Ölpreise geben deutlich nach, europäische Börsen legen zu: Hoffnung auf Entschärfung des Iran-Kriegs stützt Stimmung an den Märkten.
Die europäischen Börsen sind am Mittwoch mit Gewinnen gestartet. Auch in Asien herrschte eine optimistischere Stimmung. Hintergrund sind vor allem Hoffnungen, die USA könnten doch in Gespräche mit Iran eingetreten sein, obwohl Washington zugleich Tausende Soldaten in den Nahen Osten verlegt – bislang ohne endgültige Entscheidung über einen möglichen Einsatz am Boden.
US-Präsident Donald Trump erklärte, in dieser Woche gebe es Fortschritte in den Gesprächen mit Teheran. Zudem sorgte seine Entscheidung, ein für Montag gesetztes Ultimatum zur „Auslöschung“ iranischer Kraftwerke im Streit um die Wiederöffnung der Straße von Hormus zu verschieben, für zusätzlichen Optimismus, dass der Krieg mit Iran bald enden könnte.
Nach Medienberichten hat Washington Teheran einen Waffenstillstandsplan mit fünfzehn Punkten vorgelegt. Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte verspottete den Vorstoß der USA am Mittwoch jedoch.
Die wichtigsten europäischen Indizes legten zum Handelsstart zu: Der FTSE 100 in London gewann fast ein Prozent, der CAC 40 in Paris stieg um rund eins Komma vier Prozent, der DAX in Frankfurt kletterte um etwa eins Komma sieben Prozent.
„Der FTSE 100 bewegte sich wieder über die Marke von 10.000 Punkten, angeführt von Bank- und Minenwerten“, sagte Russ Mould, Investmentdirektor beim Vermögensverwalter AJ Bell. „Die Ölpreise blieben volatil: Gespräche über einen möglichen Friedensplan trafen auf anhaltende Angriffe im Nahen Osten und Berichte, dass die USA zusätzliche Truppen in die Region schicken“, ergänzte er.
In Großbritannien stiegen die Verbraucherpreise im Februar um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, genauso stark wie im Januar.
„Die heutige Inflationsrate von drei Prozent in der Gesamtteuerung und drei Komma zwei Prozent bei der Kernrate ist mit Vorsicht zu interpretieren“, sagte Lindsay James, Investmentstrategin beim Vermögensverwalter Quilter.
„Sie bezieht sich auf den Februar und liegt damit vor der Eskalation im Nahen Osten ganz am Ende des Monats.“
Analysten sehen nun vor allem eine Frage: Wie dauerhaft wirkt sich der jüngste Ölpreisanstieg auf die Inflation aus? „Kurzfristig könnte der Effekt begrenzt bleiben“, so James.
Auch die Erwartungen an die Zinspolitik der Bank of England haben sich laut Mould „in den vergangenen Wochen drastisch verändert, weil sich der Markt auf einen Inflationsschock einstellt“.
Öl- und Gaspreise geben nach
Die Ölpreise gaben erneut nach, gestützt von wachsenden Hoffnungen auf eine Entspannung.
Die Sorte Brent, der internationale Referenzpreis, verbilligte sich um mehr als vier Prozent und kostete nur noch knapp 100 Dollar je Barrel.
US-Leichtöl der Sorte WTI lag am frühen Mittwoch mehr als drei Komma sieben Prozent im Minus und notierte knapp unter 89 Dollar je Barrel.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für den Transport von Rohöl und verflüssigtem Erdgas. Entsprechend stark sind die Preise für Öl und Gas in den vergangenen Tagen nach oben geschossen und kräftig geschwankt.
Hoffnung auf eine allmähliche Normalisierung des Schiffsverkehrs nährte zudem der Datendienst Kpler. Demnach ließ Iran mehrere Tanker durch die Meerenge passieren, statt die Durchfahrt vollständig zu blockieren.
Iran bestreitet zwar, dass Verhandlungen stattfinden, und die Angriffe im Nahen Osten halten an. Pakistan hat dennoch angeboten, mögliche Gespräche zwischen Washington und Teheran auszurichten.
Anleger werden optimistischer
An den Terminmärkten legten US-Futures am Mittwoch im frühen Europahandel leicht zu. Gold- und Silberpreise schossen nach oben, auch Kryptowährungen verzeichneten Gewinne.
Der Goldpreis nahm seinen Aufwärtstrend wieder auf, nachdem er zuvor nachgegeben hatte.
Zuvor war das Edelmetall unter Druck geraten. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen und schwindende Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank hatten belastet, zumal der Ölpreissprung die weltweite Inflation weiter anheizen könnte.
Am frühen Mittwochmorgen in Europa lag der Goldpreis rund drei Komma sechs Prozent im Plus bei 4.557,30 Dollar je Feinunze. Zu Beginn des Monats hatte er zeitweise über 5.000 Dollar erreicht.
Silber notierte bei 73,445 Dollar und damit mehr als fünf Komma fünf Prozent höher. Der CoinDesk Bitcoin Price Index lag rund zwei Komma fünf Prozent im Plus bei gut 71.000 Dollar gegen acht Uhr dreißig MEZ.
Auch die Börsen in Asien profitierten. In Tokio legte der Nikkei 225 um zwei Komma neun Prozent zu, in Hongkong stieg der Hang Seng um null Komma sieben Prozent. Der Shanghai Composite gewann mehr als ein Komma zwei Prozent, der südkoreanische Kospi eins Komma sechs Prozent.
Die in Hongkong notierten Aktien des Labubu-Puppenherstellers Pop Mart brachen dagegen um mehr als fünfzehn Prozent ein. Das Unternehmen hatte Jahresumsätze für das vergangene Jahr vorgelegt, die weitgehend den Erwartungen der Analysten entsprachen.
Der US-Dollar kostete 158,98 japanische Yen nach 158,69 Yen am Vortag. Der Euro wurde zu knapp eins Komma sechzehn Dollar gehandelt, nach gut eins Komma sechzehn Dollar zuvor.