In Supermärkten in Belgien, Schweden, den Niederlanden, Estland, Luxemburg, Finnland und Irland kam es zu Vorfällen: Kühl- und Gefrierschränke wurden wärmer gestellt, Lebensmittel verdarben.
Dutzende Supermärkte in Europa berichten, dass die Temperaturen in ihren Kühl- und Gefriergeräten über Nacht angestiegen sind. Inzwischen gilt es weithin als wahrscheinlich, dass Cyberangriffe dahinterstecken, ähnlich dem Vorfall, der vor einigen Wochen Frankreich getroffen hat.
Betroffen sind Supermarktketten in Belgien, Schweden, Estland, den Niederlanden, Luxemburg und Irland.
Ausgangspunkt der Berichte waren Meldungen belgischer Medien am Montag. Demnach wurden Kühlschränke auf 17 Grad Celsius hochgestellt, sodass viele Geschäfte Lebensmittel entsorgen mussten.
Belgiens Zentrum für Cybersicherheit (CCB) teilte dem belgischen Medium Belga mit, es sei über einen Vorfall informiert, der auf die Kühlsysteme von Supermärkten ziele.
CCB-Sprecherin Katrien Eggers sagte gegenüber Euronews Next: „Wir kennen den Vorfall, haben aber keine weiteren Informationen.“ Bislang gibt es keine Hinweise darauf, wer hinter dem Angriff steckt, und es sei möglich, dass die Täter nie identifiziert werden können.
Nach Angaben eines Sprechers hat die föderale Staatsanwaltschaft in Belgien eine Untersuchung zu dem Vorfall eingeleitet.
Rund 40 Delhaize-Proxy-Supermärkte, 15 Carrefour-Shop-&-Go-Filialen, 15 Intermarché-Geschäfte und fünf Spar-Q8-Servicestationen sind dem belgischen Medium Le Soir (Quelle auf Englisch) zufolge in Belgien betroffen.
Die Metzgereigruppe De Laet en Van Haver berichtete ebenfalls, dass ihre Kühlgeräte betroffen seien. IKEA erklärte, dass auch das Bergen-Geschäft in Mons betroffen sei. Insgesamt sind damit 75 Läden in Belgien betroffen.
„Wir haben einen IT-Vorfall identifiziert, der die Kühlsysteme in mehreren Dutzend Geschäften betrifft. Wir haben sofort die nötigen Maßnahmen ergriffen, um unsere Läden betriebsbereit zu halten“, sagte ein Sprecher von Delhaize gegenüber Euronews Next.
Carrefour teilte Euronews Next am Morgen mit: „Die Auswirkungen bei Carrefour sind sehr begrenzt: Derzeit sind 15 unserer 700 Geschäfte betroffen, sowohl in Flandern als auch in Wallonien. Kein einziger Hypermarkt gehört dazu.“
„Alle Läden bleiben geöffnet, weil nur einige wenige Kühlgeräte betroffen sind, vor allem Tiefkühltruhen. Es wurden rasch Maßnahmen ergriffen, damit alle Geschäfte geöffnet bleiben können“, fügte der Sprecher hinzu.
Später am Vormittag sagte Carrefour-Belgien-Sprecher Mich Vergauwen: „Es ist ein Cyberangriff, es gibt keinen anderen Grund“, und ergänzte, die „Auswirkungen sind sehr begrenzt“.
Vermutlich ereignete sich der Vorfall zwischen Sonntagabend und Montagmorgen und ließ die Temperaturen der Kühlschränke stark ansteigen.
Stephan Moelans, Geschäftsführer des Kälteanlagenbauers Sabcobel, der die Kühl- und Gefriersysteme von Delhaize betreut, sagte dem Medium Belga, der Angriff in Belgien nutze exakt denselben Mechanismus wie der frühere Cyberangriff in Frankreich.
„In den vergangenen Wochen haben wir sehr intensiv daran gearbeitet, die Kühlgeräte unserer Kunden gegen diese Schwachstelle zu schützen“, sagte Moelans.
Er erklärte, der Vorfall sei eingetreten, als die Verdampfer der Anlagen in den Abtau-Modus geschaltet wurden.
Der Kältespezialist sagte, ein reines Software-Update reiche nicht aus, um die Schwachstelle zu beheben, vielmehr seien physische Anpassungen notwendig.
„Das erfordert Investitionen. Die einfachste Lösung ist, die Kühlgeräte über eine gesicherte Internetverbindung zu steuern. Die meisten unserer Kunden sind nach dem Angriff in Frankreich auf dieses System umgestiegen.“
Sabcobel kennt nach eigenen Angaben rund zwanzig betroffene Anlagen, von den Hunderten, die das Unternehmen in Belgien verwaltet.
Danfoss, das die Software für die betroffenen Kühlsysteme sowohl im aktuellen Vorfall als auch beim Angriff in Frankreich im Oktober geliefert hat, erklärte, dass Kunden ohne Software-Update betroffen seien.
Ein Sprecher sagte bei VTM NIEUWS, das Unternehmen sehe die Schwachstelle vor allem in veralteter Software und habe die Kunden bereits aufgefordert, die neue Software zu nutzen.
Europaweit: Supermärkte von Vorfällen betroffen
Berichten zufolge kam es in der vergangenen Nacht auch in einigen Filialen der schwedischen Supermarktketten ICA und Coop zu Problemen, dort wurden Kühl- und Gefriergeräte auf 50 Grad Celsius hochgestellt.
Einen ähnlichen Vorfall gab es laut Medienberichten in Estland in einer Filiale der Supermarktkette Selver.
In Irland waren 13 SuperValu-Läden von einem mutmaßlichen Cybervorfall betroffen, wie der Eigentümer Musgrave in einer Erklärung gegenüber der Irish Times mitteilte.
In den Niederlanden wurden in der vergangenen Nacht die Tiefkühl- und Kühlsysteme von mindestens 17 Unternehmen angegriffen, wie ein Sprecher des Lieferanten Danfoss erklärte. Die Namen der Unternehmen wurden nicht genannt.
Delhaize setzte aus Vorsicht auch seine Bestellsysteme in Luxemburg aus, um einen ähnlichen Vorfall zu verhindern.
Finnische Medien berichten, dass mehrere Supermärkte der K Group betroffen sind. Die K Group gehört zu den größten Einzelhandelsketten Finnlands.
Diese Vorfälle folgen einem ähnlichen Angriff in Frankreich vor wenigen Wochen, am zwölften Oktober, als Hunderte französische Supermärkte der Ketten Intermarché und Coopérative U von einem Cyberangriff auf ihre Kühlsysteme betroffen waren.