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Über 30.000 Dollar: Was steckt hinter den teuren WM-Tickets?

Ecuadors Torwart Hernan Galindez blickt sich um, als Amad Diallo für die Elfenbeinküste im WM-Spiel der Gruppe E am vierzehnten Juni das erste Tor erzielt.
Ecuadors Torhüter Hernan Galindez schaut sich um, als Amad Diallo von der Elfenbeinküste im WM-Spiel der Gruppe E am 14. Juni das erste Tor erzielt. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die FIFA erklärt, die WM-Ticketpreise entsprächen dem US‑Marktniveau und hielten Schwarzhändler fern. Experten und Verbraucherschützer kritisieren aber, der Vergleich mit dem US‑Sport blende wichtige Faktoren aus.

Die WM 2026 steht wegen der hohen Ticketpreise massiv in der Kritik. Sie wird von Mexiko, Kanada und den USA gemeinsam ausgerichtet. Viele sprechen von den teuersten Eintrittskarten in der fast hundertjährigen Geschichte des Turniers.

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Laut der Nachrichtenagentur AP begannen die FIFA-Preise für Vorrundenspiele bei 140 Dollar (121 Euro). Kategorie-1-Tickets, die teuerste Eintrittsklasse, kosteten für das Finale am 19. Juli in New Jersey zunächst 8.680 Dollar. Im April stieg der Einstiegspreis auf 10.990 Dollar, im Mai dann auf schwindelerregende 32.970 Dollar.

Erstmals setzte die FIFA auf ein dynamisches Preissystem, bei dem die Nachfrage den Preis bestimmt. In den USA ist dieses Modell seit seiner Einführung in den Sportmarkt im Jahr 2009 weit verbreitet.

Die Folge: eine WM mit deutlich höheren Eintrittspreisen als frühere Turniere.

Zum Vergleich: Bei der WM 2018 in Russland kosteten Kategorie-1-Tickets 1.100 Dollar. Vier Jahre später in Katar lag der entsprechende Preis bei 1.607 Dollar. Für das EM-Finale 2024 in Berlin begannen die Tickets bei 95 Euro, die teuersten Plätze kosteten 2.000 Euro.

Nach heftiger Kritik stellte die FIFA den nationalen Verbänden 130.000 Tickets zu einem Preis von 60 Dollar für ihre Stammfans zur Verfügung. Das ist allerdings ein geringer Teil aller verfügbaren Tickets.

Warum der Vergleich mit US-Marktpreisen laut Forschern hinkt

Auf die hohen Preise angesprochen erklärte FIFA-Präsident Gianni Infantino, der Verband habe vor dem Verkaufsstart die "besten Anwälte" und "besten Experten" konsultiert. Man sei daher überzeugt, die Preisstrategie gut verteidigen zu können.

Infantino betonte, die Marktpreise hätten die Höhe der Tickets bestimmt. Die enorme Nachfrage nach diesem Turnier treibe die Preise nach oben. Die Tickets spiegelten den Markt wider, sagte er im Mai, zumal die USA "der Markt sind, in dem Unterhaltung weltweit am weitesten entwickelt ist".

Am 10. Juni sagte er vor Journalistinnen und Journalisten, der durchschnittliche Ticketpreis von etwas unter 500 Dollar sei mit den Preisen anderer US-Sportarten in den Playoffs vergleichbar. Angebote auf dem Zweitmarkt von bis zu zwei Millionen Dollar bereiteten ihm nach eigenen Worten keine Sorgen.

Eine Analyse der Nachrichtenagentur AP kommt jedoch zu dem Schluss, dass dieser Vergleich höchstens für bestimmte Zweitmärkte zutrifft, nicht aber für die offiziellen Listenpreise.

Karten für die World Series, die Finalserie der Major League Baseball, kosteten in den vergangenen Jahren im Schnitt 350 bis 400 Dollar, während Tickets in der National Football League (NFL) in der vergangenen Saison durchschnittlich 230 Dollar für die Wildcard-Runde, 320 Dollar für Divisional Games und 450 Dollar für die Conference Championships kosteten. Tickets für den Super Bowl kamen im Mittel auf rund 3.300 Dollar.

Der sogenannte Einstiegs- oder Mindestpreis (also die Kosten für das jeweils billigste Ticket auf dem Markt) auf der offiziellen Wiederverkaufsplattform der FIFA für das WM-Finale liegt bei 9.805 Dollar. Die NBA-Finals verzeichneten stark schwankende Einstiegspreise, von rund 500 Dollar für die ersten beiden Partien in San Antonio bis zu etwa 10.000 Dollar für Spiel drei in New York. Spiel vier in New York war deutlich günstiger und fiel am 10. Juni auf etwa 4.000 Dollar.

