Finden Sie uns
Werbung

Deutsches Rotes Kreuz schlägt Alarm: Blutvorräte reichen teils nur für zwei Tage

Wegen knapper Blutvorräte in den Krankenhäusern ruft das DRK 2020 zur Spende auf.
Wegen knapper Blutvorräte in den Krankenhäusern ruft das DRK 2020 zur Spende auf. -  Copyright  Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
Copyright Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Nach der Hitzewelle im Sommer und mit Beginn der Erkältungssaison wird Blut in mehreren Regionen Deutschlands knapp. Das Deutsche Rote Kreuz benötigt rund 3.000 Spenden pro Tag.

In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen sind die Blutreserven des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kritisch niedrig. Der Bestand liegt inzwischen unter 10.000 Konserven. Das DRK warnt, dass Krankenhäuser in der Region nicht mehr uneingeschränkt mit Blutpräparaten versorgt werden können.

WERBUNG
WERBUNG

Für akute Notfälle steht weiterhin ausreichend Blut zur Verfügung. Bei geplanten Eingriffen können allerdings Verschiebungen notwendig werden, wenn der Vorrat nicht schnell genug steigt.

"Wir sind jetzt unter der Grenze von 10.000 Konserven", sagte ein Sprecher des DRK-Blutspendedienstes der Deutschen Presse-Agentur. "Das macht uns auch ein bisschen Sorgen."

Besonders gefragte Blutgruppen

Am stärksten betroffen sind derzeit die Blutgruppen 0 positiv, 0 negativ und B negativ. Bei einzelnen Präparaten reicht der Bestand laut DRK nur für etwa zwei Tage aus. Zwar komme regelmäßig neuer Nachschub an, die Reserven bleiben aber weiterhin angespannt.

Besonders wichtig ist Blut der Gruppe 0 negativ. Es kann in der Regel an Menschen mit einer anderen Blutgruppe verabreicht werden und wird daher häufig in Notaufnahmen eingesetzt, wenn die Blutgruppe eines Patienten noch unbekannt ist.

Damit die Vorräte wieder auf ein sicheres Niveau steigen, braucht der Blutspendedienst nach eigenen Angaben täglich rund 3.000 Spenden. Diesen Bedarf erreicht der Dienst derzeit nicht.

Hitze und Erkältungen als Belastung

Die aktuelle Knappheit ist nach Darstellung des DRK kein plötzlicher Einbruch. Bereits die Hitzewelle im Juni habe dazu geführt, dass deutlich weniger Menschen eine Blutspende-Termin wahrnahmen. Bei Temperaturen über 40 Grad blieben viele zu Hause. Seitdem habe sich die Versorgungslage zunehmend verschlechtert.

"Die vergangenen Monate waren generell schwierig", hieß es vom DRK. "Normal ist das nicht für diese Jahreszeit", sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem beginnt nun die Erkältungssaison. Sie kann die Lage weiter verschärfen: Nach einem Infekt dürfen Interessierte erst nach mindestens einer Woche wieder spenden. Nach Fieber gilt eine Wartezeit von vier Wochen. Kranke Menschen scheiden damit für längere Zeit als Spender aus.

Warum jede Spende wichtig ist

Eine Blutspende wird im Labor in mehrere Bestandteile getrennt: rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Plasma. Aus einer Spende können dadurch bis zu drei Patienten versorgt werden.

Die Lagerfähigkeit ist jedoch begrenzt. Rote Blutkörperchen halten bis zu 42 Tage, Blutplättchen dagegen nur rund vier Tage. Blutplättchen werden unter anderem bei Chemotherapien benötigt. Deshalb lassen sich Vorräte nicht über Monate hinweg anlegen.

"Eine Spende kann drei Leben retten", sagte der DRK-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Sowohl bei der Vollblutspende als auch bei der Plasmaspende ist eine Aufwandsentschädigung möglich. Sie soll den zeitlichen Aufwand ausgleichen, darf nach § 10 des Transfusionsgesetzes jedoch nur in bestimmten Grenzen gewährt werden. Damit soll der ideelle Charakter der Spende gewahrt bleiben.

Bei der Vollblutspende gibt es eine einheitliche Entschädigung. Bei der Plasmaspende bemisst sich die Höhe unter anderem nach der gespendeten Plasmamenge.

Menschliches Plasma ist zudem ein wichtiger Ausgangsstoff für Medikamente, etwa für Menschen mit angeborenen Immundefekten oder Hämophilie.

DRK bittet um Termine

Blut spenden darf, wer mindestens 18 Jahre alt ist. Das DRK rät dazu, vorab online oder telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Vor der Spende sollten Interessierte ausreichend essen und trinken sowie einen Ausweis mitbringen.

"Wir sind dankbar um jeden Spender", betonte der Sprecher des Blutspendedienstes der Deutschen Presse-Agentur zufolge.

Das DRK hofft nun auf eine schnelle Reaktion der Bevölkerung. Je mehr Menschen in den nächsten Tagen spenden, desto eher lassen sich die Reserven wieder stabilisieren und Einschränkungen für Krankenhäuser abwenden.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

"Gen Z regelt": Polizeigewerkschaft rechnet mit Krawall-Influencern und -Touristen

Droht eine Apokalypse? Die 17 größten Gefahren für die Menschheit bis 2100

Tödliches Virus Ebola: Diese Schutzausrüstung liefert Deutschland