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Jimek: Polnischer Hip-Hop zählt zu Europas Besten – ohne jede Entschuldigung

Jimek, bürgerlich Radzimir Dębski, ist ein polnischer Komponist, Dirigent und Musikproduzent.
Jimek - Radzimir Dębski ist ein polnischer Komponist, Dirigent und Musikproduzent. Copyright  Wojtek Koziara
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Von Aleksandra Galka Reczko
Zuerst veröffentlicht am
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Radzimir Dębski alias Jimek liebt Klassik und Hip-Hop. Beyoncé, Snoop Dogg und Nicki Minaj loben ihn. Jetzt stellt er bei Euronews ein Album mit zwölf polnischen Rappern und Sinfonieorchester vor.

Die Zahl zwölf zieht sich wie ein roter Faden durch das kreative Leben von Radzimir Dębski. Am zwölften Juni 2026 erschien sein Album „Études for Piano, Sampler, Orchestra and Friends“, für das er zwölf Rapper einlud. Am zwölften September desselben Jahres steht er mit ihnen gemeinsam auf der Bühne bei einem Konzert im Warschauer Stadtteil Bemowo (Quelle auf Englisch).

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Damit nicht genug. Bereits 2012 gewann er den Remix-Wettbewerb zu Beyoncés Single „End of Time“ – gegen mehr als 3.000 Produzentinnen und Produzenten aus 25 Ländern. Er war gerade in Berlin, als Beyoncé persönlich anrief: „I wanna congratulate you, because you are the winner.“ Queen B. öffnete ihm damit die Tür zu einer ganzen Reihe internationaler Auftritte, die seither immer mehr wurden. Er arbeitete unter anderem mit Snoop Dogg bei den BET Awards 2025 in Los Angeles zusammen und im Dezember desselben Jahres bei „Snoop's Holiday Halftime Party“ in Minneapolis.

Das Album „2015“, das er gemeinsam mit Miłosz „MIUOSH“ Borycki produzierte – ein Mitschnitt eines Konzerts im Sitz des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks in Katowice –, weckte das Interesse des legendären Labels Deutsche Grammophon. Videoclips des Konzerts teilten Stars wie Ashton Kutcher, Mobb Deep und Nicki Minaj voller Begeisterung in den sozialen Medien. Künstlerisch beschränkt er sich jedoch nicht auf Polen und die USA. Er ist unter anderem in Japan, Deutschland und Kenia aufgetreten.

Jimek setzt wieder auf Polen

Trotz seiner weltweiten Möglichkeiten – begünstigt durch die universelle Sprache klassischer, sinfonischer Musik – entscheidet sich Jimek erneut für Polen. Dort bereitet er sein nächstes großes Musikprojekt vor, das seine Hip-Hop-Klassik-Trilogie abschließt. Im Gespräch mit Euronews erklärt er warum:

„Zuallererst ist Zuhause-Sein, also dorthin zurückzukehren, wo man herkommt, für mich zu einem Bedürfnis geworden und zugleich zu einer Art Suche nach Balance. Wenn meine Identität verrutscht, ist das gefährlich für mich. Gleichzeitig ist es ein riesiges Vergnügen und eine Erleichterung. Im Sommer in Warschau einfach man selbst sein... Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, die ich lieber mag. Und ich meine nicht nur Warschau, sondern Polen insgesamt“, sagt er und betont, das seien ganz „bodenständige“ Gründe.

Dahinter stehen aber auch künstlerische Gründe. Das Album „Études (...)“ (im Original „Etiudy na pianino, orkiestrę, sampler i kolegów“) ist das Ergebnis einer Reise, die nach vielen Wendungen nun einen Kreis schließt.

