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Möglicher Crash-"Brexit" beutelt das Pfund

Möglicher Crash-"Brexit" beutelt das Pfund
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REUTERS/Toby Melville
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Die britische Regierung malt einen ungeregelten Ausstieg aus der EU an die Wand und verschärft ihre Rhetorik. Das Pfund Sterling fällt immer weiter.

Außenminister Dominic Raab sagte: "Auf EU-Seite haben wir eine ziemlich hartnäckige und kompromisslose Position erlebt... wenn die EU darauf sitzen bleibt, eher bürokratisch, und uns einreden will, dass sich nichts geändert hat, dass keine weiteren substanziellen Gespräche geben soll, werden wir am Ende zu WTO-Bedingungen austreten."

Staatsminister Michael Gove schrieb („Sunday Times“, 28. Juli): „Wir werden am 31. Oktober die EU verlassen. Ohne Wenn und Aber. Keine weiteren Verzögerungen. Der Brexit kommt.“ Gove war von Regierungschef Boris Johnson beauftragt worden, die Vorbereitungen für einen „No-Deal-Brexit“ voranzutreiben.

Nach diesen Ansagen fiel das Pfund am Montag auf ein Zweijahrestief gegenüber dem US-Dollar. Gegenüber dem Euro fiel das Pfund um 0,3 Prozent auf 1,1091 Euro. In diesem Monat hat die Währung bisher um zwei Prozent nachgegeben.

Nach Meinung vieler Anleger könnte ein „Brexit“ ohne Abkommen Schockwellen durch die Weltwirtschaft schicken, die britische Wirtschaft in eine Rezession treiben, die Finanzmärkte durcheinanderbringen und Londons Position als herausragendes internationales Finanzzentrum schwächen.

Und Boris Johnsons Ausgabenpläne helfen auch nicht weiter, wenn das No-Deal-Szenario Wirklichkeit wird, sagen Experten.

Kevin Matthews, Geschichtsprofessor, George Mason University, Washington:

"Er war in Manchester und hat 3,6 Milliarden Pfund - das sind ungefähr 4,4 Milliarden US-Dollar (4 Milliarden Euro) - versprochen, um Krisenregionen in ganz Großbritannien zu helfen. Dies kommt zu seinen anderen Zusagen, mehr Polizei auf die Straße zu schicken, und einer Menge Steuersenkungen hinzu, die den Reichen helfen würden, seinen wichtigsten Anhängern in der Konservativen Partei.

Das Problem dabei ist, dass er auch erklärt, dass er im Oktober aus der EU crashen wird, wenn er nicht den Deal bekommt, den er will. Wenn das passiert, stürzt Großbritannien in eine Rezession und die öffentlichen Finanzen könnten jährlich um rund 30 Milliarden Pfund schrumpfen - das sind 37 Milliarden US-Dollar (33 Milliarden Euro)."

Laut den Währungsstrategen der ING dürfte das Pfund Sterling aufgrund der „Rhetorik der neuen Regierung rund um einen harten Brexit und der steigenden Wahrscheinlichkeit von vorgezogenen Wahlen“ unter Druck bleiben.

London müsste im Falle eines No-Deal-Brexits jährlich 30 Milliarden Pfund (33,4 Milliarden Euro) an zusätzlichen Schulden aufnehmen, heißt es in dem Bericht des "Office for Budget Responsibility" (Büro für Haushaltsverantwortung), das regelmäßig Analysen zur Stabilität des britischen Haushalts im Auftrag der Regierung erstellt.

Johnson stößt sich vor allem an der sogenannten Backstop-Klausel. Sie soll verhindern, dass die innerirische Grenze zu einer Außengrenze der Europäischen Union würde. Deshalb fordert er von der EU ultimativ den Verzicht auf diesen Teil des Austrittsvertrags. Großbritannien sei bereit, auf die EU zuzugehen, sagte der neue Premierminister in Manchester. "Aber wir können das nicht machen, solange der anti-demokratische Backstop, der unser Vereinigtes Königreich spalten soll, bestehen bleibt."

Nach einer Studie des britischen Industrieverbandes (Confederation of British Industry) ist die EU auf einen „Brexit“ ohne Abkommen genauso schlecht vorbereitet wie Großbritannien.

su mit Reuters