In Arcis-sur-Aube, etwa 150 Kilometer östlich von Paris, führt ein Mann namens Charles Hittler das Rennen um das Bürgermeisteramt an, und ein gewisser Antoine Renault-Zielinski lag in der ersten Runde auf dem dritten Platz.
Niemand kann behaupten, dass der Wahlkampf vor der zweiten Runde der Kommunalwahlen 2026 in Frankreich öde ist. In der Hauptstadt Paris versucht Ex-Ministerin Rachida Dati die gesamte politische Rechte - inklusive Präsident Macron - hinter sich zu vereinen. Während der am vergangenen Sonntag führende Sozialist Emmanuel Grégoire die Unterstützung der linken Kandidatin von "La France Insoumise" abgelehnt hat.
Die 2.785 Einwohner der Gemeinde Arcis-sur-Aube in der Region Grand Est - zwischen Paris und Straßburg - blicken im zweiten Wahlgang am 22. März auf eine sehr spezielle Namensliste.
Auf dem Stimmzettel steht ein Name, der an den grausamen deutschen Diktator im Zweiten Weltkrieg erinnert, sowie ein anderer Namen, der dem des Präsidenten einer osteuropäischen Nation ähnelt, die nach einer Invasion um ihr Überleben kämpft.
Nach der Wahl am vergangenen Sonntag lag der amtierende Bürgermeister Charles Hittler mit seiner Liste "Agissons ensemble pour Arcis" (Gemeinsam für Arcis handeln) mit 37,81 % vorn. Auf Platz 2 kam Annie Soucat mit 32,20 % der Stimmen unter dem Banner "Construisons ensemble pour l'avenir pour Arcis" (Gemeinsam die Zukunft für Arcis aufbauen). Rechtsaußen Antoine Renault-Zielinski mit seiner Liste "Arcis-sur-Aube Passionnément" tritt mit 29,99 % der Stimmen ebenfalls im zweiten Wahlgang an.
Arcis-sur-Aube, ein Ort mit Geschichte
Arcis-sur-Aube war einst Schauplatz einer entscheidenden Schlacht der Napoleonischen Kriege, in der am 20. und 21. März 1814 die französische Armee unter Napoleon I. (erfolgreich) gegen die österreichische Armee unter Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg kämpfte. Damals wurde ein Teil des Ortes niedergebrannt.
Doch trotz der vielsagenden Familiennamen und der glorreichen Vergangenheit war die Kampagne eher lokal geprägt. Charles Hittler verspricht, die Bindungen zwischen den Einwohnern und deren Sicherheit zu stärken, während Antoine Zielinski den ländlichen Tourismus fördern will.
Charles Hittler sagt, er sei sein ganzes Leben lang Opfer von Witzen über seinen aus dem Elsass stammenden Namen gewesen. Das hat offenbar seinen Charakter geformt, so sehr, dass der 75-Jährige sich heute nicht mehr über den Spott und andere vermeintlich witzige Kommentare empört, die seit Sonntag massenhaft in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf X, geteilt werden.
"Ich lebe gut damit, ich bin daran gewöhnt", versichert der Lokalpolitiker gegenüber BFMTV und erklärt, er habe immer versucht, den Namen seines Vaters mit Stolz zu tragen. Einige ältere Bürger nennen den Bürgermeister lieber "Charles" - ohne den Nachnamen.
Antoine Renault-Zielenski versichert, dass er normalerweise nicht immer beide Namen verwendet. "Renault ist der Name meines Vaters, Zielenski der meiner polnischstämmigen Mutter, der ich damit Tribut zollen wollte", erläutert der 28-jährige Kandidat.
"Es gibt ein paar Witze, die ein bisschen grenzwertig sind, aber solange alle freundlich bleiben, ist es okay. Es wirft ein Schlaglicht auf Arcis-sur-Aube, und wenn es einigen ermöglicht, unsere Stadt zu entdecken, ist das gut so!", freut sich der souveränistische Kandidat Zielinski. Er steht Florian Philippot nahe, einem ehemaligen Vertrauten von Marine Le Pen, der ebenfalls in der Region Grand Est Kommunalpolitiker war.