Arcadia entsteht gemeinsam mit französischen Firmen und gilt als europäische Antwort auf Maven, das von Palantir entwickelte NATO-KI-System zur Einsatzführung.
Frankreich will ab Montag bei einer NATO-Übung erstmals ein eigenes, von künstlicher Intelligenz gesteuertes Gefechtsführungssystem erproben, wie Defense News (Quelle auf Englisch) meldet. Solche KI-Systeme sollen Entscheidungen auf dem Gefechtsfeld optimieren und Ziele schneller identifizieren.
Das System mit dem Namen Arcadia entsteht gemeinsam mit französischen Firmen und gilt als europäische Alternative zu Maven, einer von der NATO genutzten KI-Plattform des US-Rüstungstechnologieunternehmens Palantir.
Europäische Souveränität bei Rüstungstechnologie
Arcadia kommt nach Angaben von General Patrick Justel, Vize-Generalstabschef des französischen Heeres, bei der NATO-Übung Coalition Warrior Interoperability Exercise in Polen vom achten bis sechsundzwanzigsten Juni zum Einsatz.
An der Entwicklung von Arcadia sind unter anderem die französischen Firmen Mistral AI, Safran, Thales und Airbus beteiligt.
Arcadia steht für eine breitere Initiative in Paris, Europas technologische Souveränität im Verteidigungsbereich zu stärken.
Die NATO nutzt das Maven Smart System, das aus dem Pentagon-Projekt Project Maven hervorgegangen ist, seit 2025. Die Plattform verarbeitet große Mengen Gefechtsdaten und soll so zu schnelleren Entscheidungen und einer präziseren Zielaufklärung beitragen. Französische Regierungsvertreter warnen jedoch davor, sich von nicht-europäischen Systemen abhängig zu machen.
„Arcadia ist unsere Antwort auf Maven“, sagte Justel am Donnerstag bei einem Pressebriefing, auf das sich Defense News beruft. „Die Frage ist, ob wir Maven einfach übernehmen oder ob wir nach eigenen Lösungen suchen.“
Europa distanziert sich von Palantir
Europäische Regierungen prüfen ihre Vereinbarungen mit Palantir zunehmend kritisch. Das Unternehmen steht unter anderem wegen seines Einsatzes in Militäroperationen, zur Massenüberwachung und in der Migrationspolitik in der Kritik.
Derk Boswijk, der niederländische Staatssekretär für Verteidigung, erklärte in der Zweiten Kammer des Parlaments in dieser Woche, dass innerhalb von zwei Jahren eine „vollwertige Alternative“ zu Palantir zur Verfügung stehen müsse.
Die niederländische Regierung verfolgt nach eigenen Angaben eine „Zweigleisstrategie“, um die Abhängigkeit von dem Unternehmen zu verringern. Sie wolle so bald wie möglich eigenständig handlungsfähig sein und eine europäische Alternative finden.
Deutschland will laut Reuters für entsprechende Projekte keine US-Unternehmen mehr beauftragen, auch Palantir nicht.
„So sehr wir an der Funktionalität für unsere eigene Datenbank interessiert sind, es ist derzeit schlicht unvorstellbar, Mitarbeitern privater Firmen Zugriff auf die nationale Datenbank zu geben“, sagte Thomas Daum, Leiter der deutschen Cyberabwehr, dem Bericht zufolge in dieser Woche (Quelle auf Englisch).
Interoperabilität in der NATO
Frankreich hat Arcadia bereits bei Übungen in Rumänien und im eigenen Land getestet. Nach französischen Angaben erfüllt das System die Anforderungen des NATO-Rahmens Federated Mission Networking (FMN), der die Interoperabilität verbündeter Streitkräfte sichern soll.
Palantir betont zwar, das eigene System orientiere sich an den FMN-Grundsätzen und strebe eine vollständige Zertifizierung an. Dennoch wächst das Interesse an einer in Europa entwickelten Alternative.
„Im Gespräch mit unseren europäischen Partnern hören wir immer wieder: Wir setzen derzeit auf Maven, weil es nichts anderes gibt. Wenn Europa aber eine Alternative aufbaut, wechseln wir“, sagte Justel.
Dänemark sucht dem Vernehmen nach bereits nach lokalen Lösungen, um einen siebenjährigen Vertrag mit Palantir zu ersetzen.
Dezentrales System soll robuster sein
Arcadia ist als dezentrales System konzipiert. Es vernetzt Gefechtsstände und serverbasierte Systeme im Feld in einem vermaschten Netz. Maven setzt dagegen auf eine deutlich zentralere Architektur.
Nach Einschätzung französischer Offizieller erhöht der dezentrale Ansatz die Widerstandskraft. Teile des Netzes können ausfallen oder gestört sein, der Betrieb soll trotzdem weiterlaufen.