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Blumen, Profit und Frauenrechte: Die Geschichte des Muttertags

Vom Muttertag profitieren vor allem Blumenläden.
Vom Muttertag profitieren vor allem Blumenläden. Copyright  Photo by Suhyeon Choi on Unsplash
Copyright Photo by Suhyeon Choi on Unsplash
Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Der Muttertag zählt für Handel und Floristen zu den wichtigsten Tagen des Jahres. Doch der Feiertag ist mehr als Blumen und Pralinen: Seine Geschichte ist geprägt von Kommerz, politischer Vereinnahmung und der bis heute aktuellen Frage, was Mütter wirklich brauchen.

Blumenläden dürfen sich am Wochenende auf ein gutes Geschäft freuen. Zum Muttertag 2026 erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) zusätzliche Ausgaben der Verbraucher von etwas mehr als 1 Milliarde Euro. Besonders gefragt ist dabei laut einer aktuellen Umfrage der Klassiker: Ein Strauß Blumen. Danach folgen im Ranking Lebensmittel-Geschenke und Kosmetik sowie Parfum. Dabei erzählt der Muttertag eine Geschichte, die weit über Blumen und andere Gesten hinausreicht.

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Von der Antike bis Amerika: Wie der Muttertag entstand

Der Brauch, Mütter besonders zu ehren, reicht weit zurück. Bereits 250 Jahre vor Christus feierten die alten Griechen und Römer Feste zu Ehren ihrer Göttinnen - ein früher Vorläufer des heutigen Muttertags. Im England des Mittelalters wiederum stand am sogenannten "Mothering Sunday" nicht die leibliche Mutter im Mittelpunkt, sondern die Mutterkirche.

Den modernen Muttertag in seiner heutigen Form prägte erst die amerikanische Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. 1865 rief Ann Maria Reeves Jarvis in den USA die sogenannte Mothers' Friendship Day-Bewegung ins Leben, um nach dem Bürgerkrieg Versöhnung zu fördern. Ihre Tochter Anna Jarvis setzte nach dem Tod der Mutter im Mai 1905 die Idee fort und kämpfte hartnäckig dafür, dass der Tag offiziell anerkannt wurde. 1914 erklärte der US-Kongress den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Muttertag.

Deutschland: Instrumentalisierung in der NS-Zeit

Nach Deutschland kam der Muttertag nicht durch eine Frauenbewegung, sondern durch den Handel: Der Verband Deutscher Floristen führte ihn ein, als willkommene Gelegenheit, das Frühjahrsgeschäft anzukurbeln. Der erste offizielle Muttertag in Deutschland wurde am 13. Mai 1923 begangen.

Er gehört allerdings auch zu einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte: In der NS-Zeit vereinnahmten die Nationalsozialisten den Feiertag für ihre Propaganda. Mütter, die viele Kinder zur Welt brachten, wurden mit dem sogenannten Mutterkreuz ausgezeichnet - Mutterschaft wurde zum Dienst am Volk ideologisiert. Diese Vergangenheit lastet bis heute auf dem Feiertag. Der Muttertag in Deutschland ist gesetzlich nicht verankert; sein Datum basiert auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden, wie die Bergische Universität Wuppertal erläutert.

Ironischerweise wandte sich die Erfinderin selbst gegen den Feiertag, den sie ins Rollen gebracht hatte. "Ich wollte, dass es ein Tag des Nachdenkens ist und nicht des Profits", soll Anna Jarvis gesagt haben, die selbst nie Kinder hatte. Sie gab den Blumenhändlern die Schuld daran, ihre Idee in eine kommerzielle Veranstaltung verwandelt zu haben.

Für Floristen ist der Muttertag einer der wichtigsten Tage des Jahres: Die Umsätze steigen dabei oft um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für Floristen ist der Muttertag einer der wichtigsten Tage des Jahres: Die Umsätze steigen dabei oft um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

Nicht überall am zweiten Sonntag im Mai

Während Deutschland, Österreich, die Schweiz und viele weitere Länder den zweiten Sonntag im Mai feiern, folgen andere Nationen ganz eigenen Traditionen. In Großbritannien ist der Muttertag auf den Laetare-Sonntag im März gelegt - einen religiösen Termin in der Fastenzeit. Norwegen feiert am zweiten Sonntag im Februar, während Russland den Frauentag am 8. März als kombinierten Ehrentag für Frauen und Mütter begeht. In einigen islamisch geprägten Ländern wiederum fällt der Muttertag auf den 21. März. Der Tag markiert gleichzeitig den Frühlingsbeginn.

Die Schweizer Konditoren, Bäcker und Floristen schauten sich den deutschen Brauch im frühen 20. Jahrhundert schlicht ab: Sie übernahmen das Datum, den zweiten Sonntag im Mai, und importierten das Fest in ihr Land.

Gleichstellung statt Blumen?

Anlässlich des diesjährigen Muttertags setzt UN Women Deutschland ein anderes Zeichen. Die Organisation nutzt den Feiertag als feministischen Aktionstag und fragt unter dem Hashtag #Muttertagswunsch: Was wünschen sich Frauen wirklich - über Blumen und Pralinen hinaus? Die Antworten fallen demnach eindeutig aus.

Laut UN Women Deutschland fordern viele Frauen vor allem echte Gleichstellung: "Die Bedürfnisse und Interessen von Müttern müssen in allen politischen Entscheidungen berücksichtigt werden", so die stellvertretende Vorsitzende von UN Women Deutschland, Dr. Ursula Sautter.

Der Hintergrund ist ernüchternd: Frauen verdienen in Deutschland rund 16 Prozent weniger als Männer und leisten im Schnitt deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) verbrachten Frauen im Jahr 2022 durchschnittlich rund 30 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit - Männer dagegen nur etwa 21 Stunden.

Der sogenannte Gender Care Gap misst, um wie viel mehr Zeit Frauen im Vergleich zu Männern täglich für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden, also etwa für Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen oder Hausarbeit: Laut Bundesfamilienministerium sind es im Schnitt 43,4 Prozent mehr Zeit pro Tag als Männer investieren.

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