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DRK-Präsident mahnt: Verteidigung steht und fällt mit Bevölkerungsschutz

DRK-Präsident Hermann Gröhe: "Ohne Bevölkerungsschutz gibt es keine Verteidigungsfähigkeit"
DRK-Präsident Hermann Gröhe: "Ohne Bevölkerungsschutz gibt es keine Verteidigungsfähigkeit" Copyright  Copyright 2010 AP. All rights reserved.
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Bevölkerungsschutz sei zu kurz gekommen, erklärte der Präsident des Deutschen Roten Kreuz, Hermann Gröhe. Dabei gilt er ihm zufolge als Grundstein für die Verteidigungsfähigkeit. Er stellt klare Forderungen.

Bayern hat soeben das erste Landesamt für Bevölkerungsschutz bekanntgegeben, doch im Schutz der Bevölkerung gebe es dem Präsident des Deutschen Roten Kreuz (DRK), Hermann Gröhe zufolge erhebliche Defizite.

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Der DRK-Präsident forderte mindestens eine Milliarde Euro zusätzlich für den Bereich, den er außerdem als "völlig unterfinanziert" bezeichnete. Das sagte Gröhe im Interview mit dem Tagesspiegel.

Die jüngsten Krisen wie etwa das Hochwasser im Ahrtal und in Teilen Bayerns seien nur ein Teil, auch die Sicherheitsrisiken nehmen mit den weiteren Kriegen zu. Den Bevölkerungsschutz sieht Gröhe als essenziellen Teil der Verteidigung. Ohne ihn gebe es keine Verteidigungsfähigkeit, erklärte er.

Wer bekommt Zuschuss für Bevölkerungsschutz?

Laut Gröhe sind anerkannte Hilfsorganisationen bisher im Vergleich mit anderen Vereinigungen zu kurz gekommen. Sie seien nicht ausreichend berücksichtigt worden, erklärt der DRK-Präsident. Primär wurden Mittel an Bundesbehörden und das Technische Hilfswerk (THW) vergeben.

Im Jahr 2025 wurden 1,4 Milliarden Euro für den Zivil- und Bevölkerungsschutz auf Bundesebene ausgegeben. Bis zum Jahr 2029 sollen jedoch 10 Milliarden Euro investiert werden, das System reformiert und die Ausstattung zum Teil modernisiert werden.

Das THW ist die mit Abstand am stärksten direkt vom Bund finanzierte operative Einheit und wurde nach Angaben des Bundestags im Jahr 2025 mit mehr als 446 Millionen Euro Bundesmitteln gefördert. Ein weiterer großer Teil ging an die Bundesbehörden.

Kommunale Einsatzkräfte wie etwa die Freiwilligen Feuerwehren werden überwiegend durch die Länder und Kommunen finanziert, die im vergangenen Jahr bereits ein zweistelliges Minus zu verzeichnen hatten. Das kritisiert auch DRK-Präsident Gröhe. Er sehe "einen gewaltigen Nachholbedarf".

"Wenn in jedem zehnten Haushalt jemand lebt, der im Ernstfall weiß, was zu tun ist, stärkt das die Widerstandskraft der Gesellschaft insgesamt deutlich", sagte Gröhe. Bisher sind jedoch viele untätig, wie eine Studie des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BBK) aus dem Jahr 2025 gezeigt hat.

Demnach sehen 61 Prozent sehen die Bewältigung von Katastrophen als Aufgabe des Staates, nur jeder Zweite hat bisher Vorsorgemaßnahmen getroffen. Der Experte für Bevölkerungsschutz und Autor von "Sicher trotz Katastrophe", Andreas Kling appellierte im Gespräch mit Euronews vergangenes Jahr an die Bevölkerung.

Ihm fehle bisher ein weitreichendes Bewusstsein für Krisen, Kriege und Katastrophen. "Man muss sich einfach mal mit der Situation auseinandersetzen und überlegen, was mache ich zum Beispiel, wenn ich das Haus verlassen muss", sagte er Euronews.

Gröhe zielt allerdings auch auf die Bedeutung von Freiwilligen ab. Ehrenämter würden nicht ausreichend gefördert und müssten teils mit veraltetem Material Übungen durchführen. "Da kann es nicht sein, dass sie an Gerät üben, das aus der Zeit der Eltern oder gar der Großeltern stammt", sagte Gröhe im Tagesspiegel-Interview.

Krankenhäuser krisenfest machen

Neben einer besseren Übersicht über die Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen deutschlandweit fordert der Präsident des Deutschen Roten Kreuz außerdem, dass die Krankenhäuser krisenfester werden müssten.

Und er warnt vor Streitereien über Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. Dafür sei keine Zeit. Es passe nicht zusammen, "mit markigen Worten eine zeitnahe Herstellung der 'Kriegstüchtigkeit' anzumahnen, wenn nicht mit gleicher Entschlossenheit der Schutz der Bevölkerung vorangetrieben wird", sagte Gröhe.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zur NATO zweifeln auch europäische Vertreter an der Stärke der Allianz. Grüne und FDP forderten am Mittwoch im EU-Parlament gemeinsame Militärübungen. Deutschland ist als Drehscheibe der NATO bereits stark in multinationale Übungen involviert.

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