Expertinnen und Experten bezweifeln Infantinos Vergleich zwischen US-Playoffs und Fußball-WM.

"Es ist wenig ehrlich, beides miteinander zu vergleichen, ein Turnier mit 48 Mannschaften über fünf Wochen unterscheidet sich in Konzeption, Aufbau und Durchführung deutlich von Franchise-Playoffs am Saisonende", sagte Simon Chadwick, Professor für afro-eurasiatischen Sport an der Emlyon Business School, dem Faktencheck-Team von Euronews, The Cube.

"Der offensichtlichste Unterschied ist vielleicht, dass bei der WM Nationalmannschaften gegeneinander antreten, während es in den US-Ligen Teams aus bestimmten Städten sind", so Chadwick weiter. "Die Produkte, die hier verkauft werden, sind also grundverschieden und richten sich an sehr unterschiedliche Zielgruppen."

Chadwick verwies zudem darauf, dass die Fanbasis der WM viel breiter sei als die der meisten amerikanischen Profiligen.

"Die USA sind ein hochentwickelter Sportmarkt, in dem Menschen bereit sind, viel Geld für Sporterlebnisse zu zahlen", sagte er. "Die Weltmeisterschaft hat hingegen ein ganz anderes Publikum, oft mit geringerer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, und eine völlig andere globale sozio-demografische Grundlage."

Zugleich stellte er Infantinos Behauptung infrage, der durchschnittliche Ticketpreis werde unter 500 Dollar liegen. Durch die dynamische Preisgestaltung schwankten die Preise bereits stark und würden dies weiter tun.

"Vielleicht kann Infantino irgendwann im Juli sagen, dies sei am Ende der Durchschnittspreis gewesen. Aber bis dahin lässt sich das schlicht nicht behaupten", so Chadwick.

Verhindern hohe Preise überteuerte Weiterverkäufe?

Infantino begründete die hohen Preise zudem damit, dass sie notwendig seien. Würde die FIFA die Tickets deutlich günstiger anbieten, würden Ticketbörsen und Schwarzhändler die Karten aufkaufen und zu viel höheren Preisen weiterverkaufen, sodass die Gewinne auf dem Schwarzmarkt und nicht im Fußball landeten.

"In den USA ist der Weiterverkauf von Tickets erlaubt", sagte Infantino im Mai laut dem Guardian. "Wenn man Karten zu billig anbietet, werden sie nur aufgekauft und zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft."

Verbraucherschutzorganisationen widersprechen jedoch. Hohe Preise verhinderten den Weiterverkauf keineswegs.

"Wir sehen Tickets, die für über zwei Millionen Euro angeboten werden; immer mehr Zwischenhändler verdienen an diesen Weiterverkäufen mit", sagte Olivia Brown, Policy Officer bei Euroconsumers, dem europäischen Dachverband der Verbraucherorganisationen. "Das Argument, dynamische Preise hielten das Geld im Sport, sehen wir sehr kritisch."

"Die FIFA hat für Käufer und Verkäufer eine Gebühr von 15 Prozent eingeführt. Von jedem weiterverkauften Ticket fließen also noch einmal 30 Prozent an die FIFA zurück", so Brown weiter. "Sie sagen, die Erlöse gingen in den Sport zurück, aber wir wissen auch, dass ein großer Teil des Geldes beim Weltverband bleibt."

Brown sagte, die FIFA hätte eine Obergrenze einführen können, damit Tickets nur zum Originalpreis weiterverkauft werden dürfen. Dazu kam es letztlich nicht.

FIFA-Präsident Gianni Infantino verfolgt das WM-Gruppenspiel der Gruppe D zwischen den USA und Paraguay am 12. Juni 2026
FIFA-Präsident Gianni Infantino verfolgt das WM-Gruppenspiel der Gruppe D zwischen den USA und Paraguay am 12. Juni 2026 Andre Penner/Copyright 2026 The AP. All rights reserved.

Allerdings findet die Argumentation der FIFA auch Zustimmung bei einigen Kommentatoren.

Der Fußballjournalist Henry Bushnell schrieb in einem Beitrag für The Athletic, das Sportressort der New York Times, dass selbst bei Preisen auf dem Niveau früherer Weltmeisterschaften viele Karten wohl auf Zweitmärkte gelangt und dort zu deutlich höheren Summen verkauft worden wären, weil der Weiterverkauf in den USA weitgehend unreguliert ist.

Nach Ansicht Bushnells bestand der größte Fehler der FIFA nicht in den hohen Preisen an sich, sondern darin, zu wenige erschwingliche Karten für treue Fans zurückzuhalten.

Die FIFA reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf unsere Bitte um eine Stellungnahme.

Weitere Quellen • AP

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