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Kampf um Rohstoffe: Geopolitische Machtspiele in der Arktis

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Archivbild Copyright  Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Foteini Doulgkeri
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In der Arktis eröffnet das Schmelzen des Eises neue Handelsrouten. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um Rohstoffe für neue Technologien wie Lithium, Kobalt und seltene Erden.

Der Klimawandel ist längst kein rein ökologisches Thema mehr. Er greift direkt in Wirtschaft, Gesellschaft, Energieversorgung und internationale Sicherheit ein und verschiebt die geopolitischen Kräfteverhältnisse. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb um lebenswichtige natürliche Ressourcen.

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Darauf weist die Professorin für Internationale Institutionen und Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für Klimadiplomatie, Emmanouela Dousi, hin. Sie betont, dass die Klimakrise ein langfristiges Problem ist, dessen Folgen nicht wie bei anderen Krisen einfach wieder abklingen.

"Klimawandel ist ein ökonomisches Problem, weil er die Volkswirtschaften direkt betrifft. Er ist ein soziales Problem, weil er Gesellschaften verändert. Er ist ein politisches und zugleich ein geopolitisches Problem“, sagt sie.

Klimakrise verändert geopolitische Kräfteverhältnisse

Nach Ansicht von Dousi hängen steigende Temperaturen und veränderte Wetter- und Klimamuster heute direkt mit dem internationalen Wettbewerb um Ressourcen und strategische Regionen zusammen.

Das Schmelzen des Eises in der Arktis eröffnet zum Beispiel neue Handelsrouten. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb um Rohstoffe zu, die für neue Technologien unverzichtbar sind, etwa Lithium, Kobalt und seltene Erden.

Zugleich gewinnt Wasser und der Zugang dazu immer mehr geopolitische Bedeutung. Klimawandel wirkt sich auch auf die Ernährungssicherheit und auf Wanderungsbewegungen aus.

"Im Moment verschärft sich der Wettbewerb um neue Ressourcen“, erläutert sie. Sie verweist unter anderem auf die Arktis, auf Spannungen um Wasser und Flüsse sowie auf die zunehmenden Bewegungen von Menschen.

Abkehr von fossilen Brennstoffen schafft neue Abhängigkeiten

Im Zentrum der Bekämpfung der Klimakrise steht weiterhin der schrittweise Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Dieser Umbau der Energiesysteme hat jedoch erhebliche wirtschaftliche und geopolitische Folgen.

Wie Dousi erklärt, wird eine grundlegende Umstellung auf saubere Energieformen nicht alle Staaten gleichermaßen treffen.

"Die Abkehr von fossilen Brennstoffen wird einige Staaten schwächen“, sagt sie. Länder, die Öl, Gas oder Kohle fördern und exportieren, müssen ihre Volkswirtschaften neu ausrichten und nach neuen Wachstumsquellen suchen.

Gleichzeitig rechnet sie damit, dass Staaten mit großem Potenzial bei erneuerbaren Energien – Sonne, Wind oder Geothermie – an Gewicht gewinnen. Das gilt auch für Länder, die über wichtige Rohstoffe für neue Technologien verfügen.

"Damit entstehen neue Abhängigkeiten und neue Machtkonstellationen“, so Dousi.

Internationale Diplomatie: Schlüsselrolle im Klimaschutz

Die Begrenzung des Klimawandels beruht in hohem Maß auf internationaler Zusammenarbeit. Sie ist im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention verankert und wurde durch das Übereinkommen von Paris aus dem Jahr 2015 gestärkt.

Dousi verweist jedoch auf die Grenzen des bestehenden Systems. Die Staaten legen nationale Pläne zur Emissionsminderung und zur Anpassung an den Klimawandel vor. Diese Pläne werden alle fünf Jahre überprüft. Bei Nichtumsetzung drohen derzeit aber kaum wirksame Sanktionen.

In einem äußerst angespannten geopolitischen Umfeld hält sie es für sinnvoll, dass Diplomatie sich stärker auf konkrete Maßnahmen konzentriert und weniger auf die ständige Formulierung neuer Ziele.

