US-Präsident Donald Trump fordert die Ukraine auf, Angriffe auf russische Diesellieferungen zu stoppen, weil sie der Weltwirtschaft schaden. Die Erklärung gab er während eines zweitägigen Besuchs in Irland ab, der politische Gespräche mit privater Freizeit verbindet.
US-Präsident Donald Trump fordert die Ukraine auf, keine Dieselraffinerien mehr anzugreifen. Diese Angriffe seien Teil der militärischen Gegenoffensive gegen Russland, trügen aber seiner Ansicht nach zu weltweiten Diesel-Engpässen bei.
„Selenskyj muss eines tun. Er muss aufhören, in Russland die Dieselproduktion lahmzulegen“, sagte Trump vor Reporterinnen und Reportern. „Er kann andere Ziele angreifen, aber nicht Diesel, denn er verursacht einen Diesel-Mangel.“
Trump äußerte sich in Irland, wo er sich auf einer 48-stündigen Reise befindet. Hauptgrund ist die Teilnahme an den Irish Open im Golf, die in seinem privaten Golfhotel in Doonbeg im County Clare ausgetragen werden.
Er machte offenbar die ukrainischen Angriffe auf Russland für die explodierenden Energiepreise verantwortlich. Fachleute sehen dagegen vor allem den von ihm und Israel geführten Krieg gegen den Iran und die Schließung der Straße von Hormus als Ursache. Durch die Meerenge fließen normalerweise rund 20% des weltweiten Ölhandels.
„Die Ukraine hat jede Menge andere Ziele“, sagte Trump. Die Strategie Kyjiws, nach der russischen Großinvasion 2022 gezielt Moskaus Öl- und Gasreserven anzugreifen, „schadet der ganzen Welt“.
In Dublin ist die Erleichterung groß nach einer erfolgreichen Runde diplomatischer Gespräche mit Trump, die schließlich in seinem Appell für ein vereintes Irland gipfelte.
Trump traf den irischen Premierminister Taoiseach MicheálMartin im Rahmen seiner Reise, bei der er am Sonntagabend der Siegerin oder dem Sieger des Turniers die Trophäe überreichen soll, bevor er nach Washington zurückfliegt.
Das Thema einer möglichen „Verschmelzung“ der Republik Irland mit dem britischen Nordirland zu einem gemeinsamen Staat sprach Trump mehrfach an – unter anderem in einer 45-minütigen Rede in der Residenz des US-Botschafters im Phoenix Park in Dublin.
Es sei „nur logisch, Nord und Süd zusammenzuführen“, sagte er.
„Ich habe die Menschen in Irland immer geliebt. Für mich gibt es da Nordirland und Irland“, sagte er.
„Mir erscheint es als eine der selbstverständlichsten Lösungen, sie zusammenzubringen“, erklärte er nach seinem Treffen mit Micheál Martin am Samstag vor Reporterinnen und Reportern.
Berichten zufolge brachte Trump das Thema eines vereinten Irland auch gegenüber der irischen Präsidentin Catherine Connolly zur Sprache, einer linken Politikerin, die ihren US-Amtskollegen wiederholt kritisiert und ihn sogar als „Tyrann“ beschimpft hat.
Präsidentin Connolly überreichte Trump ein Gedichtband des in Belfast geborenen Dichters Michael Longley. Er gilt als „einer der bedeutendsten Lyriker, die Irland hervorgebracht hat“. Longleys Werk kreist um Liebe, Krieg, Natur und Kunst.
„Sein Sonett ‚Ceasefire‘, das sich auf Homer bezieht, ist zu einem der prägenden irischen Gedichte darüber geworden, was Vergebung bedeutet“, erklärte ihr Presseteam nach dem Treffen in einer Mitteilung.
Quellen aus der irischen Regierung berichten, dass Trump die Frage einer Vereinigung Nordirlands mit Irland – was einen Austritt Nordirlands aus dem Vereinigten Königreich bedeuten würde – regelmäßig anspricht, sobald er mit Diplomaten oder Regierungsvertretern zusammenkommt.
Trump erklärte am Samstag, ein geeintes Irland „wäre fantastisch“ und werde „früher oder später kommen“.
Der frisch ernannte britische Premierminister Andy Burnham hatte zuletzt erklärt, ein Referendum über ein vereintes Irland sei derzeit „vom Tisch“.
„Ich bin hier, wie ich bereits sagte, um zuzuhören, und ich werde einen kooperativen Ansatz wählen. Aber einige Fragen werden nicht zur Debatte stehen, und das ist eine davon.“
Burnham führte aus, ein Referendum werde es erst geben, wenn es überwältigende Belege für einen entsprechenden Wunsch in der Bevölkerung gebe. Quellen aus seinem Umfeld betonten am Samstag, dass der Standpunkt des britischen Regierungschefs sich durch Trumps Aussagen nicht geändert habe.
Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998, das den mehr als drei Jahrzehnte dauernden bewaffneten Konflikt in Nordirland beendete, kann ein vereintes Irland entstehen, wenn dies der Wunsch der Bevölkerungsmehrheit ist.
Ein Referendum über eine sogenannte „Border Poll“, also eine Grenzabstimmung, muss von der britischen Regierung angesetzt werden. Die Regierung in London reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Quellen berichteten Euronews zudem, dass Trumps Vorstoß in eine Phase erhöhter Spannungen zwischen den USA und Großbritannien wegen des Kriegs im Iran fällt.
Washington hat europäische NATO-Partner wiederholt scharf kritisiert, weil sie sich nicht an dem Krieg im Iran beteiligen. Trump äußerte sich besonders angriffig über den früheren britischen Premier Keir Starmer, der den USA zunächst die Nutzungsrechte für Militärstützpunkte auf britischem Territorium verweigert hatte.
Starmer lenkte bald ein und erlaubte US-Truppen, britische Luftwaffenstützpunkte „zu Verteidigungszwecken“ zu nutzen. Trump macht seiner Empörung darüber jedoch immer wieder Luft und sagt: „Ihr Land war nicht da, um mir zu helfen.“
Vor Kurzem stellte die Trump-Regierung zudem die britische Souveränität über die Falklandinseln infrage, nachdem Argentiniens Präsident Javier Milei den nahe der argentinischen Küste gelegenen Archipel erneut für sein Land beansprucht hatte.
Viele Beobachter gehen davon aus, dass Trump, ein enger Freund Mileis, sich damit an Großbritannien rächen könnte, indem er London nicht offen den Rücken stärkt.