Laut dem argentinischen Portal Infobae überquerte Flávio nachts die Grenze nach Puerto Iguazú und flog per Privatjet in die USA. Mileis Team bestreitet eine Flucht. Verbündete erreichen ihn seit dem Morgen nicht.
Die brasilianische Bundespolizei (PF) steht seit Dienstagmorgen mit den Behörden in Argentinien in Verbindung. Sie prüft, ob Flávio Bolsonaro das Land über einen argentinischen Flughafen verlassen hat.
Quellen der PF, auf die sich die Zeitung Zeitung „Metrópoles“ (Quelle auf Portugiesisch) beruft, sagen, der Kandidat der Liberalen Partei (PL), der bei der Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag unterlegen ist, sei in den vergangenen Stunden an keinem regulären brasilianischen Grenzposten registriert worden.
Die gleichen Quellen betonen jedoch, dass Bolsonaro die Grenze auch ohne Kontrolle überquert haben könnte.
In der Nacht meldete das argentinische Onlineportal „Infobae“ (Quelle auf Portugiesisch), der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro sei mit seinem nationalen Personalausweis nach Puerto Iguazú in der Provinz Misiones eingereist. Dem Bericht zufolge traf er dort am Dienstag gegen 2.00 Uhr ein und bereitet sich auf einen Weiterflug in die USA mit einem Privatjet vor.
Nach Angaben von „Infobae“ handelt es sich um eine Gulfstream G400 mit der Kennung LV-JQW. Sie gehört der Firma Baires Fly SA, die eine Zollfreigabe für vier Passagiere und drei Besatzungsmitglieder beantragt hat. Die Maschine startete am Montag um 22.20 Uhr in Buenos Aires und flog nach Puerto Iguazú.
Seit dem frühen Morgen versuchen politische Verbündete Flávio Bolsonaros, ihn zu erreichen – bislang ohne Erfolg, berichtet die Kolumnistin des Portals „UOL“ (Quelle auf Portugiesisch), Letícia Casado.
Euronews hat die PF um eine Stellungnahme gebeten, doch bis jetzt keine Antwort erhalten.
Wahlkampflager und Argentinien-Regierung bestreiten Flucht
Der Koordinator von Flávio Bolsonaros Wahlkampagne weist zurück, dass der frühere Präsidentschaftskandidat Brasilien verlassen hat. „Er ist nicht ausgereist“, sagte Rogério Marinho am Dienstag der Zeitung „Metrópoles“.
Auch die Regierung Argentiniens unter Präsident Javier Milei – einem Verbündeten der Familie Bolsonaro und dem einzigen Staats- und Regierungschef Amerikas, der den Wahlsieg von Lula da Silva noch nicht kommentiert hat – stellt eine Flucht in Abrede. Gegenüber der Agentur Bloomberg erklärte Mileis Büro, Flávio Bolsonaro sei nicht auf argentinischem Staatsgebiet eingereist.
Eduardo Bolsonaro, Flávios Bruder, reagierte mit Spott.
„Ja. Und Elon Musk schickt gerade eine Rakete“, sagte der ehemalige Abgeordnete dem Portal „UOL“. Eduardo Bolsonaro lebt seit 2025 in den USA, wohin er nach einer Haftverurteilung durch das Oberste Bundesgericht (STF) wegen Nötigung im Verfahren zum versuchten Staatsstreich seines Vaters nach der Wahl 2022 gezogen ist.
Bereits am Freitag, zwei Tage vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl, hatte Eduardo Bolsonaro erklärt, sein Bruder solle Brasilien verlassen, falls er die Wahl verliere.
Die Nachricht über die angebliche Flucht tauchte wenige Stunden auf, nachdem Richter Alexandre de Moraes vom STF angeordnet hatte, dass Flávio Bolsonaro alle seine Pässe bei der PF abgibt, auch solche anderer Staatsangehörigkeiten.
Der ehemalige Senator hatte mit seinem Verteidigerteam zugesagt, der richterlichen Verfügung nachzukommen und die Dokumente im Laufe des Morgens den Behörden zu übergeben. Bislang ist das jedoch nicht geschehen.