleme“.

Der Ansatz: Zuerst die Risiken ermitteln, dann Arbeitsabläufe und Organisation so anpassen, dass sie möglichst wenig schaden.

„Wir identifizieren Gefährdungen wie lange Arbeitszeiten, belastende Beziehungen im Betrieb bis hin zu Mobbing und Belästigung, Gewalt oder Drohungen mit Gewalt“, sagte er.

Beschäftigte müssen mitreden

Viele sehen psychische Gesundheit als rein persönliche Angelegenheit. Esther Lynch, Generalsekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), hält dagegen: Prävention müsse beim Arbeitsplatz ansetzen, nicht bei der einzelnen betroffenen Person.

„Wir warten auch nicht, bis jemand sich einen Finger abtrennt, bevor wir eine Schutzeinrichtung einbauen“, sagte Lynch. „Wir machen eine Gefährdungsbeurteilung, fragen nach den Risiken der konkreten Tätigkeit und setzen dann die Schutzmaßnahmen um.“

Damit das gelingt, müssen Beschäftigte mit am Tisch sitzen. Darin sind sich Fachleute einig. Dennoch sagen nur 45 %, dass ihre Arbeitgeber sie zu den stressigen Aspekten ihrer Arbeit anhören, so EU-OSHA.

„Die Beteiligung der Beschäftigten ist nach europäischem Recht verpflichtend. Sie ist aber auch entscheidend für erfolgreiche Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz“, sagte Cockburn.

In dieser Woche hat EU-OSHA die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ gestartet. Sie soll Arbeitgebern helfen, psychosoziale Risiken im Betrieb vorzubeugen, zu bewerten und aktiv zu managen. Ein Ziel lautet, die Scheu anzusprechen, offen über psychische Belastungen zu sprechen.

„Wenn wir in gesunde Arbeitsumgebungen investieren und sie erhalten, verbessern wir nicht nur das Wohlbefinden der Menschen. Wir verringern auch Krankenstand und Personalfluktuation, steigern die Leistung und entlasten unsere Gesundheitssysteme“, sagte Roxana Mînzatu, Exekutiv-Vizepräsidentin für soziale Rechte und Beschäftigung, bei der Vorstellung der Kampagne am Dienstag. „Davon profitieren alle.“

Dieser Beitrag wurde aktualisiert, um klarzustellen, dass die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gestartet wurde.

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