In sozialen Netzwerken kursieren massenhaft Verschwörungstheorien und Fake News zum Hantavirus. Auch alte Corona-Mythen tauchen wieder auf, und es gibt seltsame Schuldzuweisungen.
Im Netz kursieren derzeit zahlreiche Fake News über das Hantavirus. Sie reichen von Verschwörungserzählungen, der Begriff „Hantavirus“ stamme aus Israel, bis hin zu der Behauptung, Pharmakonzerne hätten den Erreger erschaffen, um mit Impfstoffen ihre Profite in die Höhe zu treiben.
Der Ausbruch des Hantavirus ereignete sich an Bord des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius. Das Schiff war am 1. April 2026 in Argentinien gestartet und legte am 10. Mai 2026 auf der kanarischen Insel Teneriffa an.
An Bord der MV Hondius erkrankten elf Menschen, bei mindestens neun Personen haben Behörden eine Infektion bestätigt. Drei Passagiere der Kreuzfahrt verstarben, darunter ein niederländisches Ehepaar. Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass sich der Ehemann als erster während eines Aufenthalts in Südamerika mit dem Virus angesteckt hatte.
Menschen infizieren sich mit Hantaviren in der Regel, wenn sie mit Ausscheidungen von infizierten Nagetieren in Berührung kommen – mit Kot, Urin oder Speichel. Anschließend könnten sie das Virus auch weitergeben.
Entwurmungsmittel Ivermectin ist kein Medikament gegen Hantaviren
In den sozialen Medien verbreiten Nutzer irreführende Aussagen. Sie behaupten, das Entwurmungsmittel Ivermectin – das schon zu Unrecht als Wundermedizin gegen COVID-19 gehandelt wurde – eigne sich zur Behandlung von Hantavirus-Erkrankungen.
Zu denen, die solche Behauptungen teilen, gehört die US-Politikerin Marjorie Taylor Greene. Die republikanische Abgeordnete und frühere Trump-Vertraute ist dafür bekannt, Verschwörungstheorien zu verbreiten.
Während der Coronavirus-Pandemie hatte auch Österreichs FPÖ-Chef Herbert Kickl für Ivermectin plädiert.
Für einen Einsatz von Ivermectin als Heilmittel gegen Hantaviren gibt es jedoch keinerlei wissenschaftlichen Belege – ebenso wenig wie bei Corona. Das bestätigte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auf Nachfrage von Euronews.
"Der EMA liegen keine Hinweise vor, dass Ivermectin, das zur Behandlung parasitärer Infektionen eingesetzt wird, gegen Hantaviren wirksam ist", teilte die Behörde mit.
"Tatsächlich sind derzeit weder antivirale Mittel noch Impfstoffe gegen das Hantavirus zugelassen. Die Behandlung beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen und einen möglichst frühen Zugang zu Intensivmedizin."
Moderna hat Ausbruch nicht inszeniert
Parallel dazu sehen Nutzer es als verdächtig, dass der US-Pharmakonzern Moderna einen Impfstoff gegen das Hantavirus entwickelt.
"Seltsam ist auch: Moderna arbeitet seit einem Jahr an einem Hantavirus-Impfstoff – als hätten sie gewusst, dass ein Virus ausgerollt wird“, schrieb ein Nutzer auf X. Sein Beitrag wurde bereits tausendfach angeklickt.
Sie deuten dies als Beleg dafür, dass das Unternehmen den aktuellen Ausbruch mitgeplant habe – ganz ähnlich wie frühere Verschwörungsmythen aus der Zeit der Corona-Pandemie.
"Ihr werdet nie erraten, wer an einem mRNA-Hantavirus-Impfstoff arbeitet …“, hieß es in einem weiteren Beitrag auf X, der mehr als vier Millionen Aufrufe verzeichnet.
Dem Post war ein Screenshot eines Artikels vom Juli 2024 beigefügt. Darin geht es um eine Kooperation zwischen Moderna und einer südkoreanischen Universität zur Entwicklung eines Hantavirus-Impfstoffs.
Doch das ist kein ungewöhnlicher Vorgang, sondern Teil der üblichen Vorbereitung im öffentlichen Gesundheitswesen.
"Dass Moderna frühzeitig an Hantavirus-Impfstoffen arbeitet, zeigt, dass dieses Virus seit Jahrzehnten als gut beschriebene Bedrohung gilt“, sagte Amesh Adalja, Senior Scholar am Johns Hopkins Center for Health Security, im Gespräch mit Euronews.
Tatsächlich ist es in der Branche üblich, dass Firmen wie Moderna Impfstoffe gegen Erreger entwickeln, die seit Jahrzehnten bekannt sind – darunter auch Hantaviren.
Die Kooperation zwischen dem Vaccine Innovation Center der Korea University und Moderna befindet sich allerdings noch in der vorklinischen Phase. Studien mit Menschen sind also noch nicht absehbar.
Hebräischer Ursprung des Wortes "Hantavirus"?
Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Netzwerken bitten Grok, den KI-Chatbot von X, zu erklären, was das Wort „hanta“ (oder „chantah“) auf Hebräisch bedeute. Manche Beiträge mit der Frage „Hey @grok, what does ‘Hanta’ mean in Hebrew?“ wurden bereits millionenfach aufgerufen.
Grok antwortete zunächst, „hanta“ bedeute auf Hebräisch „Betrug, Schwindel, Unsinn, Lüge oder etwas Falsches“. Später korrigierte der Bot sich jedoch und erklärte, das gesuchte Wort sei in Wirklichkeit „khartah“ (oder „chartah“, חרטה).
Dieser Ausdruck ist hebräischer Slang und stammt ursprünglich aus dem Arabischen.
Beiträge, die behaupten, das hebräische Wort für "Fake“ falle mit „hanta“ zusammen, dienen als vermeintlicher Beleg für Verschwörungstheorien. Entweder geben sie Israel die Schuld am Ausbruch oder erklären das Virus gleich ganz zur Inszenierung.
"Zieht eure eigenen Schlüsse, ob die Behauptung, das Hantavirus sei ein zionistischer Schwindel, Hantasemitismus ist oder nicht“, meldete ein Account.
Mit all dem hat der Name Hantavirus jedoch nichts zu tun.
Forschende verweisen stattdessen auf eine Erkrankung, die in den fünfziger Jahren während des Koreakriegs unter Soldaten auftrat. Sie wurde damals "koreanisches hämorrhagisches Fieber" genannt.
Zwei Jahrzehnte später, in den 70er Jahren, entdeckten Wissenschaftler ein Virus in Feldmäusen, die in der Nähe des Flusses Hantan lebten. Daraus entstand der Name "Hantaan-Virus". Als Forschende später weitere verwandte Viren fanden, fassten sie diese unter dem Begriff "Hantaviren" zusammen.