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Nächste Hitzewelle im Anmarsch: So halten Südeuropäer ihre Wohnungen ohne Klimaanlage kühl

Bei einer Hitzewelle hilft es, sich im Schatten aufzuhalten oder mittags ein Nickerchen zu machen.
Wer sich im Schatten ausruht oder mittags ein Nickerchen macht, kommt mit einer Hitzewelle besser klar. Copyright  Michael Discenza via Unsplash
Copyright Michael Discenza via Unsplash
Von Ruth Wright
Zuerst veröffentlicht am
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Von Großbritannien nach Sizilien: So bleibt die Wohnung in der Hitzewelle ohne Klimaanlage kühl

Schlafmangel. Kaum Antrieb. Gereizte Stimmung. Wer während der rekordverdächtigen Mai-Hitzewelle drinnen arbeiten oder mit kleinen Kindern zu Hause bleiben musste, weiß genau, wovon ich spreche.

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Im Norden Europas, wo die Hitzewelle zuschlug, sind Häuser darauf ausgelegt, Wärme zu speichern, nicht sie abzugeben. Deshalb verwandelten sich viele Wohnungen in regelrechte Backöfen, als die Temperaturen mancherorts über 30 Grad stiegen – mehr als zehn Grad über dem Durchschnitt für den Mai.

In einem Bericht des britischen Climate Change Committee, der Anfang desselben Monats erschien, empfehlen die Expertinnen und Experten, in allen Pflegeheimen und Krankenhäusern innerhalb der nächsten zehn Jahre Klimaanlagen einzubauen und in allen Schulen innerhalb der nächsten 25 Jahre. Manche Menschen – etwa chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung oder Hochbetagte – brauchen die schnelle Abkühlung, die eine Klimaanlage bringt. Für die meisten gesunden Menschen reichen jedoch andere Lösungen völlig aus.

Es gibt viele Gründe, auf Klimaanlagen zu verzichten. In einem durchschnittlichen Haushalt im Vereinigten Königreich kostet die Installation rund 2.500 Pfund (2.895 Euro) pro Zimmer – ein horrender Betrag für Durchschnittsverdienende und für Geringverdienende völlig unerschwinglich. Auch die Klimafolgen sind enorm. Klimaanlagen verbrauchen mehr Strom als jedes andere Haushaltsgerät. Zusammen mit Ventilatoren verschlingen sie rund zehn Prozent des weltweiten Stroms und lassen zudem starke klimaschädliche Gase entweichen. An den heißesten Tagen des Jahres entfallen in manchen Regionen der USA und des Nahen Ostens bis zu 70 Prozent der Spitzenlast im Haushaltsstrom auf das Kühlen von Wohnräumen.

Spanien hat ein dichtes Netz von Hitzeschutzräumen aufgebaut – frei zugängliche öffentliche Orte wie Bibliotheken oder Museen, an die jede und jeder gehen kann, um sich abzukühlen, sich hinzusetzen und ein Glas Wasser zu trinken. Der Rest Europas holt bei der Organisation solcher kühlen Zufluchtsorte erst langsam auf. Umso sinnvoller ist es, darüber nachzudenken, wie die eigene Wohnung an heißen Tagen und Nächten angenehm bleibt.

In vielen sizilianischen Wohnungen fehlt eine Klimaanlage

Vor sechs Jahren bin ich von Großbritannien nach Sizilien gezogen, einen der Europa-Regionen, die Afrika am nächsten liegen. Mich erstaunte, wie viele Wohnungen hier ohne Klimaanlage auskommen. Erst als ich die einfachen Prinzipien kannte, mit denen man ein Haus kühl hält, verstand ich das – und merkte, dass oft nicht einmal ein Ventilator nötig ist.

Für meine Freundinnen und Freunde sowie meine Familie in Großbritannien war die jüngste Hitzewelle das Gesprächsthema schlechthin. Hier vor Ort taucht die Hitze im Alltag kaum in Gesprächen auf. Sie gilt einfach als Tatsache, mit der man lebt – und für die es seit Generationen erprobte Strategien gibt.

Mit der Hitze umzugehen, gehört hier ganz selbstverständlich zum Leben. Das beginnt beim Hausbau und reicht bis zur Arbeitszeit in einem neuen Job: Man rechnet von Anfang an mit der Hitze und plant den Alltag darum herum.

Auch auf Sizilien war es schon immer heiß. Dennoch zeigt sich hier dasselbe Muster wie anderswo: Hitzewellen treten häufiger auf, sind extremer und dauern länger – Folge der menschengemachten Klimakrise. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist die wirksamste Maßnahme gegen die sich aufschaukelnde Hitze. Wir alle müssen weiter Druck auf unsere Regierungen ausüben, damit sie die Klimakrise zur Priorität machen und konsequent handeln, etwa indem sie Subventionen für fossile Energien streichen.

