Die Ex-Ministerin Fatma Betül Sayan Kaya sitzt nach Ermittlungen zu einem Fonds in Haft. Laut Staatsanwaltschaft wusste sie beim Verkauf ihrer Aktien von der geplanten Liquidation.
Die ehemalige türkische Ministerin Fatma Betül Sayan Kaya wurde wegen des Verdachts auf illegale Aktiengeschäfte und Bandenmitgliedschaft in Untersuchungshaft genommen.
Der Hauptvorwurf
Fatma Betül Sayan Kaya (frühere Familienministerin und AKP-Vize) soll Aktien der Firma Özata Denizcilik übertragen haben, obwohl sie bereits wusste, dass die dazugehörigen Fonds aufgelöst werden. Das ist ein Verstoß gegen das Kapitalmarktgesetz.
Ihr wird zudem die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Sie wurde am Donnerstag zum zweiten Mal verhört – diesmal offiziell als „Beschuldigte“ – und anschließend von einem Richter in Untersuchungshaft geschickt.
Ihr Ehemann İlyas Kaya und der ehemalige Chef der türkischen Börsenaufsicht SPK İbrahim Ömer Gönül wurden ebenfalls als Beschuldigte verhört. Die beiden Männer mussten nicht ins Gefängnis, stehen aber unter gerichtlicher Aufsicht. Sie haben ein Ausreiseverbot erhalten und müssen sich regelmäßig bei den Behörden melden.
Wie die Ermittlungen begannen
Die Geschäfte des Ehepaars Kaya mit OZATD-Aktien waren durch einen Hinweis aus der Opposition in den fokus geraten. Sprecher der PArtei Zeynel Emre hatte behauptet, das Ehepaar Kaya habe durch die Aktienhandel mehr als 35 Millionen Euro verdient.
Nach den Vorwürfen trat Fatma Betül Sayan Kaya von ihrem Amt als stellvertretende Vorsitzende der AKP zurück.
Die Generalstaatsanwaltschaft schickte am 29. September Schreiben an die zuständigen Stellen, um das Vermögen des Paares einfrieren zu lassen.
Aktien einen Tag vor Abwicklungsbeschluss übertragen
Nach dem Überstellungsschreiben der Staatsanwaltschaft erwarb Fatma Betül Sayan Kaya im April 2026 Aktien von Özata Denizcilik Sanayi ve Ticaret AŞ (OZATD). Diese Anteile übertrug sie am 16. September per Umbuchung auf ein türkisches Wertpapierhaus. Das Unternehmen überwies den Verkaufserlös am selben Tag auf Kayas Konto. Die Entscheidung über die Abwicklung der Fonds wurde hingegen erst am folgenden Tag, dem 17. September, getroffen.
Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass der Aktienkurs im April zu steigen begonnen hatte und der danach einsetzende Rückgang bis zum 16. September anhielt.
Im Überstellungsschreiben wird auch auf den Zahlungszeitpunkt hingewiesen. Während die übliche Abwicklungsfrist für OZATD-Aktien zwei Werktage beträgt, übertrug Kaya ihre Anteile an das Wertpapierhaus, ohne dass sie zuvor am Markt verkauft wurden, und die Zahlung erfolgte noch am Tag des Geschäftsabschlusses.
SPK-Bericht und Gespräche mit Tera-Managern
Laut dem Überstellungsschreiben kam die SPK nach Prüfung der Geschäfte in den Özata-Denizcilik-Aktien in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass Kaya über nicht öffentlich bekannte Informationen verfügte.
Die Behörde stellte fest, dass diese Informationen den Aktienkurs, den Wert der Anteile oder die Entscheidungen der Anleger beeinflussen könnten, und erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Untersuchung der Aktiengeschäfte und der Kapital- und Beteiligungsangaben auf der Kamuyu Aydınlatma Platformu (KAP) ergab demnach, dass Gesellschaften und Fonds aus der Tera-Gruppe in großem Umfang OZATD-Aktien erworben hatten.
Kaya erklärte in ihrer im Überstellungsschreiben wiedergegebenen Aussage, sie kenne den Tera-Manager Erdin Özel seit Langem und habe auch in der Zeit ihrer Investition in die Aktien häufig mit ihm gesprochen. Sie gab zudem an, auch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Tera-Gruppe, Emre Tezmen, gesprochen zu haben.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, sowohl die Transaktionsaufzeichnungen als auch die Aussagen bestätigten, dass Kaya ein Anlagekonto innerhalb der Tera-Gruppe eröffnet hatte.
Als Begründung für den Haftantrag führte die Staatsanwaltschaft an, dass Kaya bereits bei ihrer ersten Börseninvestition einen hohen Aktienbetrag erworben habe, Gespräche mit Tera-Managern geführt habe und ihre Anteile zu einem bestimmten Datum übertragen habe.
Aus der Gesamtschau dieser Elemente schloss die Staatsanwaltschaft, Kaya habe im Voraus gewusst, in welcher Spanne sich der Aktienkurs bewegen werde und dass ein Abwicklungsbeschluss über die Fonds bevorstehe.
Die Staatsanwaltschaft machte geltend, es gebe Tatsachen, die einen starken Tatverdacht begründeten, und erklärte, wegen Fluchtgefahr und der Gefahr der Beweisvereitelung reichten gerichtliche Auflagen in diesem Stadium nicht aus.
Was sagte das Ehepaar Kaya in seinen ersten Aussagen?
Fatma Betül Sayan Kaya hatte in ihrer ersten Aussage bei der Staatsanwaltschaft am siebten Oktober die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie erklärte, sie habe die Anlageentscheidung selbst getroffen, niemand habe sie beeinflusst und ihr seien keine Insiderinformationen übermittelt worden.
Ihr Ehemann İlyas Kaya sagte aus, er habe im April 2026 rund 150.000 Stück Aktien gekauft, einen Teil davon im August und den Rest im September verkauft.
Einen Teil des Verkaufserlöses habe er kurzfristig in Investmentfonds angelegt, erklärte Kaya. Er betonte, seine Geschäfte seien mit den Vorschriften vereinbar gewesen und er habe keine Manipulationen vorgenommen.
Fatma Betül Sayan Kaya erklärte, sie habe im selben Zeitraum rund 250.000 OZATD-Aktien gekauft und diese im August und September verkauft. Bei ihrer Anlageentscheidung habe es weder eine Einflussnahme noch an sie weitergegebene Insiderinformationen gegeben, sagte Kaya und bestritt die gegen sie erhobenen Vorwürfe.
Die Ermittlungen dauern an.