„Zuerst gab es die Geschichte des amerikanischen Hip-Hop. Durch seine Verbreitung war mir sofort klar, dass ich auch die Geschichte des polnischen Hip-Hop erzählen muss. Gleichzeitig habe ich von Anfang an davon geträumt, alle Künstlerinnen und Künstler, die ich mir wünsche, gemeinsam auf einer Bühne zu haben. Logistisch war das fast unmöglich.“

Drei Akte einer Geschichte

Das erste Konzert in Bemowo 2022 war ein Test: Lässt sich überhaupt eine so große Zahl an Rappern an einem Ort versammeln? Das zweite – mit dem Nationalen Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks im Silesian Stadium 2023 – war ein größeres Wagnis, funktionierte aber. Das dritte Kapitel ist nun ein Konzert mit Menschen, die er bei diesen Projekten kennengelernt hat und mit denen er Songs von Grund auf neu geschrieben hat.

„Dieses Konzert wird sich unterscheiden, weil wir all diese Gelegenheiten genutzt und zugleich ein neues Album aufgenommen haben. Daraus sind neue Tracks entstanden, die dieser ganzen Geschichte vielleicht den bestmöglichen Schlusspunkt geben“, erklärt Jimek gegenüber Euronews.

Wie schon bei den ersten beiden Ausgaben stehen sowohl Klassiker als auch neues Material auf dem Programm.

Album mit Freunden nach 20 Jahren im Keller

Klassische Musik bildet deutlich den Kitt, der das gesamte Album „Études for Piano, Sampler, Orchestra and Friends“ zusammenhält. Leitfigur ist dabei das titelgebende Klavier. Zugleich geht Jimek als Gastgeber auf jede der zwölf beteiligten Stimmen einzeln ein und versucht herauszufinden, was sie brauchen. In Bedoes 2115s „Étude Nr. 3“ tritt zum Beispiel eine Gitarre in den Vordergrund.

„Wenn man 20 Jahre allein im Keller vor dem Computer sitzt, will man irgendwann auch einen anderen Menschen treffen und erleben, welche kreativen Entscheidungen in Gesellschaft eines anderen entstehen“, sagt Jimek zu Euronews. „Also habe ich genau danach gesucht: nach einer Situation mit einer anderen Person, die unseren Entscheidungsprozess von Anfang an verändert, nur um zu sehen, wohin sie diese Tracks führt.“

Polnischer Hip-Hop und die Kraft der Sprache

Jimek macht keinen Hehl daraus, dass er zwei musikalische Lieben hat: Klassik und Hip-Hop. Besonders die polnische Variante, die für ihn zu den besten in Europa zählt.

„Das ist völlig subjektiv, und ich werde mich nicht einmal dafür entschuldigen. Polnischer Hip-Hop gehört zu den besten in Europa. Er ist musikalisch sehr stark. Das hat auch mit den Samples zu tun – mit der Tatsache, dass er aus alten polnischen Platten gewachsen ist, aus polnischem Jazz, polnischer Filmmusik, polnischer Pop- und Unterhaltungsmusik, manchmal sogar elektronischer Musik“, zählt er auf.

„Vielleicht ist es Zufall, vielleicht liegt es daran, dass unsere Eltern gute Musik gehört haben. Im Kommunismus war Jazz die Sprache der Freiheit. Dieser polnische Hip-Hop hat nie versucht, amerikanisch zu sein, nie, etwas anderes zu sein. Er war von Anfang an polnisch – so echt und ehrlich, wie ein wirklich authentischer Mensch gar nicht merkt, dass er echt und ehrlich ist. Und das lernt man erst im Rückblick zu schätzen: diese Introvertiertheit, die Probleme, die darin vorkamen, diese Texte“, sagt er im Gespräch mit Euronews.

„Ich übersetze oft polnische Texte – aus polnischen Songs – für Freundinnen und Freunde im Ausland. Und sie sind zutiefst überrascht, wie gut das klingt, wie viel Inhalt darin steckt, auch philosophisch, welche schweren Themen auftauchen und dass es einfach etwas anderes ist. Das ist auch die Kraft einer Sprache mit sieben Fällen.“

Radzimir Dębski und Aleksandra Gałka-Reczko im Hotel Polonia Palace.
Radzimir Dębski und Aleksandra Gałka-Reczko im Hotel Polonia Palace. Paweł Głogowski

Études gegen KI

Die titelgebenden Klavieretüden sind kein Zufall.

