Erkennen Fans und Künstlerinnen, wenn Musik von KI stammt? Fenix Flexins Track „Rubberz“ deutet klar darauf hin: ja, und zwar ohne jeden Zweifel.
In einer Saison ohne echte Hits küren manche bereits einen klaren Sommerhit.
Der Track „Rubberz“ des Rappers Fenix Flexin verbindet schleifenartige Synth-Beats, die zugleich an den neonbeleuchteten Strip von Miami in den 1980er-Jahren und an einen Song von Men At Work erinnern. Textlich pendelt er zwischen Prahlerei à la „pocket’s getting thicker“ sowie unerwiderter Liebe und verlorenen Freundschaften.
Ich kann nachts nicht schlafen
Seh dein Gesicht noch im Glas
Warum rufst du an, nur wenn dir das Geld ausgeht?
Der Song versprüht Polaroid-Filter-Wärme und eine schwer zu erklärende Eingängigkeit. In den Billboard Hot 100 hat er es bereits auf Platz 58 geschafft, auf YouTube zählt er mehr als 7,5 Millionen Aufrufe.
Klanglich erinnert er allerdings kaum an Fenix Flexins frühere Arbeiten – von den austauschbaren Lyrics bis hin zu den weichgebügelten Vocals.
Seit der Veröffentlichung von „Rubberz“ Anfang Juni diskutieren Nutzerinnen und Nutzer im Netz die merkwürdigen Phrasierungen und die stilistische Entfernung zu Fenix Flexins sonst eher trap-orientiertem Werk. Viele vermuten, der Song sei größtenteils, wenn nicht komplett, von KI erzeugt. Vielleicht liegen sie damit nicht ganz falsch.
In dieser Woche erreichte die Kritik einen Höhepunkt. Die Entwickler der generativen KI-Musik-App Treblo – genau jener App, die der Rapper aus Los Angeles angeblich für „Rubberz“ genutzt haben soll – stuften den Track selbst als wahrscheinlich KI-generiert ein.
„Rubberz“ im Kreuzfeuer der KI-Debatte
Seit Monaten werfen Künstler, Produzenten und Internetnutzer Fenix Flexin vor, für seinen 80er-Jahre-inspirierten Durchbruchstrack auf KI gesetzt zu haben.
Der Hip-Hop-Künstler und Produzent Curtiss King (Quelle auf Englisch) nahm den Song in einem 30-minütigen YouTube-Video auseinander. „Man riecht förmlich die Kabel“, sagte er.
„Der Hall auf den Drums ist voller unnatürlicher digitaler Artefakte, erinnert an eine 64-kbps-MP3 aus Napster-Zeiten. Weil die meisten generativen KI-Firmen ihre Modelle mit minderwertigen MP3s aus unlizenziertem urheberrechtlich geschütztem Material trainiert haben, hören wir hörbar abgewertete Instrumente“, sagte Songschreiber Charlie Harding später gegenüber The Verge (Quelle auf Englisch), einem der ersten Medien, das die Kontroverse aufgegriffen hat.
Fenix Flexin selbst – ebenso wie sein Labelkollege Tyga, dem man ebenfalls KI-Einsatz bei seiner Musik vorwirft – hat wenig getan, um die Gerüchte zu entkräften. In Posts in den sozialen Medien behauptete er, den Track mit Pro Tools, Auto-Tune und einem britischen Akzent produziert zu haben, den er nach eigenen Angaben ‚den halben Tag‘ spreche.
Die Aufregung legt sich aber nicht. Im Gegenteil: Andere Kreative, die schon der Gedanke an KI als Abkürzung im Studio empört, heizen die Debatte weiter an.
Am vergangenen Wochenende veröffentlichte der DJ und Produzent Medasin (Quelle auf Englisch) ein Reel, das viral ging. Darin teilt er heftig gegen den Rapper aus und zeigt, wie sich mit ein paar einfachen Prompts in Treblo (früher Sonauto) ein nahezu identischer Song erzeugen lässt.
Im Kern steht jedoch die größere Frage: Würde es überhaupt etwas ändern, falls er es getan hat?
KI-Schrott im Zeitalter unternehmerischer Gleichgültigkeit
Künstler, Konsumenten und praktisch alle denkenden Menschen laufen Sturm gegen den Einsatz von KI, der den kreativen Prozess unterläuft. Trotzdem passiert es immer wieder.
Im vergangenen Jahr eroberte eine KI-generierte Musikfigur die Spitze der US-Billboard-Charts. Vor wenigen Monaten veröffentlichte „Schauspieler“ Tilly Norwood – genauer gesagt die Menschen dahinter – seine erste Single.
Gemeinsam ist all diesen Beispielen: Niemand scheint diese Produkte zu mögen, geschweige denn sie zu wollen.
Eine Studie des Analyseunternehmens Luminate (Quelle auf Englisch) zeigte in diesem Jahr, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten – insbesondere die Generation Z und die Generation Alpha – mit KI in der Musikproduktion zunehmend unwohl fühlen. Demnach sank das generelle Interesse binnen eines halben Jahres im Jahr 2025 von minus 13 Prozent auf minus 20 Prozent.
„Menschen fühlen sich bei der Nutzung von KI eher unwohl als wohl“, sagt Audrey Schomer, Medienanalystin und Research Editor bei Luminate, die den Bericht verfasst hat.
Die Zahlen passen zu den Befunden rund um KI insgesamt. Laut einer aktuellen Umfrage von NBC News (Quelle auf Englisch) bewertet fast die Hälfte aller US-Bürgerinnen und -Bürger KI negativ.
Diese Abneigung gegen eine Technologie, die Kreative oft als Betrug oder zumindest als unehrlich empfinden, hat inzwischen konkrete Folgen. Ein Gericht in München entschied Anfang dieser Woche, dass die KI-Musik-App Suno gegen das Urheberrecht verstoßen hat und Künstlerinnen und Künstlern eine noch festzulegende Summe an Schadenersatz zahlen muss.
All dies macht den Lärm um Fenix Flexin verständlicher. Je mehr Künstler sich an einer verwässerten Form von Kreativität beteiligen – an der Massenproduktion von inhaltsarmem Content, der nur schnelle Einnahmen bringen soll –, desto weniger scheint das Publikum dafür übrig zu haben.