Die jüngste Entwicklung schürt die Sorge, dass der Zugang zu wichtigen US‑Satellitenverbindungen Kyjiw zu einem weiteren Druckmittel werden könnte.
Die ukrainischen Streitkräfte melden am Mittwoch Einschränkungen beim militärischen Einsatz des Satellitenkommunikationssystems Starlink von SpaceX. Eine nächtliche Änderung hat nach ihren Angaben mehrere Drohnenmissionen gestört – in einer Phase wachsender Spannungen zwischen Kyjiw und Washington.
Betroffen ist dem Anschein nach StarShield, die militärtaugliche Version des Dienstes. Dem Bericht zufolge bricht die Verbindung ab, sobald sich die Terminals mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde bewegen.
Serhij Beskrestnow, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für Militärtechnologie und unter dem Spitznamen „Flash“ bekannt, sagte, SpaceX habe die Geschwindigkeitsbegrenzung über Nacht eingeführt, ohne die ukrainischen Streitkräfte zu informieren.
„Unsere Verteidigungskräfte wurden über diese neue Beschränkung nicht gewarnt, dadurch wurden mehrere Einsätze gestört“, schrieb Beskrestnow auf Telegram.
Auch der ukrainische Aktivist Serhij Sternenko berichtete über Störungen. Er vermutet, SpaceX habe die Einschränkung auf Wunsch der Regierung von US-Präsident Donald Trump eingeführt.
Unabhängige Belege dafür, dass das Weiße Haus die Änderung angeordnet hat, gibt es jedoch nicht. Der Hintergrund der gemeldeten Beschränkungen bleibt unklar.
Starlink-Beschränkungen: Neues Druckmittel der USA?
Die Entwicklung schürt Sorgen, dass der Zugang zu wichtigen US-Satellitenverbindungen zu einem weiteren Druckmittel gegenüber Kyjiw werden könnte. Zugleich steht die Drohung im Raum, die Geheimdienstkooperation zu begrenzen, falls die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien nicht stoppt.
Nach Medienberichten warnte die Regierung Trump, die Zusammenarbeit der Geheimdienste könne eingeschränkt werden. Washington bestreitet jedoch, den Austausch gestoppt zu haben, und ukrainische Vertreter betonen, die Kooperation laufe weiter.
Auch der Zeitpunkt sorgt für Aufmerksamkeit. Zuvor hatte Elon Musk, Milliardär und Besitzer von SpaceX, das Starlink betreibt, Selenskyj öffentlich kritisiert.
Am Samstag reagierte Musk auf ein Video des Weißen Hauses, in dem Trump die ukrainischen Angriffe auf russische Ölanlagen kritisierte. Auf X schrieb er: „Selenskyj geht zu weit.“
Die Äußerung fällt in eine Phase, in der sich die Beziehungen zwischen Washington und Kyjiw deutlich verschlechtern. Hintergrund ist eine Vereinbarung Trumps mit Moskau, die Auflagen für russische Dieselausfuhren zu lockern, sowie seine Forderung, die Ukraine solle ihre Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einstellen.
Einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen den gemeldeten Starlink-Beschränkungen und dem diplomatischen Streit gibt es bisher nicht.
Russland setzt Angriffe trotz Trumps "Energie-Waffenstillstand" fort
Die Berichte fallen mit neuen Fragen zur Verlässlichkeit des vorab geteilten Geheimdienstwissens zusammen. Selenskyj erklärte, die Ukraine habe von ihren Partnern keine Warnung vor russischen ballistischen Raketenangriffen auf Kyjiw erhalten – bereits die zweite Nacht in Folge.
Die Angriffe hielten an, obwohl Trump einen Energie-Waffenstillstand verkündet hat. Kyjiw wirft Moskau vor, sich nicht daran zu halten.
Nach Angaben Selenskyjs feuerte Russland in der Nacht 39 ballistische Raketen sowie mehr als 120 Angriffs- und Kamikazedrohnen auf Kyjiw, die umliegende Region und Charkiw ab. Dabei wurden 26 Stromanlagen und vier Öl- und Gasobjekte beschädigt, mindestens 600.000 Menschen sind ohne Strom.
„Russland hat den Vereinigten Staaten noch nie zuvor eine derart demonstrative Missachtung gezeigt“, schrieb Selenskyj auf X. Er warf Moskau vor, gezielt Infrastruktur anzugreifen, die unter den von Trump verkündeten Waffenstillstand falle.
Trotz der wachsenden Spannungen mit Washington richtete Selenskyj einen direkten Appell an den US-Präsidenten. Er forderte schärfere Sanktionen gegen Russland und zusätzliche Patriot-Abfangraketen.
„Wir bitten Amerika und ALLE in der Welt, die die Augen nicht vor der Realität verschließen, zu reagieren – und entschieden zu reagieren“, schrieb er.
Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen, wie stark die Ukraine weiterhin von amerikanischen Geheimdiensten, Militärtechnologie und Luftverteidigungshilfe abhängt – in einer Zeit, in der das Verhältnis zu Washington immer unsicherer wird.