Schwedens Tourismuswerbung verspricht Erholung vom modernen Burn-out: Visit Sweden lockt mit Fika, Lagom, Saunen und eiskalten Badestellen für mehr Wohlbefinden.
Was wäre, wenn Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Reise in ein Land verschreibt, damit es Ihnen besser geht? Dieses skandinavische Land könnte genau das richtige Rezept sein.
Nach Angaben von Visit Sweden macht die besondere Lebensart des Landes, die auf Ausgleich setzt und den einfachen Zugang zu Natur und Kultur bietet, Schweden zum idealen Ort, um Körper und Geist neu auszurichten.
Im Rahmen seiner jüngsten, auf Wohlbefinden ausgerichteten Kampagne bewirbt das Fremdenverkehrsamt das Land sogar als erstes Reiseziel, das Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten „verschreiben“.
Die augenzwinkernde Kampagne „Swedish Prescription (Quelle auf Englisch)“ entstand in Zusammenarbeit mit Medizinerinnen, Medizinern und Forschenden, darunter Yvonne Forsell, Seniorprofessorin am Karolinska Institutet. Sie soll angehende „Patientinnen und Patienten“ unterstützen, die nach Schweden reisen, um das dortige Wellness-Angebot voll auszuschöpfen.
„Wenn mich eine Patientin oder ein Patient nach Möglichkeiten fragt, Stress zu bewältigen oder das eigene Wohlbefinden zu steigern, würde ich ein Rezept für Schweden unterstützen“, sagt Dr. Stacy Beller Stryer, Kinderärztin mit US-Facharztzulassung, Mitarbeiterin der US-Bundesregierung und stellvertretende medizinische Direktorin von Park Rx America, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen Zugang zu naturnahen Gebieten haben und die Natur in den Alltag einbeziehen.
„Der gute Zugang zur Natur und die dazugehörigen kulturellen Praktiken passen genau zu dem, was der psychischen und körperlichen Gesundheit guttut“, ergänzt sie.
Im Lebensqualitätsindex 2025 erhielt Schweden von Global Citizen Solutions 91,5 Punkte – mehr als Finnland oder Deutschland. Der Wert für Glück und Wohlbefinden liegt damit sehr hoch.
Klingt dieses Rezept verlockend, ruft vielleicht bereits Schweden.
„Fika“
Visit Sweden treibt das Rezept-Motiv weiter und warnt Reisende scherzhaft, dass sie in dem skandinavischen Land plötzlich Lust bekommen könnten, wieder wie im neunzehnten Jahrhundert Bücher zu lesen und Fleischbällchen zu essen. Und: „Wenn Sie auf den Geschmack von Hering und Minimalismus kommen, wenden Sie sich umgehend an Ihr Reisebüro.“
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Begegnungen mit „fika“, die schnell zur festen Gewohnheit werden. In Schweden ist das sowohl ein Substantiv als auch ein Verb: Man kann eine Fika machen, auf Schwedisch „ta en fika“, oder auf einen Kaffee „fika gehen“.
Der Begriff geht auf das altschwedische Wort „kaffi“ für Kaffee zurück. Mit der Zeit wurden „fika“ und das dazugehörige „fikabröd“ – das Gebäck – zu einem Moment des Innehaltens, des Kontakts mit anderen und, vor allem, der kleinen Pause zum Aufladen.
Süßes oder herzhaftes Gebäck schlägt kaum jemand aus. Entscheidend für eine gute Fika sind aber gute Gespräche in noch besserer Gesellschaft und wenig Bildschirmzeit.
Sie wollen „fika“ wie die Schweden? Ein Lieblingsort vieler Stockholmerinnen und Stockholmer ist Vete-Katten mit achtzehn Filialen und Konditoreien in und um die Hauptstadt.
Das bereits 1928 gegründete Café serviert Tee, Kaffee, Säfte und Smoothies. Dazu gibt es lokale Favoriten wie klassische „blåbärsbullar“, also Blaubeer-Schnecken, und andere Süßigkeiten wie Törtchen, Brownies und Kuchen.
An ausgewählten Standorten stehen auch warme Gerichte auf der Karte, etwa Gulasch, Pasteten und Ofenkartoffeln mit verschiedenen Belägen.
„Lagom“
Visit Sweden beschreibt „lagom“ als etwas, das sich durch die schwedische Gesellschaft zieht wie Zimt durch ein Hefegebäck. Gemeint ist aber nicht Übermaß, sondern das Gegenteil.
Lagom steht für Ausgewogenheit und lässt sich ungefähr mit „genau richtig“ übersetzen. In Schweden bedeutet das zum Beispiel, bei einer Fika-Runde nur eine Zimtschnecke zu nehmen, damit für alle genug da ist. Oder so lange zusammenzusitzen, dass es schön ist, ohne die halbe Nacht durchzumachen.
Abseits der Fika-Pause heißt das auch, Überarbeitung zu vermeiden, ohne ständig und übermäßig produktiv sein zu müssen.
„Wenn Sie das nächste Mal überlegen, ob Sie noch mehr tun, mehr kaufen oder sich noch stärker anstrengen sollen – denken Sie an den schwedischen Weg. Vielleicht ist ‚lagom‘ wirklich das Beste“, rät das Fremdenverkehrsamt.
Ganz im Sinne von „lagom“ gehören auch Bewegung in Maßen, etwa Wandern, Spazierengehen und Zeit im Freien ganz selbstverständlich zum Tagesrhythmus.
Im Süden Schwedens zieht sich der Skåneleden auf mehr als tausendsechshundert Kilometern durch Küstenwege, Wälder und kleine Ortschaften. Er ist in sieben Teilstrecken gegliedert, sodass Besucherinnen und Besucher die Route wählen können, die am besten zu ihrem Tempo und ihrem Abenteuerdrang passt.
Dampf, Eisbaden, wiederholen
Gegen Burnout setzen viele in Schweden auf ein bewährtes Mittel: die Hitze und Stille der Sauna, gefolgt von einem Sprung ins eiskalte Wasser.
„Das Ritual aus Saunagängen und Kältebädern ist nicht nur ein Zeitvertreib. Es ist ein Grundpfeiler des Wohlbefindens, der ein aufregendes Erlebnis bietet und zahlreiche Gesundheitsvorteile mit sich bringt“, heißt es bei Visit Sweden.
Die Extreme von heiß und kalt regen die Durchblutung an, entspannen die Muskeln und lindern Entzündungen. Sie stärken das Immunsystem, reduzieren Stress und verbessern Schlaf sowie Hautgesundheit, indem sie den Körper von lästigen Schadstoffen befreien – man fühlt sich wie neu.
Zur schwedischen Saunakultur gehören meist Erlebnisse an Seen, inmitten der Natur oder sogar auf dem Wasser. Achtzig Meter unter der Erde, im Adventure Mine in Dalarna, können Besucherinnen und Besucher jedoch saunieren und kalt baden und zugleich in die lokale Sagenwelt eintauchen.
Die etwa dreieinhalbstündige Auszeit knüpft an die Legende von der „Lady of the Mine“ an, die der Überlieferung nach über die Stollen wachte und Bergleute zu verborgenen Schätzen führte.
Neben mehreren Badegängen im kristallklaren Grubenwasser erhalten Gäste alkoholfreie Getränke aus der Region und kleine Häppchen von einer Charcuterie-Platte. Das Paket kostet ab 2.450 SEK (226,97 €) pro Person.