In Frankreich erproben Kliniken und Pflegeheime sprechende Roboter und KI-Stimmen, um Menschen mit Alzheimer und anderen neurodegenerativen Krankheiten zu unterstützen.
Im Pariser Krankenhaus Broca nehmen ältere Patientinnen und Patienten an Versuchen mit mehreren verschiedenen Robotern teil.
Der Roboter NAO stellt Fragen und gibt kleine Aufgaben, um Gespräche anzuregen und die geistige Aktivität zu fördern. In einer Sitzung bittet er die Patientinnen und Patienten, bekannte Sprichwörter zu vervollständigen.
„Ich gebe Ihnen den Anfang eines Sprichworts, und Sie versuchen, mir das Ende zu sagen“, erklärt der Roboter.
Ein anderes Gerät, Paro, soll therapeutischen Trost spenden. Die Robbenfigur aus Kunststoff ist mit Sensoren ausgestattet und reagiert auf Bewegungen und Laute der Patientinnen und Patienten.
Daneben gibt es Miroki, einen Roboter, der über Gespräche mit den Menschen in Kontakt treten soll.
Für die 72-jährige Michèle ist das Erlebnis ungewohnt, aber nicht beunruhigend. „Nein, ich habe keine Angst, aber ich ziehe den Kontakt zu Menschen vor“, sagt sie.
Patienten reagieren unterschiedlich
Die Forschenden sehen sehr unterschiedliche Reaktionen auf die Technik. „Es gibt alle möglichen Reaktionen“, sagt Lea Vecchioni, Psychologin und Forschungsingenieurin am Broca Living Lab.
„Manche Patientinnen und Patienten sind fast verblüfft. Sie finden es bemerkenswert, im echten Leben Dinge zu sehen, die sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten.“ Andere hingegen, sagt sie, „lehnen die Technik und die Roboter klar ab“.
Die Forschenden prüfen, ob die Geräte helfen können, die Patientinnen und Patienten für unterschiedliche Therapieformen zu gewinnen.
„Der Roboter kann als Vermittler wirken, der den Einstieg in Therapiesitzungen erleichtert“, sagt Maribel Pino, Kognitionspsychologin und Forschungsleiterin am Broca Living Lab.
Mögliche Einsatzfelder sind kognitive Anregung, Sprach- und Sprechtherapie, Physiotherapie und psychomotorische Rehabilitation.
KI: individuell für jede Bewohnerin und jeden Bewohner
Im Süden Frankreichs läuft ein weiteres Experiment, das KI im Pflegeheim einsetzt. In La Septfontoise im Département Tarn-et-Garonne erprobt das Team das System Livana, eine KI, die Bewohnerinnen und Bewohner unterstützen soll, wenn sie unruhig werden.
Die Technik funktioniert über ein Telefon und führt personalisierte Gespräche. Vor Beginn des Versuchs sammelte das Personal mit Zustimmung der Angehörigen biografische Angaben zu den Bewohnerinnen und Bewohnern. Dazu gehören etwa Interessen und wichtige Lebensstationen.
Diese Informationen fließen in die Stimme des Systems und den Inhalt der Gespräche ein. „Die Stimme kann Elemente enthalten, die den Bewohner beruhigen, abgestimmt auf seine Interessen und seine Lebensgeschichte“, erklärt die Psychologin Élodie Jammes.
Das System wird als nichtmedikamentöse Möglichkeit für Menschen mit Alzheimer oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen erprobt.
Technik als Hilfsmittel für Pflegekräfte
Für Heimleiterin Ghislaine Verines bietet die Technologie eine zusätzliche Unterstützung – für die Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie für das Team.
„Ziel des Versuchs ist es, nichtmedikamentöse Ansätze zu testen, die das Wohlbefinden der Bewohner verbessern und zugleich den Pflegekräften zusätzliche Hilfe geben“, sagt sie.
Die Studien laufen, Fachleute suchen parallel neue Wege, Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu begleiten.
Pino betont jedoch, dass die Rolle der Robotik klar begrenzt bleiben muss. „Ich glaube nicht, dass man Robotik als Ersatzwerkzeug betrachten sollte“, sagt sie.
„Es sind weiterhin Werkzeuge, wie ausgefeilt ihre Gesprächsfähigkeiten oder ihre Präsenz auch werden mögen.“ Eines können sie nicht leisten, sagt sie: „Sie werden nie die essentiellen menschlichen Beziehungen ersetzen, die Menschen brauchen.“
Technik, aber nicht statt Menschen
Die französischen Projekte zeigen, wie vielfältig KI und Robotik in der Demenzpflege erprobt werden. Einige Technologien sollen Gespräche anregen.
Andere setzen auf Therapie, Trost oder individuelle Unterstützung.
Die Forschenden betonen jedoch, dass sie Pflegekräfte nicht verdrängen sollen. Die Versuche sollen zeigen, welchen zusätzlichen Beitrag Technik zur Betreuung leisten kann – ohne den menschlichen Kontakt aus dem Mittelpunkt zu rücken.