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Russland will mit Ticket-Trick die eigene Luftfahrtindustrie retten

Putin besucht Flugzeugfabrik in Irkutsk im Juli 2026
Putin besucht im Juli 2026 ein Luftfahrtwerk in Irkutsk -  Copyright  AP Photo
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Von Irina Sheludkova & Euronews Russian
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Wegen der Sanktionen fehlen Russland westliche Flugzeuge, Ersatzteile und Wartung. Um den heimischen Flugzeugbau zu stärken, plant Moskau nun einen Aufpreis bei Flugtickets.

Russland plant ab 2027 eine Abgabe auf Flugtickets, um sein angeschlagenes ziviles Flugzeugprogramm zu finanzieren. Nach Angaben des Haushalts- und Steuerausschusses der Staatsduma sollen Inlandsreisende 500 Rubel, umgerechnet etwa 5,40 Euro, und internationale Passagiere 1.000 Rubel, etwa 10,80 Euro, pro Ticket extra zahlen.

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Das Industrie- und Handelsministerium erarbeitet die Maßnahme auf Anweisung von Präsident Wladimir Putin. Die Einnahmen sollen die Kosten für Leasing und Betrieb von 258 Flugzeugen im Rahmen des Programms zur Ausweitung der Flugzeugproduktion decken. Dazu gehören die Modelle MS-21, Tu-214, SJ-100 und Il-114-300.

Ob die Abgabe in dieser Höhe kommt, ist noch offen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax werden auch höhere Sätze von 700 Rubel für Inlandsflüge und 1.800 Rubel für internationale Flüge erwogen.

Die russische zivile Luftfahrtindustrie hat seit Beginn der großangelegten Invasion der Ukraine im Jahr 2022 keine neuen Serienmaschinen mehr ausgeliefert und wiederholt Produktionsfristen verfehlt. Zwischen 2022 und 2025 erhielten russische Fluggesellschaften 13 neue Flugzeuge, geplant waren 120. Viele dieser Maschinen wurden noch aus vor den Sanktionen beschafften Komponenten zusammengebaut.

Der Produktionsfahrplan wurde mehrfach überarbeitet. Im Sommer 2026 verschob die Regierung das Ziel für die Großserienfertigung von 2030 auf 2035. Die Zulassung und der Start der Serienproduktion der MS-21 und des SJ-100 sind derzeit für 2027 vorgesehen. Die Lieferung der bereits zertifizierten Il-114-300 soll ab Dezember 2026 beginnen.

Die Flotte russischer Fluggesellschaften ist im Verlauf des Kriegs in der Ukraine geschrumpft. Alte, im Ausland gebaute Flugzeuge werden ausgemustert und nicht ersetzt. Ersatzteile sind knapp und werden immer teurer. Russland wendet sich deshalb auch an Vietnam, um Flugzeuge zur Anmietung zu erhalten.

Nach den westlichen Sanktionen infolge der Invasion vom Februar 2022 kann Russland keine westlichen Flugzeuge mehr kaufen oder leasen und auch keine Ersatzteile oder Wartungsleistungen mehr beziehen. Moskau verabschiedete dennoch ein Gesetz, das Fluggesellschaften erlaubt, mehr als 400 im Ausland geleaste westliche Flugzeuge im Inland neu zu registrieren, statt sie an die Eigentümer zurückzugeben.

Nach internationalem Luftfahrtrecht ist eine doppelte Registrierung eines Flugzeugs verboten. Russlands Neuregistrierungen gelten daher als illegal. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO verfügt jedoch über keinen Mechanismus, um die Rückgabe zu erzwingen.

Leasinggeber haben Versicherungsansprüche von rund acht Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 7,1 Milliarden Euro, geltend gemacht, um ihre Verluste auszugleichen. Viele Verfahren laufen noch.

Vor der Invasion waren von rund 900 Verkehrsflugzeugen in Russland etwa 850 Maschinen vom Typ Boeing oder Airbus. Rund 85 Prozent davon waren von ausländischen Unternehmen geleast. Da westliche Ersatzteile und technische Dienstleistungen sanktioniert sind, schlachten Fluggesellschaften einen Teil der beschlagnahmten Flotte aus, um an Komponenten zu kommen.

Die wichtigste Produktionskapazität des russischen Luft- und Raumfahrtsektors ist inzwischen auf Militärflugzeuge verlagert. Offizielle Produktionszahlen sind geheim. Branchenbeobachter schätzen den Ausstoß jedoch auf einige Dutzend Maschinen pro Jahr.

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