Blickt man auf den nächsten Sommer, hilft schon etwas Planung: Die nächste Hitzewelle zu Hause lässt sich so deutlich besser aushalten.

Auf Basis eigener Erfahrungen und vieler Tipps von anderen habe ich einige einfache Strategien zusammengestellt, mit denen Sie in einer Hitzewelle angenehm kühl bleiben.

Fenster geschlossen und abgedunkelt halten

Auf den ersten Blick wirkt es unlogisch, die Fenster geschlossen zu halten. Man könnte meinen, dadurch staut sich die Wärme erst recht. Richtig ist es trotzdem – unter einer Bedingung: Die Fenster müssen von außen oder innen, idealerweise von beiden Seiten, abgedeckt sein. So bleibt die Hitze draußen und die Temperatur in der Wohnung sinkt.

Früher fand ich es merkwürdig, dass meine sizilianische Reinigungskraft, Mitte fünfzig, vor dem Gehen alle Vorhänge zuzog. Heute ergibt das vollkommen Sinn. Geschlossene Vorhänge, Rollos oder provisorische Abdeckungen an den Fenstern senken die Temperatur in den Räumen spürbar.

Es gibt sehr günstige Möglichkeiten, Fenster von außen zu beschatten: etwa mit festgeklebter Tapetenvliesbahn, großen Bettlaken, die man in den Fensterrahmen klemmt, oder mit Bambus- und Holzsichtschutz aus dem Gartenmarkt. Wer Bettlaken oder Handtücher nutzt, sollte zu hellen Farben greifen, sie reflektieren mehr Sonnenlicht. Dauerhafter, aber teurer sind Markisen oder fest installierte Beschattungssysteme über den Fenstern sowie außenliegende Fensterläden.

Kleidung und Stoffe anfeuchten

Viele kennen es vom Strand oder Pool: Ein T‑Shirt schützt im Wasser vor der Sonne. Einige nutzen denselben Effekt auch zu Hause – und beschränken sich nicht nur auf T‑Shirts.

Die Autorin und Redakteurin Sally Moss verbringt viele heiße Tage am Schreibtisch und hat einen kostenlosen Trick gefunden, um cool zu bleiben. In einem Gespräch mit der Nachhaltigkeitsexpertin und Autorin Solitaire Townsend (Quelle auf Englisch) erklärte sie, sie befeuchte ein Oberteil, wringe es aus, bis es nur noch feucht sei, und ziehe es dann bei der Arbeit an. Beim Verdunsten kühlt das Wasser die Haut. Laut Sally hält sie dieser Trick „stundenlang richtig kühl, ganz ohne Ventilator“ und „verbessert ihr Leben spürbar“. Das funktioniert auch mit einer feuchten Mütze, einem Tuch oder Bandana um den Hals.

Der Effekt lässt sich noch verstärken. Befeuchten Sie ein Laken oder ein anderes größeres Stück Stoff und hängen Sie es in eine Türöffnung. Strömt die Luft durch den Stoff, kühlt sie den Raum ab.

Siesta: vernünftige Pause statt Faulheit

Spanierinnen und Spanier sind für ihren Mittagsschlaf berühmt – die „Siesta“. Manch eine hält das für Trägheit, tatsächlich ist es äußerst vernünftig. In vielen heißen Ländern ruht das Leben am frühen bis späten Nachmittag: Läden und Betriebe schließen, Erwachsene legen sich wie Kinder und Babys an einem kühlen Ort hin.

Auf Sizilien nimmt man diese Mittagspause sehr ernst. Für mich ist das manchmal mühsam, weil ich in der Mittagspause keine Besorgungen erledigen kann. Doch das System funktioniert. Gegen 16 Uhr kommen die Menschen wieder aus ihren Häusern und beginnen die „zweite Schicht“ des Tages. Sie gehen zurück zur Arbeit und bleiben dort oft bis 19 oder 20 Uhr. Arbeiten, wenn die Sonne nicht mehr brennt, ist deutlich angenehmer, als sich während der größten Hitze mit einem matschigen Kopf zu quälen.

Zusätzlichen Nutzen bringt ein scharfes, schweißtreibendes Mittagessen vor der Siesta. Die aus Indien stammende Managerin Namrata Chowdhary sagt dazu: „Es gibt einen Grund, warum traditionelle Küchen in tropischen Ländern meist mehr ‚Schärfe‘ haben als in gemäßigten Zonen“.

Nach dem Aufwachen hilft eine lauwarme Dusche – sie kühlt den Körper erwiesenermaßen besser ab als eiskaltes Wasser.

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