Loader
Finden Sie uns
Werbung

Trauer in Argentinien - Lionel Messi trifft und tritt ab

Lionel Messi jubelt nach dem dritten Tor der argentinischen Nationalmannschaft in seinem letzten Länderspiel in Buenos Aires am Dienstag, 6. Oktober 2026.
Lionel Messi jubelt, nachdem er Argentiniens dritten Treffer in seinem Abschiedsspiel für die Nationalmannschaft in Buenos Aires am Dienstag erzielt hat. -  Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Malek Fouda
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Lionel Messi verabschiedet sich emotional aus der Nationalelf. In Buenos Aires führt er Argentinien mit einem 3:0 Sieg gegen Benin. Und er geht wie eine Legende: mit einem Tor und zwei Vorlagen.

Argentinien muss sich einer lange unvorstellbaren Realität stellen: einer Nationalmannschaft ohne Fußballikone Lionel Messi.

WERBUNG
WERBUNG

Am Dienstag verabschiedete sich der 39-jährige Messi nach 21 Jahren im Nationaltrikot von der internationalen Bühne. In dieser Zeit erzielte er 126 Tore, gewann zwei Copa Américas und wurde Weltmeister. In seinem Abschiedsspiel traf er per Elfmeter und bereitete die beiden weiteren argentinischen Treffer zum 3:0 gegen die Gäste aus Benin vor.

Eigentlich war es nur ein unscheinbares Testspiel gegen den westafrikanischen Gegner. Doch für das fußballbesessene Land wurde es zu einem Moment, vor dem viele seit Langem Angst hatten.

„Es fühlt sich an, als ginge eine Ära zu Ende, wenn man weiß, dass er nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen wird“, sagt der 17-jährige Valentino Ruso, auf dem Weg zu einem Freund in Buenos Aires, um das Spiel zu schauen. „Ich bin traurig. Ich glaube, heute sind alle niedergeschlagen. Er wird uns fehlen.“

Fans halten Masken mit dem Konterfei von Lionel Messi vor seinem letzten Länderspiel für Argentinien, einem Freundschaftsspiel gegen Benin, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026
Fans halten Masken mit dem Konterfei von Lionel Messi vor seinem letzten Länderspiel für Argentinien, einem Freundschaftsspiel gegen Benin, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026 Natacha Pisarenko/Copyright 2026. The AP. All rights reserved

Die Argentinier pflegten ein intensives, oft gnadenloses Verhältnis zu dem schüchternen Jungen, der mit 13 seine Heimatstadt Rosario verließ und in die Jugendakademie des spanischen Klubs Barcelona wechselte.

Mit den Jahren wurde Messi zu einer globalen Ikone mit fast mythischer Aura. Seine Landsleute vergötterten ihn und gingen zugleich hart mit ihm ins Gericht, stellten seine Loyalität zum Heimatland infrage und warfen ihm mitunter Gleichgültigkeit vor.

Als er seine glanzvolle Karriere im Nationalteam nun beendete, zweifelte kaum noch jemand an seinem Einsatz für Argentinien. Ebenso unbestritten war die Zuneigung des Landes zu seinem berühmtesten Export, dessen Erfolge die Menschen durch Jahre politischer und wirtschaftlicher Krisen an das eigene Potenzial zur Größe erinnerten.

„Argentinier sagen oft: ‚Gott sei Dank bin ich in einer Zeit geboren, in der ich das Wunder erleben konnte, Messi spielen zu sehen‘“, sagt Andrés Rabinovich, Wissenschaftler an der Universität Chicago, der zur Rolle des Fußballs in der argentinischen Kultur forscht.

Lionel Messi aus Argentinien jubelt nach dem dritten Treffer seines Teams im letzten Spiel für die Nationalmannschaft, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026
Lionel Messi aus Argentinien jubelt nach dem dritten Treffer seines Teams im letzten Spiel für die Nationalmannschaft, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026 Gustavo Garello/Copyright 2026. The AP. All rights reserved

„Es ist schwer, in Argentinien zu leben. Fußball ist oft eines der wenigen Dinge, die ein wenig Abstand vom Alltag, ein bisschen Freude schenken.“

Jahrelang stritten die Argentinier darüber, wann und auf welche Weise Messi von der großen Bühne abtreten sollte. Als er am 31. August, nur wenige Wochen nach der Finalniederlage Argentiniens gegen Spanien bei der Weltmeisterschaft, seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft bekanntgab, löste das eine Welle aus Dankbarkeit und Trauer aus. Gleichzeitig wird Messi die Major League Soccer mit Inter Miami weiter verzaubern.

