Im besetzten Westjordanland hat Israels Militär die Sicherheitsvorschrifen verschärft, nachdem in Hebron zwei israelische Soldaten getötet.worden waren.
Alle Grenzübergänge im Westjordanland sollen am Dienstag geschlossen bleiben, wenn Israel ein neues Parlament wählt. Das teilte das israelische Militär mit.
In einer Mitteilung erklärten die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF): Es gelte ein „Verbot für Ein- und Ausreise palästinensischer Arbeitskräfte nach und aus Judäa, Samaria und dem Jordantal, einschließlich der Industriegebiete, sowie die Schließung aller Grenzübergänge während des gesamten Wahltages“.
Weiter hieß es, palästinensischen Arbeitskräften sei von Sonntag bis Montag der Zugang zu Judäa, Samaria und dem Jordantal zur Arbeit ebenfalls untersagt – „mit Ausnahme der Industriegebiete und einiger anderer genehmigter Zonen“.
Westjordanland wird abgeriegelt
Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Abriegelung des besetzten Westjordanlands. Zuvor waren zu Wochenbeginn in Hebron zwei israelische Soldaten von palästinensischen Bewaffneten getötet worden.
Nach dem Angriff teilte die IDF mit, ihre Einheiten hätten Hebron umstellt und Durchsuchungsaktionen gestartet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er habe das Militär angewiesen, die Stadt „abzuriegeln“ und „weitere Sicherheitsmaßnahmen“ in der Umgebung zu ergreifen.
Seitdem lässt Israel Gebäude abreißen und bringt Bewohner aus der Region fort.
Am Sonntag berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa, in Hebron seien in den vergangenen drei Tagen mehr als 200 Familien vertrieben worden; rund 2.500 Menschen seien in den Vierteln al-Jilda und Ain Deir Baha gewaltsam aus ihren Häusern geholt worden.
Den Angaben zufolge nahmen israelische Kräfte am Sonntag außerdem 20 Menschen im gesamten Gouvernement Hebron fest.
Die IDF erklärte, sie habe rund um Hebron eine „gezielte Operation“ begonnen, um „terroristische Infrastruktur“ zu zerschlagen und weitere Angriffe zu verhindern.
„Um das Risiko für Zivilisten zu verringern, durften Zivilisten das Gebiet vorübergehend über ausgewiesene Kontrollpunkte verlassen. Kein Zivilist wurde zur Evakuierung gezwungen“, hieß es in der Mitteilung.
Das Militär bestätigte außerdem, dass seine Kräfte in Hebron mehrere Gebäude abgerissen haben, weil diese eine „Sicherheitsbedrohung“ dargestellt hätten.
„Alle weiteren Gebäude, die in dem Gebiet abgerissen wurden, seien zudem illegal errichtet worden, und ihr Abriss sei im Einklang mit dem Völkerrecht erfolgt, um Recht und Ordnung durchzusetzen und mögliche Sicherheitsbedrohungen zu beseitigen“, erklärte die IDF.
Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem verurteilte israelische „Pläne, palästinensische Bewohner gewaltsam aus ihren Häusern zu vertreiben und großflächige Zerstörungen in dem Gebiet vorzunehmen“.
Zugleich rief die Organisation die internationale Gemeinschaft auf, „sofort zu handeln“, um Israels Vorgehen in Hebron zu stoppen.
Israel: Massenproteste gegen Regierung Netanjahu vor der Wahl
Gleichzeitig sind am Samstag in Tel Aviv Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen die Regierung, wenige Tage vor der Wahl am Dienstag.
Laut Medienberichten zogen die Demonstrierenden vom Rabin-Platz im Zentrum der Stadt zum Geisel-Platz, der nach den Angriffen der Hamas vom 7. Oktober 2023 umbenannt worden war.
Die Kundgebung organisierte der sogenannte Oktober-Rat, ein Zusammenschluss von Angehörigen der Getöteten und der Geiseln, die bei den Angriffen der Hamas verschleppt wurden.
„Dieser Abend hat uns enorme Kraft gegeben, aber unser Kampf ist noch nicht zu Ende“, schrieb die Gruppe am Sonntag in einem Post in sozialen Netzwerken. „Wir müssen die unglaubliche Energie vom Platz jetzt in Handeln umsetzen. Am kommenden Dienstag gehen wir alle wählen.“