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Mindestlöhne in Europa: Kaufkraft und Lohnniveau 2026

Mindestlöhne in Europa
Europa: Mindestlöhne im Überblick Copyright  Servet Yanatma
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Im Juli 2026 verschieben sich die Mindestlohn-Ranglisten deutlich, wenn man die Kaufkraft in Europa berücksichtigt. Hohe Inflation belastet Mindestverdiener besonders dort, wo Löhne nur einmal im Jahr steigen.

Eurostat hat die Mindestlöhne für die zweite Hälfte 2026 veröffentlicht. Nur acht von 29 europäischen Ländern haben ihren gesetzlichen Mindestlohn zwischen Januar und Juli 2026 erhöht. Gleichzeitig lag die Verbraucherpreisinflation im Euroraum in diesem Zeitraum bei 3,2 Prozent. In mehreren Ländern mit besonders hoher Teuerung haben Mindestlohnbezieher damit real an Kaufkraft verloren.

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Welche europäischen Länder zahlen nach den jüngsten Daten die höchsten Mindestlöhne? Und wie verschiebt sich das Ranking, wenn man die Kaufkraft berücksichtigt?

Nominal liegt Luxemburg im Juli 2026 mit einem Bruttomindestlohn von 2.771 Euro pro Monat europaweit vorn. In der EU zahlt Bulgarien mit 620 Euro den niedrigsten Mindestlohn. Zählt man die Beitrittskandidaten hinzu, hat die Ukraine mit 169 Euro den niedrigsten Wert.

Fünf Länder kommen auf mehr als 2.000 Euro brutto im Monat. Neun Länder liegen zwischen 1.000 und 2.000 Euro, die meisten davon eher am unteren Rand dieser Spanne; nur ein Land überschreitet 1.500 Euro.

In 15 Ländern liegt der monatliche Bruttomindestlohn unter 1.000 Euro. Mehr als die Hälfte der Länder mit verfügbaren Daten gehören also zu dieser Gruppe. Sieben davon sind allerdings EU-Beitrittskandidaten.

Fünf Länder: Mindestlohn über 2.000 Euro im Monat

Zur Spitzengruppe gehören neben Luxemburg Irland (2.391 Euro), Deutschland (2.343 Euro), die Niederlande (2.338 Euro) und Belgien (2.234 Euro). Frankreich folgt dicht dahinter mit 1.867 Euro.

Das Mittelfeld bilden Slowenien (1.482 Euro), Spanien (1.425 Euro), Litauen (1.153 Euro), Polen (1.119 Euro), Zypern (1.088 Euro), Griechenland (1.073 Euro), Portugal (1.073 Euro) und Kroatien (1.050 Euro). Die meisten dieser Länder liegen eher nahe bei 1.000 als bei 1.500 Euro.

Am unteren Ende fallen die Ukraine und Moldau mit 169 beziehungsweise 313 Euro als Ausreißer auf. Alle anderen Länder liegen über 500 Euro.

Vier Beitrittskandidaten übertreffen Bulgarien beim Mindestlohn: die Türkei (621 Euro), Nordmazedonien (624 Euro), Montenegro (670 Euro) und Serbien (743 Euro).

Malta (994 Euro), Estland (946 Euro), Tschechien (923 Euro), die Slowakei (915 Euro) und Ungarn (906 Euro) liegen alle dicht an der Marke von 1.000 Euro.

Mindestlohn-Ranking nach Kaufkraft verschiebt sich deutlich

Das Ranking nach Kaufkraftstandards (PPS) unterscheidet sich in mehreren Ländern deutlich von der Rangliste in nominalen Werten. Die Abstände zwischen den Staaten fallen außerdem geringer aus.

PPS ermöglicht einen vergleichbareren Blick, weil es mit einer künstlichen Recheneinheit abbildet, was sich Menschen in jedem Land tatsächlich leisten können. Theoretisch kann man sich mit einer Einheit PPS überall dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen kaufen.

In PPS gerechnet reichen die Mindestlöhne von 705 in Albanien bis 2.164 in Deutschland. Für die Ukraine und Moldau liegen keine Angaben vor. Der Wert für die Türkei bezieht sich noch auf Juli 2025.

Luxemburg (2.108 PPS), die Niederlande (2.023), Belgien (1.922) und Irland (1.756) komplettieren die Top fünf.

Auch Frankreich, Slowenien, Spanien und Polen kommen auf mehr als 1.500 PPS beim Mindestlohn.

Innerhalb der EU weist Estland mit 935 PPS den niedrigsten Mindestlohn nach Kaufkraft auf. Lettland folgt mit 938 PPS knapp dahinter.

Auch die Türkei und Bulgarien bleiben unter 1.000 PPS.

Einige EU-Beitrittskandidaten liegen im PPS-Ranking über mehreren EU-Staaten. Nordmazedonien (1.142 PPS) und Serbien (1.094 PPS) übertreffen jeweils sieben EU-Länder, darunter Malta, die Slowakei, Ungarn und Tschechien.

Rumänien und Nordmazedonien gewinnen am stärksten

Vergleicht man das Ranking nach nominalen Werten und nach PPS für die 27 Länder, schneiden Rumänien und Nordmazedonien am besten ab. Rumänien verbessert sich von Platz 20 auf Platz 12, Nordmazedonien steigt von Rang 24 auf Rang 16. Beide gewinnen damit acht Positionen.

Auch Serbien (plus fünf Plätze), Kroatien und Bulgarien (jeweils plus drei) rücken im PPS-Ranking deutlich nach oben.

Der größte Verlierer ist Estland: Das Land fällt von Platz 16 auf Platz 26 zurück. Lettland, Tschechien und Zypern verlieren ebenfalls jeweils vier Ränge.

Nur acht Länder verzeichnen Anhebungen

Unter den 29 Ländern haben nur acht den Mindestlohn zwischen Januar und Juli 2026 in der jeweiligen Landeswährung nominal angehoben. Dazu zählen Nordmazedonien (plus 6,9 Prozent), Rumänien (plus 6,8 Prozent), Estland (plus 6,8 Prozent), Belgien (plus 5,8 Prozent), Griechenland (plus 4,5 Prozent), Luxemburg (plus 2,5 Prozent), Frankreich (plus 2,4 Prozent) und die Niederlande (plus 1,9 Prozent).

In allen übrigen Ländern blieben die Mindestlöhne unverändert. Das trifft Staaten mit hoher Inflation besonders hart. Eurostat schätzt die Teuerung im Euroraum zwischen Januar und Juli auf 3,2 Prozent. In Malta lag sie bei 8,2 Prozent, in Zypern bei 5,4 Prozent und in den Niederlanden bei 4,7 Prozent.

Hohe Inflation trifft Mindestlohnbezieher in der Türkei

Die Türkei verzeichnet die höchste Inflationsrate Europas und weltweit etwa die fünfhöchste. Zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 stieg die Teuerung auf 17,8 Prozent. Weil die Regierung den Mindestlohn inzwischen nur noch einmal pro Jahr anpasst, verlieren Beschäftigte am unteren Ende der Lohnskala spürbar Kaufkraft. Die Türkei ist auch bei der Verbreitung des Mindestlohns ein Ausreißer: Sie hat den höchsten Anteil an Mindestlohnbeziehern, bei nahezu 40 Prozent.

Allerdings hat die Türkei den Mindestlohn in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Fünf EU-Staaten kennen keinen gesetzlichen Mindestlohn: Italien, Dänemark, Schweden, Österreich und Finnland.

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