„Ich weiß nicht, ob es jemals eine Liebesgeschichte zwischen einem Spieler und einem Land gegeben hat, die so groß ist wie die, die du geschaffen hast“, schrieb sein Teamkollege Rodrigo De Paul auf Instagram.

Der argentinische Fußballverband machte das Spiel am Dienstag – Messis 208. Einsatz – zu einem landesweiten Abschied unter dem Motto „Der letzte Tango“.

Mehr als 85.000 Tickets für das größte Stadion von Buenos Aires waren nach 90 Minuten ausverkauft. Plätze, die ursprünglich rund 60 bis 300 Dollar (53 bis 267 Euro) kosteten, wurden auf Weiterverkaufsplattformen später für über 2.500 Dollar (2.226 Euro) angeboten.

Eine Drohnen-Show mit dem Konterfei von Lionel Messi ist nach seinem letzten Spiel für die Nationalmannschaft zu sehen, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026
Eine Drohnen-Show mit dem Konterfei von Lionel Messi ist nach seinem letzten Spiel für die Nationalmannschaft zu sehen, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026 Julian Bongiovanni/Copyright 2026. The AP. All rights reserved

Spieler aus den argentinischen Weltmeisterteams von 1978, 1986 und 2022 kamen zurück ins Stadion, um ihm die Ehre zu erweisen.

Nach dem Schlusspfiff glänzten Messis Augen, als seine Mitspieler sich um ihn scharten und klatschten. Ein donnerndes „Olé, olé, olé, olé, Messi, Messi“ hallte durch die Ränge, während Zehntausende Fans sprangen, sangen und sich vor ihm verneigten, als würden sie ihn anbeten.

Ein Spruchband an der Mittellinie erklärte ihn zum „Ewigen Kapitän“.

„Ich rede heute mehr als je zuvor. Ich möchte hier nicht weggehen, ich möchte dieses Spielfeld nicht verlassen“, sagte Messi der Menge, die jubelte, als hätte er gerade ein Tor erzielt. „Ich will euch nur sagen, dass ich euch liebe, dass ihr mir fehlen werdet und dass ich Gott dankbar bin, Argentinier zu sein.“

In den 2000er- und 2010er-Jahren sammelte Messi mit seinen Klubs Titel und gewann treue Anhänger von Barcelona bis Bangladesch. Ein großer Titel mit der Nationalmannschaft blieb ihm jedoch lange verwehrt. Nachdem Argentinien 2016 zum dritten Mal in Folge ein Finale verloren hatte, trat Messi vorübergehend aus dem Nationalteam zurück.

Mit Kreide gemaltes Porträt von Lionel Messi auf dem Gehweg vor dem Stadion vor seinem letzten Spiel mit der Nationalmannschaft, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026
Mit Kreide gemaltes Porträt von Lionel Messi auf dem Gehweg vor dem Stadion vor seinem letzten Spiel mit der Nationalmannschaft, in Buenos Aires, Argentinien, Dienstag, 6. Oktober 2026 Rodrigo Abd/Copyright 2021 The AP. All rights reserved

Der Wendepunkt kam 2021, als Argentinien Brasilien schlug und zum ersten Mal seit 28 Jahren die Copa América, die Kontinentalmeisterschaft Südamerikas, gewann. Messi sank auf den Rasen, seine Mitspieler rannten im Freudentaumel zu ihm und fielen ihm um den Hals. Der Spieler, dem man lange vorgeworfen hatte, zu wenig zu fühlen, konnte nicht aufhören zu schluchzen.

Der WM-Triumph im Jahr darauf in Katar machte seinen Status als Nationalheld endgültig unumstößlich. Messi hatte den einen Titel geholt, der ihm gefehlt hatte. Millionen Argentinier strömten in ekstatischer Stimmung auf die Straßen, skandierten seinen Namen und trugen die Nummer zehn auf dem Rücken.

Als das Spiel am Dienstag schließlich zu Ende war, blieb das Publikum auf den Rängen. Der Applaus brandete weiter durch das Stadion. Messi drehte eine letzte Runde, eine kleine Gestalt unter den Flutlichtern, und nahm den Moment in sich auf. Am Eingang zum Spielertunnel blieb er stehen, hob ein letztes Mal die Arme in Richtung Fans. Dann verschwand er.

Sein Vertrag bei Inter Miami läuft noch bis zur Saison 2028. Doch das Ritual, ihm zuzusehen, wie er bei jedem Länderspiel die Hoffnungen und Sorgen Argentiniens mit sich trägt, ist vorbei.

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Eklat in Portugals Nationalelf: Jetzt enthüllt CR7 was wirklich geschah

Ronaldo-Vertrauter wirft Trainer Verrat vor: „Darum explodierte Cristiano“

Yamal kontert Rajoys Frankreich-Kolumne: Fußball soll die Gesellschaft einen