„Das Klavier hat mir in den Jahren des vielen Unterwegsseins wirklich gefehlt. Irgendwann konnte ich mir für längere Zeit wieder eines hinstellen. Es war wie eine Rückkehr zum Üben – und gleichzeitig kamen Erinnerungen daran hoch, wie ich auf dem Schulweg Hip-Hop gehört habe. Beides passte eigentlich überhaupt nicht zusammen, und doch ist fast jeder Track aus so einer kleinen Miniatur entstanden, die ich auf jeden Fall noch ausschreiben werde. Vielleicht bringen wir sogar ein kleines Heft mit diesen Etüden heraus. Für alle, die auf dem Klavier etwas emotional anderes üben möchten – Hip-Hop fürs Klavier.“

Die Platte ist roh, ungeschliffen. Man hört viel Hin und Her zwischen den Beteiligten – Kommentare, Diskussionen, Pfeifen, spontanen Austausch.

„Unsere Zeit ist extrem glattpoliert. Absolut. Diese Platte ist ein Protest dagegen. Insofern ist sie eine Reaktion, eine Art Auflehnung. Vor ein paar Jahren wäre ich damit vielleicht nicht so weit gegangen.“

Diese „Rohheit“ ist für Jimek auch eine Verbeugung vor klassischen Hip-Hop-Skits.

„Skits waren früher diese kleinen Zwischenspiele zwischen den Tracks, die – bevor es Streaming und Klickzahlen gab – die Atmosphäre eines Albums ausgemacht haben. Man hörte eine ganze LP, und dazwischen liefen Gespräche im Laden, im Auto, im Studio – das ganze Backstage-Leben. Für mich ist dieses Backstage des Klaviers, des Studio-Prozesses, genau so ein Skit – und oft passiert es direkt innerhalb eines Tracks.“

„Früher war Rap vielleicht eine Art Männersport, aber heute ist Männlichkeit, ein Mann zu sein, ein Thema, das es sich zu erkunden lohnt“, sagt Radzimir „Jimek“ Dębski im Gespräch mit Euronews im Hotel Polonia Palace.
„Früher war Rap vielleicht eine Art Männersport, aber heute ist Männlichkeit, ein Mann zu sein, ein Thema, das es sich zu erkunden lohnt“, sagt Radzimir „Jimek“ Dębski im Gespräch mit Euronews im Hotel Polonia Palace. Paweł Głogowski

Männlichkeit, Mannsein, Sensibilität

Auf dem Album sind keine Rapperinnen zu hören. Alle zwölf geladenen Artists sind Männer. Jimek sagt dazu gegenüber Euronews:

„Das hat sich einfach so ergeben. Irgendwann ist es mir aufgefallen, und ich habe beschlossen, es nicht zu ändern – im Gegenteil, es als Stärke zu nutzen. Dass sich Rap wandelt, ist auch ein großes Thema für uns. Es taucht in den Texten auf. Früher war das vielleicht so eine Art Männersport, aber heute ist Männlichkeit, ein Mann zu sein, ein Thema, das es sich zu erforschen lohnt. Was heißt das überhaupt? Wir gehen sehr unterschiedlich damit um. Diese Sensibilität... wie zeigt man sie? Das ist für einen Mann ein Dilemma. Vielleicht läuft in meiner Generation ein innerer Dialog: Was für ein Mann soll ich sein, wer will ich werden, was braucht die Welt? Noch vor Kurzem galt traditionelle Männlichkeit als überholt. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir vielleicht wieder merken, dass sie auch gebraucht wird.“

Das Interview fand im Hotel Polonia Palace in Warschau statt.

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