Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Russische Bankangestellte und Geldboten sollen ukrainische Drohnen abschießen

Die Zentrale der Sberbank in Moskau, Russland. 29. Juli 2014
Hauptsitz der Sberbank in Moskau, Russland. 29. Juli 2014 Copyright  AP PhotAP Photo/Ivan Sekretarev, Fileo
Copyright AP PhotAP Photo/Ivan Sekretarev, Fileo
Von Lilia Sergejewa mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Mitarbeiter russischer Banken, Geldtransporte und spezielle Kommunikationsdienste dürfen ab sofort aktiv gegen Drohnen vorgehen. Seit Beginn des Krieges gelten Bankeinrichtungen jedoch nicht als Hauptziel ukrainischer Drohnenangriffe.

Angestellte russischer Banken und ihrer Filialen können sich nach einem ehrgeizigen, von der Staatsduma gebilligten Plan künftig an der Abwehr ukrainischer Drohnen beteiligen.

WERBUNG
WERBUNG

Dem Gesetzentwurf zufolge, den die Abgeordneten am Dienstag in dritter und letzter Lesung verabschiedeten, müssen die Banken die Kosten für die Installation von Systemen zur elektronischen Störung auf ihren Standorten tragen. Ausgewählte Beschäftigte sollen zudem die Befugnis erhalten, herannahende Drohnen abzuschießen.

Bankangestellte dürfen Steuerungssignale von Drohnen stören oder abfangen. Sie können außerdem unbemannte Luft-, Unterwasser- und Bodenfahrzeuge beschädigen oder zerstören, die ihre Einrichtungen bedrohen – ohne auf ein Eingreifen staatlicher Sicherheitsdienste zu warten.

Bislang verfügten nur paramilitärische Strukturen wie die Nationalgarde Rosgwardija über vergleichbare rechtliche Befugnisse.

Weil es fast in jeder Stadt Banken gibt, könnte ihre Einbindung in die Luftverteidigung Russlands die Abwehr gegen Drohnen deutlich ausweiten.

Ukrainische Soldaten der Brigade „Chartyja“ starten eine Drohne auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Oblast Charkiw, Ukraine, Mittwoch, 20. Mai 2026.
Ukrainische Soldaten der Brigade „Chartyja“ starten eine Drohne auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Oblast Charkiw, Ukraine, Mittwoch, 20. Mai 2026. AP Photo

Nach Angaben der Initiatoren soll das Gesetz transportierte Wertgegenstände, Edelmetalle und Geheimunterlagen schützen – also jenes Kernvermögen, das die finanzielle Stabilität des Landes trägt.

Der Gesetzentwurf, der nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax im August vergangenen Jahres erstmals eingebracht und später erweitert wurde, muss vor seinem Inkrafttreten noch von der oberen Kammer des Föderationsrates gebilligt und von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet werden.

Die ursprüngliche Fassung des Gesetzes betraf ausschließlich Strukturen der russischen Zentralbank und des Bargeldlogistikers Rosinkas. Die Endfassung bezieht nun auch Beschäftigte der staatlich dominierten Sberbank sowie der föderalen Behörde „Hauptzentrum für besondere Kommunikation“ in den Sicherheitsrahmen ein.

Russlands Drohnenabwehr stößt an Grenzen

Russland hat Mühe, sein riesiges Staatsgebiet gegen immer zahlreichere Angriffe immer leistungsfähiger ukrainischer Langstreckendrohnen zu schützen. Nach Einschätzung westlicher Analysten und Regierungsvertreter binden kleinere Drohnen zusätzlich russische Truppen entlang der 1250 Kilometer langen Front und stören die Nachschublinien der Armee.

Thomas Withington, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Royal United Services Institute in London, sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, die ukrainischen Drohnenangriffe würden immer wagemutiger, zielten auf Objekte tief im Inneren Russlands und fügten politischen wie wirtschaftlichen Schaden zu.

„Aus russischer Sicht werden diese Angriffe nur noch zunehmen“, sagte Withington.

Die neuen Maßnahmen könnten nach seinen Worten ein Hinweis darauf sein, dass „Russlands Fähigkeiten zur militärischen Drohnenabwehr versagen“.

„Wenn diese Systeme funktionieren würden, müsste man all das nicht tun, man hätte eine gute Abdeckung um bestimmte Städte oder in Gebieten, in denen Drohnenangriffe stattfinden könnten, und kritische nationale Infrastruktur, private Unternehmen oder andere Organisationen in diesen Regionen müssten nicht selbst für ihren Schutz vor Drohnen verantwortlich sein“.

Mit der wachsenden Intensität und dem größeren Umfang der ukrainischen Drohnenangriffe rufen die russischen Behörden Unternehmen dazu auf, sich an Schutzmaßnahmen gegen Luftangriffe zu beteiligen.

Russische Banken gehörten in den mehr als vier Jahren seit Beginn des Krieges nicht zu den Hauptzielen ukrainischer Drohnen.

Wegen der fehlenden Details im Gesetzentwurf ist unklar, wie das Vorhaben praktisch funktionieren soll. Die flächendeckende Installation der Technik und die Schulung des Personals würden einen enormen organisatorischen Aufwand bedeuten.

Die Staatsführung versucht normalerweise, die Bevölkerung von den Folgen des Krieges fernzuhalten. Der Plan könnte diese Strategie unterlaufen, weil er Bürger einbindet und die Auswirkungen des Einmarschs sichtbarer macht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Putins Suche nach Soldaten: Russland lockt Frontkämpfer mit Schuldenerlass

Putin-Besuch in China: Verzweifelte Russinnen haben Bitte an Xi Jinping

Putin will Gerhard Schröder als Vermittler für Ukraine: Merz-Regierung lehnt ab, SPD überlegt