Eine im Netz kursierende Karte soll angeblich zeigen, dass sich das Hantavirus in Europa rasant ausbreitet. Der Urheber der Karte betont, sie bilde lediglich Medienberichte ab.
Eine Karte macht derzeit online die Runde. Sie wird genutzt, um fälschlich zu behaupten, dass sich der Andes-Stamm des Hantavirus rasant in Europa und Nordamerika ausbreitet.
Die gezeigten Bilder sind Screenshots einer Karte von HantavirusMap.com (Quelle auf Englisch). Sie verbreiteten sich auf X und TikTok, nachdem es zu einem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius gekommen war.
Nutzer sozialer Medien behaupten, die roten und orangefarbenen Markierungen auf der Karte zeigten bestätigte Hantavirus-Fälle weltweit, vor allem in Europa und Nordamerika.
Das ist jedoch irreführend. Die Screenshots der Website zeigen keine neuen Hantavirus-Fälle, sondern fassen Meldungen aus Nachrichten und Hinweise aus der Öffentlichkeit weltweit zusammen.
Ein Beispiel ist Spanien: Wenn man mit der Maus über das Land fährt, zeigt die Karte eine rote Warnung mit der Zahl 18.
Viele interpretierten das so, als gäbe es dort 18 Hantavirus-Fälle. Tatsächlich gibt es in Spanien derzeit zwei bestätigte Hantavirus-Infektionen, die mit dem Ausbruch auf der MV Hondius in Verbindung stehen.
Beim zweiten Fall handelte es sich um eine Person, die sich aus Vorsicht in Quarantäne befand und engen Kontakt zu jemandem hatte, der dem ursprünglichen Ausbruch zugerechnet wird, teilte das spanische Gesundheitsministerium mit. Es betonte, die "Risikobewertung" für die Allgemeinbevölkerung bleibe unverändert.
Auf der Website selbst steht ein Hinweis, dass die Karte "News-Signale, keine bestätigten Fälle" zeige. Darunter folgt ein WHO-Update zu den tatsächlich bestätigten Fallzahlen.
Der Entwickler der Seite, Bas Witkop, sagte The Cube, dem Faktencheck-Team von Euronews, er habe das Werkzeug gebaut, um öffentliche Berichte und offizielle Mitteilungen zu bündeln – nicht, um bestätigte Infektionen zu verfolgen.
Er erklärte, einige Menschen hätten Screenshots der Karte gemacht und mit Off-Kommentaren versehen, in denen sie behaupteten, die Karte zeige bestätigte Infektionen. So wirke die Lage deutlich dramatischer, als sie es in Wirklichkeit ist.
Witkop hat daraufhin deutlicher formulierte Warnhinweise und strengere Kriterien für die Einstufung hinzugefügt, nachdem er gesehen hatte, wie Nutzende die Karte im Netz missverstanden.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) teilte in seinem Update vom 26. Mai mit, dass insgesamt 13 Fälle des Virus gemeldet wurden, darunter 11 bestätigte und zwei wahrscheinliche.
Gesundheitsbehörden rechnen mit weiteren Fällen, denn der Andes-Hantavirus hat eine lange Inkubationszeit.
Die Behörde fügte hinzu, das Risiko für die breite Bevölkerung in der EU und im EWR "bleibt sehr gering".
Die meisten Hantaviren verbreiten sich durch Kontakt zwischen infizierten Nagetieren und Menschen. Die Andes-Variante kann zwar auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, doch Gesundheitsbehörden betonen, dass dafür ein enger und länger andauernder Kontakt mit einer erkrankten Person nötig ist.
Der Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius hat eine Welle von Fehlinformationen zur Gesundheit im Internet ausgelöst.
Die WHO warnt seit Längerem, dass sich Desinformation in Gesundheitskrisen rasant ausbreiten kann und so eine von ihr so bezeichnete "Infodemie" (Quelle auf Englisch) erzeugt – eine Informationsflut, die es Menschen erschwert, verlässliche Hinweise zu den tatsächlichen Gesundheitsrisiken zu finden.
Forscher sagen, der Ausbruch habe viele der gleichen Desinformationsmuster im Netz neu entfacht, die sich schon während der COVID-19-Pandemie verbreiteten.