In Polen gibt es einen Fahndungserfolg im Mordfall an einem russischen Blogger. Ein 22-jähriger Georgier soll dem Schützen geholfen haben. Ihm droht lebenslange Haft.
Beamte der polnischen Agentur für Innere Sicherheit (ABW) haben einen weiteren Verdächtigen im Mordfall von Biała Podlaska festgenommen. Es handelt sich um einen 22-jährigen Georgier, der bei der Tötung eines russischen Staatsbürgers im Juni geholfen haben soll. Die Festnahme bestätigte Tomasz Siemoniak, der Minister für die Geheimdienste.
Das Opfer, Robert K., in den Medien als Siemion Skriepecki bekannt, war Performer, Karikaturist und Blogger. In seinen Beiträgen übte er scharfe Satire, unter anderem an Wladimir Putin und dessen Machtapparat. Laut Siemoniak ordnete das Gericht zunächst drei Monate Untersuchungshaft an. Die Ermittlungen laufen weiter, die Behörden sprechen von einem dynamischen Verfahren.
Festnahme auf Autobahnparkplatz
Wie Generalstaatsanwaltschaftssprecher Przemysław Nowak mitteilte, wurde der 22-jährige Makhmud A. am Montag auf einem Parkplatz an der Autobahn A2 gefasst. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord vor. Er soll Handlungen vorgenommen haben, die dem Hauptverdächtigen Elnur A. die Tat erleichterten. Weitere Details nannte die Behörde nicht.
Zudem muss sich Makhmud A. wegen unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe und von Munition verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe, machte aber eine Aussage. Das Amtsgericht Lublin-West folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete drei Monate Untersuchungshaft an. Im Fall einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.
Nach Angaben der Gerichtssprecherin Marta Śmiech soll Makhmud A. dem Schützen die Tatwaffe übergeben und ein Fahrzeug organisiert haben. Zudem soll er ein Telefon mit einer App bereitgestellt haben, mit der sich die Bewegungen des Opferautos verfolgen ließen. Auch den Aufenthaltsort des Opfers soll er dem Täter mitgeteilt haben.
"Grundlage für die Anordnung der Untersuchungshaft ist die Androhung einer hohen Freiheitsstrafe", erklärte die Richterin. Beihilfe zum Mord wird in Polen wie die Tat selbst bestraft: mit mindestens zehn Jahren oder lebenslanger Haft. Für illegalen Waffenbesitz drohen bis zu acht Jahre.
Zwei weitere Georgier gefasst
Bei der Festnahme wurden zwei weitere georgische Staatsbürger gefasst, die mit Makhmud A. unterwegs waren. Ihnen werden keine Taten im Zusammenhang mit dem Mord vorgeworfen. Die Behörden übergaben sie der Grenzschutzpolizei und leiteten Ausweisungsverfahren samt zehnjährigem Einreiseverbot ein.
Der Mord im Juni
Die Tat geschah am Morgen des 15. Juni in einem Wohngebiet in Biała Podlaska. Ein unbekannter Mann näherte sich dem Russen auf dem Gehweg und gab zwei Schüsse ab. Als das Opfer zu Boden ging, feuerte er aus geringer Distanz drei weitere Schüsse. Die Obduktion ergab sieben Schussverletzungen an Kopf, Brustkorb und Rücken, fünf Einschuss- und zwei Ausschusswunden.
Zuvor war bereits Elnur A. festgenommen worden, der einen georgischen Pass benutzt hatte. Ihm wird der Mord zur Last gelegt. Seine Untersuchungshaft wurde bis zum 15. Dezember verlängert. Die Rolle aller Beteiligten und die genauen Umstände prüfen die Ermittler weiter.