Im Haus der keuschen Liebenden in Pompeji fanden Archäologen die Überreste eines Pferdes. Der Ort des Fundes wirft Fragen auf.
Bei archäologischen Ausgrabungen des Hauses der keuschen Liebenden in Pompeji haben Forschende ein Pferdeskelett in der Backstube freigelegt.
Die Insula der keuschen Liebenden gehört zu den wichtigsten Ausgrabungsstätten in Pompeji. Dort ist ein ganzer Produktionskomplex erhalten, mit Backofen, Lagerräumen, Arbeitsbereichen und der Wohnung des Besitzers.
Der Komplex trägt seinen Namen nach dem berühmten Fresko „Keuscher Kuss“, das Archäologen in einem Speiseraum des Hauses entdeckt haben. Er umfasst eine große Bäckerei mit angrenzenden Stallungen. Dort fanden Forschende bereits früher weitere Equiden, die Mühlsteine betrieben und Getreide für die Brotherstellung transportierten.
"Der Ort ermöglicht Einblicke in die menschlichen Lebensgeschichten"
„Lange stand Pompeji vor allem für die Schönheit seiner Fresken und für die Möglichkeit, die materielle Kultur der Antike zu studieren“, sagte Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks Pompeji.
„In Wirklichkeit ist es viel mehr: Der Ort ermöglicht Einblicke in die menschlichen Lebensgeschichten, die der Ausbruch jäh beendet hat – wie die jüngste Ausstellung der Opferabdrücke hier in Pompeji zeigt –, aber auch in das Leben der Tiere.“
Nach Angaben der Forschenden könnte die Studie zeigen, wie Tiere auf das Katastrophenereignis reagierten, und so helfen, die Auswirkungen des Ausbruchs auf Pompeji besser zu verstehen. Der Fund unterstreicht den außergewöhnlichen Erhaltungszustand der Stätte und erlaubt Fachleuten, Alltagsleben, Produktionsabläufe und das Zusammenleben von Menschen und Tieren in der antiken Stadt zu rekonstruieren.
Die Freilegung bildete die erste Phase der Untersuchungen, gefolgt von ersten Studien der geborgenen Überreste. Laufende Laboranalysen sollen weitere Einblicke in die Rolle des Tieres innerhalb der Bäckerei und in die Bedingungen liefern, denen es beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. ausgesetzt war.
Den Fund machten Archäologinnen und Archäologen in enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten des Labors für angewandte Forschung, darunter Spezialistinnen und Spezialisten für Archäozoologie, Archäobotanik und Anthropologie, im Rahmen eines interdisziplinären Projekts.