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Stein der Weisen gefunden? Labor-Gold die größe Erfindung der Geschichte

ARCHIV: Goldmünzen und -barren in den California Numismatic Investments Inc. in Inglewood, Kalifornien, 13. März 2008.
ARCHIV: Goldmünzen und Goldbarren bei California Numismatic Investments in Inglewood, Kalifornien, 13. März 2008 -  Copyright  AP Photo/Nick Ut
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Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Ein kleines Start-Up aus San Francisco meldet, es habe Quecksilber in stabiles Gold verwandelt. Wie echt ist das Labor-Gold? Kann es eines Tages den Preis des geförderten Metalls drücken?

Das Start-up Marathon Fusion aus San Francisco, spezialisiert auf Fusionsenergie, hat am Mittwoch bekanntgegeben, im vergangenen Monat Quecksilber in stabiles Gold umgewandelt zu haben.

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Die Behauptung ist bislang nicht unabhängig überprüft. Sie lässt aber einen alten Traum der Alchemisten neu aufleben und schürt an den Märkten die Sorge, Labor-Gold könnte mit Barren dasselbe tun wie gezüchtete Edelsteine mit Diamanten.

Marathon Fusion wurde 2023 von Kyle Schiller und Adam Rutkowski gegründet, einem ehemaligen SpaceX-Ingenieur. Das Unternehmen entwickelt Brennstoffsysteme für künftige Fusionskraftwerke. Diese sollen Strom erzeugen, indem sie Atomkerne verschmelzen, ähnlich wie die Sonne.

Auf seiner Website führt Marathon Fusion das US-Energieministerium als Partner. 2023 erhielt das Unternehmen zudem eine Auszeichnung von ARPA-E, der Forschungsagentur des Ministeriums für besonders risikoreiche Energieprojekte.

Zu den Geldgebern zählen Breakthrough Energy, das von Bill Gates gegründete Klimatechnologie-Netzwerk, und Anglo American, der Bergbaukonzern hinter De Beers. De Beers ist der weltweit führende Anbieter natürlicher Diamanten und bekannt für den Slogan „A diamond is forever“.

In der Mitteilung erklärte das Unternehmen, es habe „Quecksilber in echtes, stabiles Gold verwandelt und damit den CERN-Rekord um den Faktor zehn übertroffen“.

CERN teilte 2025 mit, dass sein Large Hadron Collider (LHC), der stärkste Teilchenbeschleuniger der Welt, während des Betriebs von 2015 bis 2018 rund 29 Pikogramm Gold erzeugt habe, also 29 Billionstel Gramm. Das entsprach etwa 86 Milliarden Goldkernen, die nur für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde existierten, bevor sie bei Zusammenstößen mit Teilen des Beschleunigers zerstört wurden.

Die Methode von Marathon schießt Neutronen aus Fusionsreaktionen auf Quecksilber. Dadurch entsteht ein instabiles Isotop des Metalls, das zu Gold zerfällt.

Das Unternehmen behauptet außerdem, mit seiner Plasmazentrifuge einen seit vierzig Jahren bestehenden sowjetischen Rekord gebrochen zu haben. In der Maschine rotiert elektrisch geladenes Gas mit hoher Geschwindigkeit, um Isotope für Fusionsbrennstoff voneinander zu trennen.

Nach eigenen Angaben baut Marathon derzeit in San Francisco einen Reaktor, der eine Rekord-Leistungsdichte erreichen soll, also bezogen auf seine Größe möglichst viel Energie liefern soll.

Die Goldbehauptung ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Aus den vorliegenden Unterlagen geht weder hervor, wie viel Gold tatsächlich entstand noch zu welchen Kosten.

Labordiamanten: Wie sie den Diamantenmarkt verändern

Im Labor gezüchtete Diamanten sind chemisch identisch mit den Steinen aus Minen.

Experten können sie unterscheiden. Dennoch produzieren Fabriken große Mengen und verkaufen sie für einen Bruchteil des Preises natürlicher Diamanten.

Nach Angaben des Diamanten-Analysten Paul Zimnisky sind die Großhandelspreise für Labordiamanten seit 2015 um 90 bis 95 % eingebrochen. Der Wettbewerb durch Steine aus dem Labor setzte zudem auch die Preise für geförderte Diamanten unter Druck.

De Beers brachte 2018 mit Lightbox eine eigene Marke für Labordiamanten auf den Markt und setzte den Preis bei 800 US-Dollar (712 Euro) pro Karat an. 2025 stellte der Konzern das Angebot jedoch wieder ein, um sich auf natürliche Diamanten zu konzentrieren.

De Beers verbuchte 2025 einen bereinigten Verlust von 511 Millionen US-Dollar (455 Millionen Euro). Laut Bloomberg verhandelt Anglo American derzeit darüber, seine Beteiligung von 85 % für rund 1 Milliarde US-Dollar (890 Millionen Euro) an eine Investorengruppe zu verkaufen, die der frühere De-Beers-Chef Gareth Penny anführt.

Berichten zufolge führen auch der Schweizer Luxuskonzern Richemont, Eigentümer von Cartier, und der US-Juwelier Signet, dem die Marken Kay und Zales gehören, Gespräche über einen Einstieg in die Gruppe.

Goldmarkt: Warum Gold anders ist

Gold ist ein deutlich größerer Markt.

Laut World Gold Council förderten Minen 2025 weltweit 3.672 Tonnen Gold. Insgesamt wurden in der Geschichte bisher rund 222.600 Tonnen abgebaut.

Zentralbanken halten Gold zudem als sicheren Wertspeicher in ihren Reserven. Viele von ihnen, darunter die Notenbanken Chinas und Polens, kaufen seit einigen Jahren große Mengen zu.

Am Donnerstag lag der Goldpreis bei 4.062 US-Dollar (3.617 Euro) je Feinunze und damit mehr als 27 % unter dem Rekordhoch von 5.598 US-Dollar (4.985 Euro) im Januar.

Eine eigene Studie von Marathon aus dem Jahr 2025 schätzt, dass ein Fusionskraftwerk pro Gigawatt elektrischer Leistung rund 5 Tonnen Gold im Jahr erzeugen könnte, in etwa so viel wie ein großes Atomkraftwerk.

Auf dieser Grundlage würden 100 solcher Anlagen jährlich schätzungsweise 500 Tonnen zusätzlich liefern, rund 14 % der Fördermenge des vergangenen Jahres.

Allerdings verkauft bislang kein Fusionskraftwerk Strom, und die ersten kommerziellen Anlagen sind noch Jahre entfernt. Nach Angaben von Marathon könnte das Gold außerdem radioaktive Isotope enthalten und müsste eventuell bis zu 18 Jahre gelagert werden, bevor es in den Handel gehen darf.

Derzeit gibt es keine öffentlich bekannten Pläne, das Gold gezielt zu produzieren und zu vermarkten. Anders als bei Labordiamanten wäre transmutiertes Gold nach dem Abklingen der Radioaktivität jedoch nicht mehr von gefördertem Gold zu unterscheiden.

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