Brüssel reagiert auf US-Exklusivzugang zu Anthropic-Spitzenmodellen und prangert Ausschluss Europas als diskriminierend an.
Die Entscheidung der US-Regierung, Ausfuhrbeschränkungen für Anthropics leistungsstärkste KI-Modelle zu verhängen, stößt in der Europäischen Kommission auf Kritik. Die Behörde prüft, welche Folgen das für Nutzerinnen und Nutzer in der EU hat.
Die Regierung von Donald Trump hat am Freitag per Anordnung verfügt, dass ausländische Staatsangehörige die KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 von Anthropic nicht mehr nutzen dürfen. Sie begründet das mit Risiken für die nationale Sicherheit. Anthropic musste daraufhin allen nicht-amerikanischen Kunden, auch in Europa, den Zugang sperren.
Fable 5 und Mythos 5 gelten als Modelle der neuesten Generation. Zunächst durften nur ausgewählte Nutzergruppen damit arbeiten. Sie sollten vor allem testen, ob sich mit Hilfe der Modelle Schwachstellen für Cyberangriffe erkennen und ausnutzen lassen.
„Wir sehen, dass eine neue Generation sehr leistungsfähiger KI-Modelle auf den Markt kommt. Diese Modelle bringen große Vorteile, etwa für die Cyberabwehr. Gleichzeitig werfen sie schwerwiegende Fragen zur Cybersicherheit auf, die wir angehen müssen“, sagte am Sonntag Thomas Regnier, Sprecher der Europäischen Kommission für technologische Souveränität.
„Das ist eine gemeinsame Herausforderung, nicht ein Problem eines einzigen Rechtsraums oder eines einzelnen Unternehmens. Wir sind der Auffassung, dass Vorsichtsmaßnahmen in diesem Zusammenhang unsere Partner nicht diskriminieren dürfen“, fügte er hinzu.
Für die Kommission zeigt der Fall erneut, wie dringend Europa seine technologische Souveränität stärken muss. Die bestehenden EU-Regeln zu Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz sollen dem Staatenbund helfen, diese neuen Risiken nach eigenen Maßstäben zu steuern.
„Wir prüfen genau, welche praktischen Folgen das für europäische Nutzerinnen und Nutzer dieser Dienste hat“, sagte Regnier.
Anthropic-Chef Dario Amodei nimmt am Dienstag an einem Arbeitsmittagessen der G7-Staats- und Regierungschefs mit den Vorstandschefs weiterer großer KI-Unternehmen teil.