Zyperns Präsident Nikos Christodoulidis hat mehrere wichtige Treffen geplant. Doch trotz der Gespräche sieht die UN-Beauftragte María Ángela Holguín bisher keine Fortschritte.
In einer kritischen Phase bereitet der Präsident der Republik Zypern Nikos Christodoulidis den Besuch der UN-Gesandten Maria Ángela Holguín auf der geteilten Insel vor. Ihre Reise gilt als wichtiger Moment für die Chancen eines Neustarts der Gespräche. Bisher haben die Kontakte zwischen Christodoulidis und der türkischen Seite jedoch kaum greifbare Ergebnisse gebracht.
In einem Interview mit der Zeitung "Alithia" stellt Holguín fest, dass die Treffen der beiden Spitzenpolitiker nach den Informationen, die ihr vorliegen, keine Fortschritte gebracht haben. Weder beim Thema Öffnung neuer Übergangspunkte noch bei der Umsetzung weiterer Maßnahmen zum Vertrauensaufbau. Zugleich gebe es keine Schritte hin zu einer Einigung über die Methodik, die einer neuen Verhandlungsrunde zwischen Christoulidis und dem Ministerpräsidenten von Nordzypern Tufan Erhürmanvorausgehen müsste.
Diese Einschätzung macht das Kernproblem der Bemühungen um die Zypernfrage deutlich. Es fehlt nicht nur die Einigung über Inhalte, sondern auch über den Weg, wie der Dialog überhaupt vorankommen könnte. Ohne gemeinsam akzeptierten Rahmen und ohne konkrete Ergebnisse beim Vertrauensaufbau drohen die Kontakte auf den bloßen Positionsaustausch beschränkt zu bleiben.
Die Voraussetzungen für echte Fortschritte entstehen so nicht.
Holguín: „Entscheidend ist der politische Wille“
Bemerkenswert ist auch der Verweis auf die sieben Vorschläge von Tufan Erhürman und die 19 Vorschläge von Präsident Nikos Christodoulidis. Entscheidend sei nicht die Zahl der Papiere, betont Holguin, sondern der politische Wille der beiden Politiker, sich auf Vereinbarungen zu einigen – und vor allem ihre Fähigkeit, diese auch tatsächlich umzusetzen.
Mit dieser Botschaft verschiebt die UN-Gesandte den Fokus weg von der Menge der Vorschläge hin zur Wirksamkeit der Schritte. Positionspapiere und Ideen reichen nicht, wenn sie nicht mit Kompromissbereitschaft und konkreten Umsetzungsschritten einhergehen. Unter diesem Blickwinkel wird die nächste Phase zu einem Test für die Glaubwürdigkeit beider Seiten, was ihre Absicht betrifft, Bedingungen für einen Neustart der Verhandlungen zu schaffen.
Besonders interessant ist ihre Haltung zu ihrer eigenen Rolle bei den Treffen der beiden Führungspersönlichkeiten. Auf die Einschätzung des Präsidialamts, ihre ständige Anwesenheit in Zypern und bei den Gesprächen würde ihr ein unmittelbares Bild der Diskussionen vermitteln, reagiert Holguín zurückhaltend. Sie stellt klar, dass die bilateralen Kontakte den Staats- und Regierungschefs Raum für direkte, vertrauliche Unterredungen geben sollen.
Wie sie erläutert, besteht ihre Aufgabe darin, das Einvernehmen zwischen den Seiten zu erleichtern und nicht Teil des eigentlichen Dialogs zu sein. Deshalb hält sie eine dauerhafte Präsenz auf der Insel nicht für notwendig. Diese Klarstellung zeigt die Grenzen ihres Mandats auf und legt die Verantwortung für Fortschritte vor allem in die Hände der beiden Führungspersönlichkeiten.
Zypernkonflikt: Christodoulidis und Erhürman im neuen Vier-Augen-Gespräch
Der nächste Test für die Zypernverhandlungen steht am Dienstag an. Dann kommen Nikos Christodoulidis und Tufan Erhürman erneut zu einem persönlichen Treffen zusammen. Im Anschluss sprechen sie mit den Technischen Ausschüssen für Jugend und Kulturerbe sowie mit dem beratenden Gremium der Zivilgesellschaft.
Diese Kontakte gewinnen besondere Bedeutung, denn Vertrauensaufbau und bessere Kommunikation zwischen den zwei Gemeinschaften gelten als zentrale Voraussetzungen für ein positiveres Klima. Entscheidend ist jedoch, ob das neue Treffen konkrete Ergebnisse bringt oder lediglich an die bisherigen Gespräche anknüpft, ohne die Lage spürbar zu verändern.
Vor diesem Hintergrund findet der bevorstehende Besuch von Maria Ángela Holguín unter dem Druck offener Fragen statt. Gefragt ist nicht bloß die Fortsetzung der Treffen, sondern der Nachweis, dass beide Seiten sich auf eine gemeinsame Verhandlungsmethodik einigen können, vertrauensbildende Maßnahmen vereinbaren und politische Erklärungen in konkretes Handeln überführen. Daran wird sich in der nächsten Phase der Kontakte zeigen, ob es realistische Chancen auf Fortschritte in der Zypernfrage gibt.