Die Vorhaben stärken Natur-, Gourmet-, Wellness- und Kulturtourismus im portugiesischen Hinterland und lenken Gäste weg von Hotspots wie Lissabon und Porto.
Wer an eine Reise nach Portugal denkt, hat meist Lissabon und Porto vor Augen – oder vielleicht die Algarve weiter südlich. Ein Millionenprogramm soll den Blick nun über diese Klassiker hinauslenken und die touristische Landkarte Portugals neu zeichnen, eine Binnenregion nach der anderen.
Die Regierung finanziert zwölf Tourismusprojekte mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Zusammen mit weiteren Mitteln kommen rund elf Millionen Euro zusammen. Damit soll der Tourismus im Norden und im Zentrum des Landes sowie in Alentejo und Ribatejo, zwei Regionen im Landesinneren, angekurbelt werden.
Das Paket gehört zum größeren Programm „Wachsen mit dem Tourismus“, das im Februar 2025 gestartet ist und über ein Budget von 30 Millionen Euro verfügt.
Die jüngst bewilligten Mittel gehen an öffentliche Stellen, private Unternehmen und Verbände. Im Fokus stehen Schlüsselbereiche wie Natur‑, Gastronomie‑, Aktiv‑, Wellness- und Kulturtourismus.
Die ehrgeizigen Vorhaben setzen außerdem auf neue touristische Angebote. Sie sollen sogenannte „smarte“ Regionen fördern und das historische und kulturelle Erbe beleben, außerdem mehr Nachhaltigkeit und Stadterneuerung vorantreiben.
Die Gelder fließen auch in Qualifizierung, etwa in Schulungen und Fortbildungsprogramme für Beschäftigte der Branche in prekären Situationen.
Bei der Unterzeichnung der Investitionsverträge räumte Wirtschafts- und Kohäsionsminister Castro Almeida ein: Größere Projekte lassen sich oft auch mit weniger staatlicher Unterstützung entwickeln. Daneben gebe es jedoch kleinere Vorhaben, „vor allem in Binnenregionen, die das kulturelle und natürliche Erbe aufwerten und für ausländische Besucher besonders attraktiv und neuartig sind“.
Nach Ansicht Almeidas müssen diese kleineren Tourismusprojekte „gefördert und bekannt gemacht werden“.
Im Jahr 2025 zählte Portugal laut Daten von Turismo de Portugal (Quelle auf Englisch) 32,5 Millionen Gäste, darunter 19,7 Millionen aus dem Ausland.
Die wichtigsten Herkunftsmärkte waren das Vereinigte Königreich und die USA mit 2,5 beziehungsweise 2,4 Millionen Ankünften. Dahinter folgten Spanien, Deutschland und Frankreich, ebenfalls mit Millionenankünften.
Die nationale Tourismusbehörde verweist darauf, dass der Besucheranstieg Einnahmen von 29,1 Milliarden Euro brachte. Zugleich wächst in vielen Gemeinden der Unmut über die enorme Zahl von Gästen in Hotspots wie Lissabon und Porto.
Im vergangenen Jahr beleuchtete die britische Zeitung The Guardian (Quelle auf Englisch) das Thema Overtourism in Portugal und Spanien ausführlich und sprach mit Anwohnerinnen und Anwohnern, deren Viertel inzwischen von Ferienunterkünften dominiert werden.
„Es ist sehr seltsam. Stellen Sie sich vor: Ich habe keine Nachbarn, obwohl ich mitten in einer Großstadt lebe“, sagte ein Einwohner Lissabons, wo immer mehr Wohnungen an Touristinnen und Touristen vermietet werden. Das habe Teile der portugiesischen Hauptstadt in einen „Geisterort“ verwandelt, fügte die Person hinzu.
Almeida blickt deutlich optimistischer auf den Tourismus. Er nannte ihn eine „sehr wichtige Tätigkeit“, die „das Land nach oben zieht“.
Er ergänzte: „In der einen oder anderen Woche des Jahres, oder an dem einen oder anderen Ort im Land, mag es zu viel Tourismus geben. Insgesamt, über das ganze Jahr und das gesamte Staatsgebiet betrachtet, haben wir aber nicht zu viele Touristinnen und Touristen.“