Sie nennt als Beispiele Kooperationen in Forschung und Technologie sowie den Ausbau grenzüberschreitender Stromleitungen. Solche Projekte können den raschen Ausbau erneuerbarer Energiequellen erleichtern.

Große Emittenten: unterschiedliche Geschwindigkeiten im Klimaschutz

Eine Schlüsselrolle spielen die größten Verursacher von Treibhausgasen. China, die Vereinigten Staaten, Indien und die Europäische Union stehen im Zentrum der internationalen Bemühungen, verfolgen aber sehr unterschiedliche Prioritäten und Politiken.

Dousi hebt besonders die Entwicklung in den Vereinigten Staaten hervor. Dort habe der Skeptizismus gegenüber Klimapolitik zugenommen, und fossile Energieträger erhielten wieder mehr Gewicht.

Zur gleichen Zeit habe China stark in saubere Technologien investiert und die grüne Industrie zu einem der zentralen Wirtschaftszweige des 21. Jahrhunderts erklärt. Dennoch setzt das Land weiterhin auf fossile Brennstoffe. Das ergebe, so Dousi, ein komplexes Bild seiner Rolle in der globalen Energiewende.

Griechenland in besonders verwundbarer Region

Für Griechenland hat die Klimakrise wegen der geografischen Lage des Landes besondere Bedeutung. Die Mittelmeerregion gilt in der Wissenschaft als besonders verletzlich gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Dousi erinnert daran, dass Griechenland mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Braunkohle und mit Plänen für einen gerechten Übergang bereits wichtige Schritte unternommen hat. Ihrer Einschätzung nach steht in den vergangenen Jahren jedoch wieder stärker die Nutzung fossiler Brennstoffe im Vordergrund.

Klimapolitik dürfe nicht als Sammlung einzelner "grüner“ Maßnahmen verstanden werden, argumentiert sie. Sie sei eine umfassende politische Entscheidung, die Wirtschaft, Energieversorgung und die gesamte öffentliche Politik prägt.

"Nicht immer ist der Klimawandel schuld“

Die Bewältigung der Folgen der Klimakrise ist aus Sicht von Dousi ebenso wichtig wie die Verringerung der Emissionen.

Mit Blick auf die schweren Naturkatastrophen der vergangenen Jahre in Griechenland warnt sie davor, den Klimawandel als Ausrede für langfristige Defizite in Planung und Infrastruktur zu benutzen.

"Nicht immer ist der Klimawandel schuld“, sagt sie und verweist auf jahrelange Versäumnisse, übermäßige und widersprüchliche Gesetzgebung sowie unzureichenden Schutz gefährdeter Gebiete.

Wasser, Nahrungsmittel und Wanderungsbewegungen

Besonders besorgniserregend an der Klimakrise sind nach Ansicht von Dousi die Auswirkungen auf den Zugang zu grundlegenden Gütern.

"Wir werden ein sehr großes, ernstes Problem mit der Ernährungssicherheit bekommen. Wir werden Probleme mit Wasser haben“, betont sie.

Der Druck auf Wasserressourcen kann neue Spannungen zwischen Staaten auslösen, besonders dort, wo Flüsse und Wassereinzugsgebiete Staatsgrenzen überschreiten. Als typisches Beispiel nennt sie den Nil und die Konflikte zwischen Ägypten und Äthiopien.

Parallel dazu dürfte der Klimawandel Wanderungsbewegungen verstärken. Das schafft eine weitere große Herausforderung für die internationale Sicherheit und das Management von Migrationsströmen.

Die Klimakrise entwickelt sich damit zu einem komplexen Thema, das weit über klassische Umweltpolitik hinausgeht. Energie, Wasser, Ernährungssicherheit, Rohstoffe und Migration hängen heute eng zusammen. Klimadiplomatie wird dadurch zu einem immer wichtigeren Feld der internationalen Beziehungen.

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