Ehemalige Psychiatrien und Bestattungsinstitute in den USA bieten zu Halloween Geistertouren und Übernachtungen für Fans des Übersinnlichen an.
Die Nacht des Grauens steht bevor, und Halloween-Fans bringen den Mut für Erlebnisse auf, die ihnen einen Schauer über den Rücken jagen sollen.
Für manche Reisende prägt inzwischen sogar die Aussicht auf paranormale Begegnungen die Urlaubsplanung. Die Buchungsplattform Booking.com zählt eine „Reise ins Jenseits“ zu ihren Reisetrends für 2027.
In einer Umfrage unter mehr als 28.000 Reisenden aus 32 Ländern und Regionen gaben 65 Prozent an, sich für paranormale Erfahrungen zu interessieren. 48 Prozent würden gezielt solche Erlebnisse suchen, in der Hoffnung, mit jemandem von der „anderen Seite“ zu sprechen. Die Hälfte ist neugierig auf Angebote, die Fragen nach dem Leben nach dem Tod, Sterben oder Spiritualität aufgreifen.
Booking.com sieht den Trend vor allem für das kommende Jahr. Doch Geistertouren sind bereits 2026 gefragt – vor allem in den USA, wo frühere psychiatrische Kliniken und Bestattungsinstitute viele Besucher anziehen.
„Wir glauben, hier spukt es gewaltig“
Manchen Halloween-Fans reicht es längst nicht mehr, sich von Schauspielern in Grusel-Kostümen in provisorischen Geisterhäusern erschrecken zu lassen. Sie wollen das „echte“ Erlebnis.
In einem früheren psychiatrischen Krankenhaus im Vorortgebiet von Detroit und in einem ehemaligen Bestattungsunternehmen in Toledo im US-Bundesstaat Ohio können Besucher geführte paranormale Untersuchungen machen oder mit ausgeliehener Technik selbst auf Geisterjagd gehen – etwa mit einem handlichen EMF-Messgerät für elektromagnetische Felder.
„Gäste, die zu unseren Geistertouren kommen, werden berührt, gepackt, sie finden Handabdrücke auf der Kleidung, hören Pfiffe“, sagt Justin Cox, Gründer von Michighost Paranormal. Sein Team führt Geistertouren durch die oberen Stockwerke der Attraktion Eloise Asylum, in denen früher Patienten behandelt wurden. „Alles, was man sich vorstellen kann, ist hier passiert. Wir haben schon alles gehört.“
Die Einrichtung begann im 19. Jahrhundert als Armenhaus und wuchs unter wechselnden Namen zu einem Komplex mit Dutzenden Gebäuden. Ende der 1920er Jahre gehörte sie zu den größten öffentlichen Gesundheitseinrichtungen des Landes.
„In der Welt der Paranormalen gehen wir davon aus, dass Traumata Energie hinterlassen, die wiederum zu Spukphänomenen führt“, sagt Cox der Nachrichtenagentur AP. „Hier gab es sehr viel Tragik, sehr viel Trauma. Deshalb glauben wir, dass es hier besonders stark spukt.“
Familienangehörige ehemaliger Patienten und andere mit Bezug zu Eloise kritisieren jedoch, dass an einem Ort, an dem vulnerable Menschen gelitten haben, kommerzielle Unterhaltung angeboten wird.
Obere Stockwerke des Asyls wirken lebendig
Die meisten Gebäude des Komplexes wurden in den 1980er Jahren abgerissen. Ein fünfstöckiges Backsteinhaus mit roter Fassade, das später als Kay-Beard-Gebäude bekannt wurde, steht jedoch noch und beherbergt heute das Eloise Asylum.
Dort führen Cox und sein Team die Besucher durch die oberen Etagen, darunter einen Raum mit einer Badewanne, die einst für Hydrotherapie genutzt wurde. Es kommt häufig vor, dass Gäste sich in die Wanne setzen.
„Und wenn Sie glauben, Sie können die Nacht hier durchstehen, bieten wir auch das an“, sagt Cox über die Übernachtungsangebote.
Lexi Carter, leitende Make-up-Künstlerin und Erschreckerin der Attraktion Eloise Asylum, hat selbst an einer Geistertour teilgenommen. Sie sagt, die oberen Stockwerke fühlten sich lebendig an.
Paranormale Ermittler nutzen sogenannte Spirit Boxes, die Radiokanäle nach Geräuschen abscannen, die sie als mögliche Botschaften von Geistern deuten. Außerdem setzen sie EMF-Geräte ein, um Veränderungen im elektromagnetischen Feld zu messen, die manche mit paranormaler Aktivität in Verbindung bringen.
Carter nennt es „total verrückt“, den Geräten zuzusehen, wenn sie ausschlagen. „Oh mein Gott. Das hat mich umgehauen. Ich dachte: ‚Das kann doch nicht sein. Das ist echt. Das ist so cool.‘“
Besuche in Einbalsamierungs- und Obduktionsräumen
Rund acht Kilometer südlich liegt das frühere Bestattungsunternehmen Urbanski, in dem von 1926 bis zum Verkauf im vergangenen Jahr Tausende Trauerfeiern und Aufbahrungen stattfanden. Heute heißt das 5.580 Quadratmeter große Gebäude Mortuary Manor. Es dient als Bestattungsmuseum – und als Kulisse für weit mehr.
Geisterjäger können die Einbalsamierungs- und Obduktionsräume besichtigen sowie die Leichenhalle. Dort ist es üblich, dass Besucher Fotos von sich machen, während sie auf einer Steinplatte liegen, die aus einer Kellerwand herausragt.
Im November richtet Mortuary Manor seine erste Hochzeit aus – natürlich an einem Freitag, dem 13. Und wer 200 Dollar (179,51 Euro) bezahlt, kann in einer fünfräumigen Suite übernachten. Betriebsleiter Cory Leibenguth wohnt in einer angrenzenden Wohnung im Obergeschoss.
Er betont, dass das Gebäude über moderne Annehmlichkeiten verfügt: Innenbäder, Heizung, Klimaanlage und WLAN. „Das setzt uns von vielen anderen verlassenen Orten ab, die nichts davon haben. Und es gibt nicht gerade viele Bestattungsinstitute, in denen man auf Geistersuche gehen kann“, sagt er.
Besucher von Mortuary Manor können außerdem einen Horrorfilm sehen, der an die Wand des großen Aufenthaltsraums projiziert wird – umgeben von Särgen.
All das soll das Halloween-Erlebnis für eingefleischte Gruselfans auf ein neues Niveau heben.
„In der heutigen Welt, in der alle so gestresst sind, ist Halloween eine Zeit, in der man einfach mal abschalten, die Stunden mit Freunden und Familie genießen und unterwegs vielleicht ein bisschen Angst bekommen kann“, sagt Cox.